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Favoritencheck vor den Australian Open
Bei den Damen ist alles möglich

Die Favoritinnen bei den Damen
Die Favoritinnen bei den Damen FOTO: AFP / dpa
Düsseldorf. Am Montag beginnen in Melbourne die Australian Open. Während sich bei den Männern ein Favorit herauszukristallisieren scheint, ist das Feld bei den Damen offen wie selten zuvor. Auch die deutschen Tennis-Fans dürfen sich diesmal wieder Hoffnungen machen. Von Antje Rehse

Das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres verspricht jede Menge Spannung. Bei den Herren kehren einige große Namen nach überstandenen Verletzungspausen zurück. Bei den Damen ist eine Prognose fast unmöglich, so offen ist das Feld. Der Favoritencheck.

HERREN

Top-Favorit

Titelverteidiger Roger Federer hat bei den Buchmachern auch mit 36 Jahren noch die Nase vorn. Er bereitete sich beim Hopman Cup vor, gewann dort alle seine Matches und mit Partnerin Belinda Bencic auch die Veranstaltung. Während seine großen Rivalen in der Vorbereitung mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatten, präsentiert sich Federer zu Saisonbeginn topfit. 

Erweiterter Favoritenkreis

Hinter den üblichen Verdächtigen Rafael Nadal und Novak Djokovic steht ein Fragezeichen. Beide meldeten sich in der Woche vor den Australian Open zwar gesund zurück, doch wie der Körper auf die Strapazen eines Grand-Slam-Turniers mit längeren Matches reagiert, ist schwer abzusehen. Vor allem Djokovic fehlt nach einer rund sechsmonatigen Pause, die er wegen einer Ellbogenverletzung einlegen musste, die Matchpraxis. Ähnlich war es allerdings im Vorjahr bei Federer, was den Schweizer nicht davon abhielt, das Turnier überraschend zu gewinnen.

Sollten Nadal und Djokovic schwächeln, könnten der Bulgare Grigor Dimitrow, der Belgier David Goffin oder der hochtalentierte aber inkonstante Australier Nick Kyrgios Nutznießer sein. Auch der Hamburger Alexander Zverev gehört als Nummer vier der Welt zum erweiterten Favoritenkreis, doch der 20-Jährige durchlebte zuletzt eine kleine Formkrise. Er will endlich den Durchbruch auch bei einem Grand-Slam-Turnier schaffen, doch möglicherweise kommt Melbourne dafür zu früh. "Ich kann grad keine Matches gewinnen", sagte er zuletzt in einem Smalltalk mit Kyrgios, den er selbst bei Instagram veröffentlichte. Die als Scherz verkaufte Aussage lässt vermuten, wie es um das Selbstbewusstsein des Youngsters bestellt ist. 

Die anderen Deutschen

Neben Zverev gibt es kaum Kandidaten für die zweite Woche. Philipp Kohlschreiber, vielleicht noch Mischa Zverev. Der ältere Bruder von Alexander schaffte es im Vorjahr ins Viertelfinale, schaltete auf dem Weg dahin sensationell den damaligen Weltranglisten-Ersten Andy Murray aus. Seine ersten Auftritte im neuen Jahr deuten aber nicht darauf hin, dass er einen derartigen Lauf wiederholen kann. Zudem ist seine Auslosung knifflig - und in der 3. Runde droht ein Duell der Brüder. In guter Frühform präsentierte sich Peter Gojowczyk, der Alexander Zverevs Zweitrundengegner sein könnte. Jan-Lennard Struff winkt in der zweiten Runde ein Spiel gegen Federer. Cedrik-Marcel Stebe und Maximilian Marterer treffen aufeinander, auch Routinier Florian Mayer hat es auf direktem Weg ins Hauptfeld geschafft. Dustin Brown und Matthias Bachinger könnten über die Qualifikation noch reinrutschen.

Das sind die Favoriten bei den Männern FOTO: afp, ta/RAB

DAMEN

Top-Favoritin

Bei den Damen fällt es auch in der neuen Saison schwer, eine klare Favoritin auf die großen Titel auszumachen. Die Wettanbieter sind sich jedenfalls völlig uneinig. Am ehesten füllt noch die Rumänin Simona Halep diese Rolle aus. Sie ist die Nummer eins der Welt und startete mit dem Turniersieg in Shenzhen ins neue Jahr. Doch ein Grand-Slam-Turnier hat sie noch nie gewonnen.

Erweiterter Favoritenkreis

Die Liste ist lang. Vier verschiedene Siegerinnen bei den vier Majors im vergangenen Jahr - davon zwei ungesetzte Spielerinnen - zeigen, dass im Damentennis derzeit (fast) alles möglich ist. Die aufschlagstarke Tschechin Karolina Pliskova wird immer wieder genannt, auch die Spanierin Garbine Muguruza, die in Wimbledon und bei den French Open bewiesen hat, dass sie zum Höhepunkt voll da sein kann. Die Dänin Caroline Wozniacki macht sich Hoffnungen auf ihren ersten Grand-Slam-Titel, genau wie die Ukrainerin Elina Switolina. Und da wäre noch Maria Scharapowa (Russland), die als ungesetzte Spielerin die Konkurrenz schocken will.

Und ja, auch zwei Deutschen wird viel zugetraut. Angelique Kerber scheint ihr Krisenjahr 2017 überwunden zu haben, sie präsentiert sich zum Saisonbeginn in Topform - und weiß, wie man in Melbourne gewinnt. Julia Görges strotzt derzeit nur so vor Selbstvertrauen, sie hat jahresübergreifend drei Titel in Folge gewonnen. Die 29-Jährige kam bei einem Grand-Slam-Turnier noch nie über das Achtelfinale hinaus. Die Chancen, es besser zu machen, waren noch nie so gut.

Die anderen Deutschen

Es spricht wenig dafür, dass es noch eine andere Deutsche in die zweite Woche, also mindestens ins Achtelfinale schaffen könnte. Tatjana Maria ist in der ersten Runde gegen Scharapowa klare Außenseiterin, ebenso wie Carina Witthöft gegen die Französin Caroline Garia. Anna-Lena Friedsam ist grade erst von einer langen Verletzungspause zurückgekommen und Kerbers erste Gegnerin, Mona Barthel ist mit zwei Niederlagen - jeweils gegen Varvara Lepchenko - ins neue Jahr gestartet. Und auch Sorgenkind Andrea Petkovic, mittlerweile aus den Top 100 gefallen, verlor ihr erstes und bis dato einziges Match des Jahres - in der Qualifikation in Brisbane. Sie trifft auf die zweimalige Wimbledon-Siegerin Petra Kvitova (Tschechien). Über die Qualifikation könnte nur noch Antonia Lottner nachrücken.

 
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