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Australian Open
Plötzlich Titelkandidatin – Angelique Kerber wie verwandelt

Kerber feiert ersten Titel seit 2016
Kerber feiert ersten Titel seit 2016 FOTO: rtr, DG/mos
Angelique Kerbers Verwandlung vom Sorgenkind zur Titelkandidatin in Melbourne dauerte nur wenige Wochen. Alexander Zverev ist dagegen den Beweis bislang schuldig geblieben, dass er bei den Australian Open zum Favoritenkreis gehört.

Hätte Angelique Kerber im November 2017 gewusst, wie schnell sich das Blatt wenden kann, ihr wären wohl einige Tränen erspart geblieben. Verunsichert, ja geradezu verzweifelt hatte sie in Zhuhai die Tour verlassen - als größte Verliererin der Saison. Selbstsicher und furchtlos kam sie in Sydney zurück. Als Turniersiegerin und Titelkandidatin für die Australian Open.

In wenigen Wochen wandelte sich Kerber (29) vom Sorgenkind des deutschen Tennis zur größten Hoffnung für den ersten Höhepunkt des neuen Jahres - und ist von sich selbst überrascht. "Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es schon beim ersten Turnier so gut klappt. Ich wusste nicht, wo es hingeht", gab Kerber nach ihrem ersten Training in Melbourne am Sonntag zu. Zu tief war sie im Jahr zuvor gefallen.

"Darüber will ich gar nicht mehr so viel reden", sagte Kerber. Die Kielerin schaut nur noch nach vorne, zunächst auf ihr Auftaktmatch am Dienstag gegen ihre Landsfrau Anna-Lena Friedsam aus Neuwied. In Melbourne startet sie jedoch dank der perfekten Ausbeute von 9:0 Siegen in der Saison 2018 und dem Finalerfolg in Sydney über die Australierin Ashleigh Barty (6:4, 6:4) mit so viel Selbstvertrauen wie seit Monaten nicht mehr.

Großen Anteil an der Verwandlung besitzt Wim Fissette, der im November den einstigen Erfolgscoach Torben Beltz im Team Kerber abgelöst hatte. Der Belgier stabilisierte den Aufschlag, die größte Schwäche im Spiel der zweimaligen Grand-Slam-Siegerin. Die neue Konstanz gab Kerber Selbstvertrauen, das ihr half, aus dem Teufelskreis der Selbstzweifel auszubrechen.

"Es hat sich von Anfang an gut angefühlt", sagte Kerber über die Zusammenarbeit mit Fissette, der bereits seine Landsfrau Kim Clijsters zu Grand-Slam-Titeln und Sabine Lisicki ins Finale von Wimbledon geführt hatte. Dabei sieht Kerber noch viel Potenzial. "Ich kann noch viele Sachen besser machen, es braucht noch Zeit, aber wir sind alle froh, dass es so angefangen hat", sagte sie.

Begonnen hatte ihre Erfolgsserie am Neujahrstag beim Hopman Cup. Auch ihr Mixedpartner Alexander Zverev spielte sich in Perth für die Saison ein, allerdings erwischte der Weltranglistenvierte einen holprigeren Start als Kerber. Die drei Niederlagen in vier Einzeln will der gebürtige Hamburger jedoch nicht überbewerten. "Perth habe ich immer zur Vorbereitung gezählt", sagte er: "Ich brauchte Zeit, um mein Tennis wieder in Ordnung zu bringen."

In Melbourne fühle er sich schon viel wohler und bereit für sein Erstrundenmatch am Dienstag gegen den Italiener Thomas Fabbiano. Doch Zverev hat ganz andere Ziele. Erst einmal hat er es ins Achtelfinale eines Grand Slams geschafft, ein Makel, auf den der 20-Jährige immer wieder angesprochen wird. Wie zum Trotz sagte der zweimalige Masters-Champion der vergangenen Saison: "Ich habe schon oft gezeigt, dass ich die Besten der Welt schlagen kann. Ich bin ja nicht ohne Grund die Nummer vier."

In dieser Saison soll es endlich klappen mit einem herausragenden Grand-Slam-Resultat, am liebsten schon in Melbourne, daraus macht er kein Geheimnis. Anders als Kerber braucht Zverev keine Siege, um selbstbewusst aufzutreten, was ihn auch ohne einen Triumph in der Vorbereitung zum Kreis der Favoriten gehören lässt.

(sid)
 
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