| 16.01 Uhr

Erstrundenaus bei den Australian Open
Ratloser Nadal sucht nach Antworten

Fotos: Nadal scheitert in Runde eins gegen Verdasco
Fotos: Nadal scheitert in Runde eins gegen Verdasco FOTO: ap, MDB KAJ
Melbourne. Rafael Nadal war ratlos. Mit versteinerter Miene suchte der Melbourne-Champion von 2009 nach Erklärungen für seinen Erstrunden-K.o. bei den Australian Open. Doch wie zuvor auf dem Court fand Nadal auch in den Katakomben der Rod-Laver-Arena keine Antworten.

"Ich habe toll trainiert und viel gearbeitet. Diese Niederlage ist eine ganz bittere für mich", sagte der 29-jährige Spanier nach dem 6:7 (6:8), 6:4, 6:3, 6:7 (4:7), 2:6 in 4:41 Stunden gegen seinen Landsmann Fernando Verdasco (ATP-Nr. 45).

Noch nie zuvor in seiner grandiosen Karriere hatte Nadal beim ersten Major des Jahres die zweite Runde verfehlt. Und noch eine andere Bilanz trieb den zahlreichen "Rafa"-Fans die Sorgenfalten auf die Stirn: Der French-Open-Rekordgewinner ist bei seinen letzten drei Grand-Slam-Teilnahmen nicht mehr über die dritte Runde hinausgekommen. "Er ist nicht mehr der Spieler, der er mal war", urteilte US-Ikone Chris Evert.

Vor allem die Peitschen-Vorhand des Linkshänders hat viel von ihrer Wirkung eingebüßt. Verdasco jedenfalls feuerte als Antwort auf den einstigen Paradeschlag Nadals etliche seiner insgesamt 90 direkten Gewinnschläge ab. "Es war so, als ob ich meine Augen schließe und trotzdem alles funktioniert", meinte Verdasco.

Vor sieben Jahren hatten sich die beiden Kumpels im Halbfinale von Melbourne das bis dato längste Match des Turniers geliefert (5:14 Stunden). Damals hatte Nadal das bessere Ende für sich – und holte zwei Tage später seinen bislang einzigen Australian-Open-Titel.

Die Schatten der schwachen Spielzeit 2015 scheinen den sensiblen Nadal auch in der neuen Saison zu verfolgen. Dabei sollte doch wieder alles besser werden für den 14-maligen Major-Champion. Erstmals seit 2004 hatte die frühere Nummer eins eine Grand-Slam-Saison ohne Titel beendet. "In vielen Matches", gestand Nadal, "habe ich mir mehr Sorgen um mich gemacht, als ich meinen Gegnern Sorgen bereitet habe".

Eine seiner bittersten Niederlagen hatte er ausgerechnet in seinem Königreich kassiert – im Viertelfinale von Roland Garros gegen Branchenführer Novak Djokovic (Serbien). Nadal sorgte danach bei einigen Experten für Unverständnis, als er offen darüber sprach, wie verunsichert er ist. Das Innere nach Außen kehren – verpönt in einer Sportart, in der mentale Stärke oft der entscheidende Faktor ist.

Eine Stärke, die dem Stier von Manacor derzeit abgeht. "Der Unterschied ist, dass er Matches verliert, in denen er sein Niveau nicht erreicht. Das war früher eben anders", hatte Nadals Onkel und Trainer Toni jüngst über den kriselnden Sandplatzkönig gesagt.

Zu allem Überfluss musste sich der Weltranglistenfünfte am Rande der Australian Open auch Diskussionen über seine immer schütterer werdende Haarpracht gefallen lassen. Die bittere Pleite gegen Verdasco wird ihn aber wahrscheinlich länger beschäftigen.

(sid)
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