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Tennis
Männer, nehmt euch ein Beispiel

Davis Cup 2016: Männer, nehmt euch ein Beispiel an den Damen
Angelique Kerber hatte zuletzt mehr Grund zum Jubeln als Philipp Kohlschreiber. FOTO: AFP / Imago
Hannover/Düsseldorf. Ab heute tritt das Davis-Cup-Team gegen Tschechien an. Im deutschen Tennis haben die Damen aber die Nase vorn. Von Gianni Costa

Es gibt mal wieder einen neuen Hoffnungsträger beim Deutschen-Tennis-Bund (DTB). Alexander Zverev ist für diese Aufgabe auserkoren worden. Man muss ihn darum nicht unbedingt beneiden, denn es haben sich schon viele an dieser Rolle versucht - und sind gescheitert. Dementsprechend ernüchtert ist die Stimmung vor der heute beginnenden Davis-Cup-Partie der deutschen Auswahl in Hannover im Achtelfinale gegen Tschechien. Zverev wird mit 18 Jahren der jüngste deutsche Debütant im Wettbewerb seit Boris Becker sein.

Sein Weg dorthin ist allerdings nicht das Ergebnis eines Masterplans des Verbands. Denn es gibt in der Nachwuchsförderung bei den Herren nicht das eine Konzept, um junge Talente nachhaltig zu unterstützen. Vielleicht hätte man sich etwas intensiver mit den Entwicklungen bei den Damen beschäftigen sollen. Dort hat Barbara Rittner vor mehr als zehn Jahren die Verantwortung übernommen und seither eine ganze Reihe von Spielerinnen in die Weltspitze geführt. Jüngster Beleg dafür ist der Gewinn des Grand-Slam-Turniers von Angelique Kerber bei den Australian Open. Sabine Lisicki stand 2013 im Endspiel von Wimbledon, Andrea Petkovic hat das Halbfinale von Paris 2014 vorzuweisen. Dazu kommen noch vielversprechende Kräfte wie Julia Görges, Annika Beck und Anna-Lena Friedsam.

Hinter dem Erfolg bei den Damen steht allerdings auch keine ausgeklügelte Strategie, sondern vor allem Rittner als Förderin und Antreiberin. Bei den Herren konnte das schon deshalb so nicht funktionieren, weil es auf dem Posten des Davis-Cup-Kapitäns keine Kontinuität gegeben hat. Nach Patrik Kühnen kam 2012 Carsten Arriens - nun soll mit Michael Kohlmann wieder einiges besser werden. Kohlmann ist kein Lautsprecher, sondern gilt als Fachmann, der im Hintergrund arbeitet. Ihm obliegt, im stärkeren Ausmaß als in der Vergangenheit im Arbeitspapier verankert, sich auch um den Nachwuchsbereich zu kümmern.

Das ist im System Tennis ein mühsames Geschäft. Denn es fehlt an Geld, um Talente systematisch zu unterstützen. Während es in Frankreich nationale Leistungszentren gibt, gehen hierzulande die Landesverbände alle ihre eigenen Wege. Unter der neuen DTB-Spitze um den für den Sport zuständigen Vize-Präsidenten Dirk Hordorf ist zwar schon einiges besser geworden, doch auch der langjährige Trainer von Spielern wie Rainer Schüttler und Janko Tipsarevic kann auch nicht ohne größere finanzielle Mittel Wunderdinge vollbringen.

Die wären indes nötig, um mittelfristig das deutsche Herrentennis zu beleben. In absehbarer Zeit wird es einen Umbruch geben. Thomas Haas, 37, hat zwar noch nicht offiziell seinen Rücktritt verkündet, er sucht noch nach einem würdigen Abschluss für seine Karriere. Philipp Kohlschreiber ist mittlerweile auch schon 32 und von einem Sieg bei einem Grand-Slam-Turnier ungefähr so weit entfernt, wie die Faröer Inseln vom Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft. Außer Zverev, der künftig in der Bundesliga für den Düsseldorfer Vertreter Rochusclub spielen wird, ist kaum ein Talent in Sicht. Kohlschreiber ist Nummer 30 in der Weltrangliste, Zverev 28 Plätze dahinter gelistet - mehr deutsche Vertreter gibt es nicht unter den besten 100. Noch vor wenigen Jahren gab es zwar auch keinen in einer Spitzenposition, aber immerhin sieben, acht Profis im Mittelfeld. Davon kann nun keine Rede mehr sein.

Die Träume sind nach wie vor groß. Das Selbstbewusstsein auch. Und so wähnen sich die Deutschen auch nicht in der Rolle der hoffnungslos Unterlegenen gegen die favorisierten Tschechen. "Ich gehe davon aus, dass uns Philipp mit 1:0 in Führung bringt. Mit so einem Spielstand wäre es einfacher für mich", sagt Zverev bei. Der knapp 14 Jahre ältere Kohlschreiber ist zuversichtlich für sein Match, immerhin hat er Rosol zuletzt zweimal geschlagen: "Unterschätzen darf ich ihn jedoch nicht." Im zweiten Einzel trifft Zverev auf Tomas Berdych.

Quelle: RP
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