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Davis-Cup-Debüt
Tennishoffnung Zverev begeistert auch Lehrmeister Pilic

Porträt: Alexander Zverev: Deutschlands große Tennis-Hoffnung
Porträt: Alexander Zverev: Deutschlands große Tennis-Hoffnung FOTO: dpa, jrp ks
Hannover. Alexander Zverev gibt am Wochenende gegen Tschechien sein Davis-Cup-Debüt. Auf dem 18-Jährigen lasten nicht nur in Hannover die Erwartungen der deutschen Tennisfans.

Bei Alexander Zverev drückt Niki Pilic auch schon mal ein Auge zu. Nicht etwa, weil der Lehrmeister vieler großer Tennisspieler mit 76 Jahren altersmilde geworden wäre. Nein, Pilic lässt Zverev auf dem Court toben, weil er vom Potenzial des Teenagers überzeugt ist.

Als sich der 18 Jahre junge Hamburger im Training vor der Davis-Cup-Partie gegen Tschechien (4. bis 6. März) daneben benahm, seinen Schläger malträtierte und die Bälle aus Wut unter die Hallendecke der Arena in Hannover schoss, lächelte Pilic vergnügt. "Ach, er ist doch noch jung", brummte der Sonder-Berater der deutschen Tennismannschaft.

Und weil Zverev nicht nur jung, sondern auch ziemlich gut ist, steht er vor seiner Davis-Cup-Premiere am Freitag. Nominiert ihn Teamchef Michael Kohlmann für die Partie gegen Top-10-Spieler Tomas Berdych, wäre Zverev der zweitjüngste Debütant nach einem gewissen Boris Becker, der 1985 mit 17 Jahren seinen ersten Auftritt für Deutschland hatte.

Zverev kennt die Vergleiche, nicht einmal zwei Jahre ist der schlaksige Jungspund nun Profi, die Erwartungen an ihn könnten jedoch kaum größer sein. Selbst Pilic, der Becker und Michael Stich im Davis Cup betreut und die heutige Nummer eins Novak Djokovic (Serbien) in seiner Münchner Akademie ausgebildet hat, schwärmt von Zverev. "Er hat das Potenzial, bereits in den nächsten zwei oder drei Jahren unter die Top 10 einzuziehen", sagte Pilic.

Die Tennis-Zeiten, in denen ein 17-jähriger Leimener Wimbledon gewinnen kann, seien zwar unwiderruflich vorbei, dafür sei das Spiel zu athletisch geworden, erklärte Pilic. Doch Zverev, den alle nur Sascha rufen, sei "die Zukunft des deutschen Tennis. Er hat alle Komponenten, um einmal einen Grand-Slam-Titel zu gewinnen", meinte Pilic.

Seit etwas mehr als einem Jahr arbeitet Zverev gezielt an seiner Fitness. Nach dem Erstrunden-Aus bei den Australian Open gegen Andy Murray quälte er sich eine weitere Woche in Melbourne, um in seinen 1,98 m langen Körper hineinzuwachsen. "Ich bin ein anderer Tennisspieler als noch vor zwölf Monaten", sagte Zverev, der mittlerweile auf Platz 58 der Weltrangliste geführt wird. Er habe in allen Bereichen Kleinigkeiten verändert: "In meinem Alter spielt jeder Monat für die Entwicklung eine Rolle."

Jeder Monat - und jedes Match. In diesem Jahr hat Zverev bereits zwei Spieler aus den Top 20 der Weltrangliste (Marin Cilic, Gilles Simon) geschlagen, gegen den früheren Wimbledonfinalisten Berdych verlor er in Marseille nur knapp in drei Sätzen. "Er ist noch nicht stabil", mahnte Pilic, außerdem sei ein Davis-Cup-Match nicht mit denen auf der ATP-Tour zu vergleichen.

Die Last, die Zverev als deutsches Tennis-Talent Nummer eins trägt, wird er in Hannover deutlicher denn je zu spüren bekommen. Umso mehr freut er sich über den Austausch mit Pilic. "Er ist eine riesige Hilfe", sagte Zverev: "Er weiß, was man besser machen kann, und hat ein sehr gutes Auge." Das er gerne zudrückt, wenn Zverev das jugendliche Temperament durchgeht.

(ems/sid)
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