| 13.11 Uhr
Tennis University Offenbach
Die Basis für Petkovics und Kerbers Erfolge
Petkovic tanzt ins Rampenlicht
Petkovic tanzt ins Rampenlicht FOTO: AFP
Köln (RPO). In der Tennis University von Alexander Waske und Rainer Schüttler holte sich Angelique Kerber den Feinschliff für die US Open, Andrea Petkovic gehört in Offenbach zur Stammkundschaft. Wie alle anderen, so mussten auch die beiden Viertelfinalistinnen der US Open zunächst den Crossover lernen.

Alexander Waske hat eine sehr direkte Art. "Zieh dich aus", hat er zu Andrea Petkovic gesagt: "Zieh dich in der Umkleidekabine sofort aus, damit die anderen Spielerinnen deinen durchtrainierten Körper sehen und wissen, dass sie sehr weit laufen müssen, wenn sie dich schlagen wollen." Andrea Petkovic, Deutschlands Nummer eins, ist die fitteste Spielerin auf der Tour. "Das", sagt Waske, "würde ich sofort unterschreiben."

Hilfe für Kerber

In der Offenbacher Tennis University der beiden ehemaligen Davis-Cup-Kollegen Alex Waske und Rainer Schüttler hat auch Angelique Kerber laufen gelernt. Anfang Juli rief sie bei Waske an und bat um Hilfe. Sie traf den Ball einfach nicht mehr, in der Weltrangliste ging es steil nach unten, sie hatte das Spiel irgendwie verloren. Eine Woche kam sie zum Probetraining nach Offenbach, dann stand für Angie Kerber fest: Ich bin bereit.

Bereit, sich zu quälen, ihre Grenzen auszuloten und weit darüber hinaus zu marschieren. So, wie es Andrea Petkovic im Dezember 2010 zwei Wochen lang getan hatte. "Danach", erzählt Waske, "war sie so fertig, dass sie sich auf der Toilette abstützen musste, um wieder hochzukommen." Und sie war so fit, dass "sie heute auch sieben Sätze am Stück spielen könnte".

Alle lernen in Offenbach zunächst den Crossover. Bei der Rückhand legt der Rechtshänder die Belastung auf den rechten Fuß, der linke steht allerdings vorne. "Dadurch kann der Spieler sofort durchstarten, sobald der Ball den Schläger verlassen hat", erklärt Waske: "Steht der linke Fuß bei der Rückhand hinten, verliert man nach dem Schlag durch den nötigen Zwischenschritt genau die zwei Sekunden, die man dann vielleicht zu spät am Ball ist."

Die großzügig angelegte Tennis University, zehn Autominuten vom Drehkreuz Frankfurt/Rhein-Main entfernt, verpasst aber nicht nur den Profis den letzten Feinschliff, sondern kümmert sich auch um jene, die auf dem Weg nach oben oder ganz am Anfang sind. Fünf Sandplätze, vier Indoor-Hardcourts, Fitnessbereich, Sauna sowie eine angegliederte Pension mit zehn Doppelzimmern und einem Restaurant, in dem ausschließlich sportlergerechtes Essen serviert wird, lassen keine (Spieler-)Wünsche offen. Fünf Tennis- und drei Fitness-Trainer arbeiten hauptamtlich in Offenbach, hinzu kommen die sogenannten Reisetrainer, die die Spieler rund um die Welt begleiten.

Individuelles Leistunsmaximum fördern

Egal, ob Profi oder Junior, Ziel der Arbeit ist es, das individuelle Leistungsmaximum eines jeden einzelnen zu förden und zu fordern. "Unser Motto lautet 'be the best you you can be' - geh an deine Grenzen und gib alles, was du hast", sagt Waske. Die individuellen Stärken fördern und den Spieler nicht zu etwas machen, was er nicht ist: "Einem Zwei-Meter-Mann werde ich ganz bestimmt Serve and Volley beibringen, aber dafür braucht es eben auch gewisse körperliche Voraussetzungen." Die Richard Becker unbedingt mitbringt. Der 20-jährige Bielefelder ist einer, dem Waske viel zutraut: "Er hat eine ganze Menge zu bieten."

Zum Rundum-Sorglos-Paket in Offenbach gehören auch Schulungen im mentalen Bereich ("Gerade im Tennis unverzichtbar") sowie Unterstützung und Beratung bei der Turnier- und Karriere-Planung. Keiner wird alleine gelassen, für jeden wird ein ganz individuelles Programm zusammengestellt. Andrea Petkovic und Angelique Kerber präsentieren zurzeit in New York die Offenbacher Schule auf der Weltbühne.

Glaubt man Waske, wird man in nicht allzu ferner Zukunft auch von Cedrik Stebe hören, dem 20-jährigen Linkshänder aus Vaihingen/Enz, der Ende 2010 noch die Nummer 400 der Welt war und mittlerweile schon auf Position 151 notiert ist. "Er wird seinen Weg machen, ganz sicher", sagt Waske. Man darf gespannt sein.

Quelle: SID/can
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