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Wettbetrug im Tennis
Die dunkle Seite des weißen Sports

Tennis Integrity Unit: die Antikorruptions-Agentur
Tennis Integrity Unit: die Antikorruptions-Agentur
Düsseldorf. Manipulationsvorwürfe im Tennis überschatten das Turnier in Melbourne. 16 Topspieler seien in den vergangenen zehn Jahren in Absprachen verwickelt gewesen, behaupten BBC und Buzzfeed. Von Gianni Costa

Die Älteren können sich noch an den Ausdruck "weißer Sport" erinnern. Heutzutage wird gerne der Zusatz "einstmals" verwendet, wenn von Tennis die Rede ist. Damit ist nicht nur die gelockerte Kleiderordnung gemeint, die sich längst von ausschließlich weißer Sportbekleidung verabschiedet hat. Tennis, das war für viele auch immer das Duell zwischen ehrenwerten Sportlern. Das mag in den allermeisten Fällen auch heute noch so zutreffen, doch auch beim Tennis wird falschgespielt.

Nach Korruption im Fußball und in der Leichtathletik nun Manipulation im Tennis? Ganz überraschend kommen die Mutmaßungen nicht. Laut einem Bericht der BBC und des amerikanischen Portals Buzzfeed sollen etliche Tennisprofis aus den Top 50 in den vergangenen zehn Jahren in Spielabsprachen verwickelt gewesen sein. Die Informationen basieren auf geheimen Dokumenten, die Whistleblower weitergereicht haben. Wettsyndikate aus Russland und Italien sollen demnach zum Teil mehrere Hunderttausend Pfund auf einzelne Tennismatches gewettet haben. Betroffen seien auch Partien beim Grand-Slam-Turnier Wimbledon - sowohl bei den Damen als auch den Herren. Spielern seien 50.000 US-Dollar und mehr pro Manipulation geboten worden.

Reaktionen zum Manipulations-Verdacht : "Es gibt keinen Platz für dieses Verhalten"

Bereits vor Jahren gab es solche und ähnliche Vorwürfe. Unklar ist derzeit, ob und wie viele der nun angeblich betroffenen Spieler bereits damals schon im Fokus standen. Bekannt ist der Fall des Russen Nikolai Dawydenko. Er soll unter anderem 2007 gegen den Argentinier Martin Vassallo absichtlich aufgegeben haben. Auf die Partie waren damals Millionen Dollar gesetzt worden. Verurteilt wurde Dawydenko nie.

Es ist geradezu überraschend, dass es jetzt erst wieder zu derartigen Anschuldigungen gekommen ist. Es ist leicht, bei einem Tennisspiel zu manipulieren. Man braucht deutlich weniger Komplizen als zum Beispiel beim Fußball, um eine Partie ohne viel Mühe in die gewünschten Bahnen zu lenken. An einem schlechten Tag verliert eben ein hundert Positionen besser gesetzter Akteur gegen einen aufstrebenden Qualifikanten. Noch unauffälliger ist es, wenn nur ein Satz "abgegeben" wird - wenn der haushohe Favorit hernach doch noch in drei oder vier Sätzen gewinnt. Kriminelle Zocker können mit dem richtig getippten verlorenen Satz viel Geld gewinnen.

Es klingt zunächst völlig abwegig, dass es Top-50-Spieler geben soll, die mit der Wettmafia gemeinsame Sache machen. Die Fluktuation in dem Bereich der Weltrangliste ist allerdings enorm. Die wenigsten Profis können sich über einen längeren Zeitraum dort halten. Die Ausgaben eines Tennisspielers durch Reisen, Hotelübernachtungen und Betreuerstab (Trainer, Physiotherapeut) sind erheblich.

Tennis: Fragen und Antworten zur angeblichen Wett-Manipulation

Die Top-20 müssen sich in der Regel über Geld keine größeren Gedanken machen - viele von ihnen haben bereits durch Antrittsgagen die Kosten gedeckt. Doch auch sie haben mal klein angefangen. Novak Djokovic sind nach eigenem Bekunden vor Jahren 200.000 US-Dollar geboten worden, damit er absichtlich ein Spiel verliert.

Nicht aus allen wird ein Djokovic. Der Serbe zählt seit Jahren zu den dominierenden Figuren. Alle anderen sind vor allem als Improvisationskünstler gefragt. Wenn dann auch noch über längere Zeit der sportliche Erfolg ausbleibt, kann es eng werden. Das macht sie natürlich nicht automatisch anfällig für Betrügereien. Es kann aber eine Erklärung dafür sein, warum überhaupt jemand sich auf derartige Praktiken einlässt. Stuhlschiedsrichter und Linienrichter sind da noch gar nicht mit im Spiel.

Tennis besteht nicht nur aus der großen Bühne. Jeder, der sich Spiele schon einmal auf der zweit- und drittklassigen Challenger-Tour angesehen hat, der weiß, dass man nicht viel Fantasie mitbringen muss, um sich das als eine große Spielwiese für kriminelle Zocker vorzustellen. Dort ist es noch viel schwieriger, Absprachen auf die Spur zu kommen.

Wirklich ernst haben die Tennisorganisationen Wettmanipulationen bisher nicht genommen. Zwar wurde von den Organisatoren der vier Grand-Slam-Turniere (Melbourne, Paris, Wimbledon und Flushing Meadow), der WTA (Damen), ATP (Herren) und dem Internationalen Tennisverband (ITF - unter anderem für Davis Cup verantwortlich) die sogenannte Tennis Integrity Unit gegründet.

Bislang seien über 14 Millionen Dollar investiert worden, um gegen Korruption vorzugehen, teilte die ATP mit. Seit 2008 gab es bislang 18 Bestrafungen - davon sechs lebenslange Sperren für unbekanntere Profis. Einer davon ist der Österreicher Daniel Köllerer.

Ein Radarsystem, wie im Fußball eingesetzt, dass auffällige Bewegungen auf dem Wettmarkt auch für Tennisveranstaltungen analysiert, ist flächendeckend bislang noch nicht im Einsatz. Auch aus finanziellen Gründen. Nun wird es weit mehr kosten, die Glaubwürdigkeit im Tennis zurückzugewinnen.

Quelle: RP
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