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Fall Scharapowa
Jetzt wollen alle Meldonium

Hintergrund: Meldonium - ein Doping-Renner in Russland
Hintergrund: Meldonium - ein Doping-Renner in Russland
Der Fall Maria Scharapowa hat offensichtlich unmittelbar eine stark erhöhte Nachfrage nach dem Mode-Dopingmittel Meldonium ausgelöst.

Eine russische Webseite, die Nahrungsergänzungsmittel vertreibt, berichtete auf Anfrage der BBC, nach dem Geständnis des Tennis-Superstars seien innerhalb von 24 Stunden 150 Packungen des meldoniumhaltigen Präparats Mildronat verkauft worden - im Vergleich zu 850 im gesamten vergangenen Jahr.

Der Preis sei nun nahezu verdoppelt worden, erklärte ein Sprecher von RUPharma, sogar ein zusätzlicher Mitarbeiter werde eingestellt: "Wir nennen Mildronat hier schon scherzhaft Scharaponat."

Meist wollten die neuen Kunden das Präparat für sportliche, nicht für medizinische Zwecke einsetzen. Mildronat wird häufig bei Erkrankungen des Herzkreislaufsystems verschrieben, es hat stärkende Wirkung und verbessert den Stoffwechsel. Es ermöglicht höhere Belastungen und eine schnellere Regeneration.

Scharapowa (Russland) hatte am Montag eingeräumt, dass sie bei den Australian Open Anfang des Jahres positiv auf Meldonium getestet wurde. Sie nehme den Wirkstoff seit 2006 gegen eine Diabetes-Erkrankung ein.

Eine sehr hohe Fallzahl beim Nachweis von Meldonium im vergangenen Jahr hatte dazu geführt, dass der Wirkstoff von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) auf die Verbotsliste gesetzt wurde. Scharapowa (28) erklärte, sie habe dies nicht mitbekommen.

Kritik von Pound

Scharapowa ist nach ihrem positiven Dopingtest scharf vom WADA-Gründungspräsidenten Dick Pound kritisiert worden. Ihr Verhalten sei "beispiellos an Unverantwortlichkeit", sagte der einstige Leiter der Welt-Anti-Doping-Agentur der BBC: "Ihr Millionen-Geschäft beruht darauf, in der Lage zu sein, Tennis zu spielen. Und dann nimmt sie etwas, das auf der Liste steht. Das ist ein Riesenfehler, sie hätte einfach informiert sein müssen."

"Bereits am 20. September 2015 wurde über die Änderung informiert. Sie hatte Oktober, November und Dezember, sich dessen bewusst zu werden", sagte Pound. Der 73 Jahre alte Kanadier wies zudem darauf hin, dass Meldonium in Scharapowas Wahlheimat USA nicht zugelassen sei und nur in einem sehr engen Rahmen von Ärzten verschrieben werden dürfe: "Also muss ein Arzt diese Einnahme verfolgt haben", sagte Pound.

Eine Langzeitgabe der Substanz sei "kontraindiziert" und unter normalen Umständen sehr ungewöhnlich. "Viele Menschen nehmen Meldonium aber zur Leistungssteigerung, und daher war es dringend notwendig, es auf die Liste zu setzen", sagte Pound.

"Jetzt wird Meldonium verschwinden"

Nach dem Verbot von Meldonium werden sich potenzielle Sportbetrüger nach Meinung von Anti-Doping-Experte Lars Mortsiefer nach anderen Substanzen umsehen. "Jetzt wird Meldonium verschwinden, und es wird das nächste Mittel gesucht, das noch nicht auf der Verbotsliste steht", sagte der Vorstand der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwoch).

Die große Zahl der jüngsten Meldonium-Fälle - unter anderem dem von Weltklasse-Tennisspielerin Maria Scharapowa - habe ihm vor Augen geführt, mit welcher Klientel man es zu tun habe. "Man kann dran erkennen, dass sich Athleten herandopen", sagte NADA-Jurist Mortsiefer, "die Grauzonen bewusst ausnutzen, wenn sie glauben, eine leistungssteigernde Wirkung zu spüren."

(sid)
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