| 18.13 Uhr

German Open in Hamburg vor dem Aus
Stich braucht mehr Unterstützung von der Stadt

Haas bezwingt Stich in zwei Sätzen
Haas bezwingt Stich in zwei Sätzen FOTO: dpa, dbo vge
Hamburg. Die Zukunft der German Open am Hamburger Rothenbaum ist offen. Turnierdirektor Michael Stich will das Traditionsevent unbedingt an der Elbe halten.

Michael Stich sitzt jeden Tag am Hamburger Rothenbaum im Center Court Restaurant, der Turnierdirektor schaut sich an, was seine Nachfolger unten auf dem Platz so treiben. Aber viel wichtiger sind seine Telefonate, die Gespräche im Hintergrund, die Verhandlungen um die Zukunft. Neulich war Hamburgs Oberbürgermeister Olaf Scholz Stichs Gast - und natürlich ging es da auch um die Frage: Wie geht es weiter mit den German Open?

"Es war schön, Olaf Scholz die Traditionsveranstaltung am Rothenbaum einmal persönlich näherbringen zu können", sagte Stich nach der einstündigen Stippvisite: "Wir haben auch darüber gesprochen, wie wir gemeinsam dafür Sorge tragen können, dass wir das Rothenbaum-Turnier auch nach 2018 in Hamburg ausrichten." "Das traditionsreiche Tennisturnier am Rothenbaum passt gut zu Hamburg, das habe ich Michael Stich persönlich gesagt", sagte Scholz.

Drei weitere Interessenten

Der ehemalige Wimbledonsieger Stich will jedenfalls mehr Unterstützung - auch finanziell - von der Stadt, um das Turnier an der Elbe zu halten. Nur noch für 2018 hat Stich einen Vertrag, was danach geschieht, ist weiter offen. Das nervt Stich, der drei Konkurrenten im Werben um die Lizenz hat - eine Entscheidung könnte im September fallen.

Und so besitzt der Deutsche Tennis Bund in dem Poker derzeit die besten Karten. Der Verband will künftig mehr Geld für sein Vorzeigeturnier und hat die Zukunft der traditionsreichen Veranstaltung in der Hansestadt zuletzt mehrfach infrage gestellt. Doch Hamburg kann sich nach dem Aus der Olympia-Bewerbung für 2024 eigentlich nicht den nächsten Verlust eines Prestige-Projekts leisten.

So oder so ist es nicht zu übersehen, dass das Turnier in der Krise steckt. Die Stars bleiben seit dem Verlust des Masters-Status weg, der Zeitpunkt ist für ein Sandplatzturnier so kurz vor den US Open denkbar schlecht. Zudem will der Sportverein Club an der Alster als Pächter des Areals am Rothenbaum die jetzige Arena umbauen. Neben einem bundesligatauglichen Hockeyplatz für bis zu 3000 Zuschauer soll ein Tenniscourt für 7500 Besucher entstehen, das alte Tennisstadion für mehr als 10.000 Zuschauer würde nach Fertigstellung der Multifunktionsarena abgerissen.

"Wir sind der kleinste Spieler in diesem System", sagte Stich, Wimbledonsieger von 1991: "Wir finden, es ist ein tolles Stadion, es gibt keinen Grund es abzureißen. Wir wollen uns aber Neuerungen auch nicht verschließen."

Und der DTB erhöht den Druck, auch auf die Stadt Hamburg. Die Hanseaten müssten sich "bewegen. Da haken wir", sagte DTB-Vizepräsident Dirk Hordorff der "Hamburger Morgenpost". Er erwartet finanzielle Unterstützung bei der Renovierung des maroden Daches über dem Center Court: "Es geht darum, dass die Renovierung oder Sanierung des Stadiondachs einer Bezuschussung bedarf." Wenn ein "anderer Standort weitaus bessere Möglichkeiten bietet", sagte Hordorff, müsse man "Realismus walten lassen".

Für Altmeister Tommy Haas, der gerade zum letzten Mal in seiner Geburtsstadt aufschlug, wäre das Aus für den Rothenbaum "schade, keine Frage. Das Turnier war immer etwas ganz Besonderes, seit vielen, vielen Jahren", sagte der 39-Jährige: "Ich glaube, jeder große Tennis-Star war schon mal hier." Haas appelliert an den DTB, "eine gute Lösung" zu finden, damit das "Turnier nicht woanders hingeht". Stich arbeitet daran.

(sid)
 
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