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Tennis in Madrid
Bouchard tritt gegen Scharapowa nach

Bouchard schlägt Erzfeindin Scharapowa in Madrid
Bouchard schlägt Erzfeindin Scharapowa in Madrid FOTO: dpa, FS hjb
Das Comeback von Maria Scharapowa ist etwas ins Stocken geraten: Die Dopingsünderin musste sich in Madrid Eugenie Bouchard geschlagen geben. Die Kanadierin trat nach der Partie noch etwas nach.

Die prophezeite Eiszeit auf der Anlage La Caja Mágica blieb im sommerlich-warmen Madrid zunächst aus. Der Handshake zwischen "Anklägerin" Eugenie Bouchard und "Betrügerin" Maria Scharapowa wurde der brisanten Vorgeschichte des Matches nicht wirklich gerecht.

Am Netz gab es nach dem hochklassigen Schlagabtausch über 2:51 Stunden dann noch einen intensiven, aber neutralen Blickkontakt – das wars. "Sie hat zu mir gesagt: Gut gespielt", berichtete Bouchard nach ihrem Sieg im aufsehenerregenden Zweitrundenspiel von Madrid gegen Dopingsünderin Scharapowa (7:5, 2:6, 6:4).

Der Nachsatz der Kanadierin, die am Mittwoch im Achtelfinale auf Angelique Kerber (Kiel/Nr. 1) trifft, war dann allerdings schon ein bisschen kühler. "Sie spielt wirklich gut bei ihrem sogenannten Comeback – wenn man es so nennen will", stichelte die zuletzt formschwache ehemalige Wimbledon-Finalistin Bouchard.

Erst vor zwei Wochen hatte sie Scharapowa als "Betrügerin" bezeichnet, die "nie wieder" auf die Tour hätte zurückkehren dürfen. Es war das deutlichste Statement einer Kollegin rund um die Rückkehr von Scharapowa (30) und die Diskussion über ihre umstrittenen Wildcards in Stuttgart am 26. April.

Bouchard dopt sich mit Textnachrichten

Gänzlich frostig wurde es dann in den Stadion-Katakomben von Madrid, als Bouchard (23) über ihr ganz persönliches Mental-Doping vor dem ganz besonderen Match sprach: "Ich war sehr inspiriert, weil viele Spielerinnen vorher zu mir gekommen sind und mir viel Glück gewünscht haben. Ich habe auch viele unterstützende Text-Nachrichten aus der ganzen Tennis-Szene bekommen", erzählte die Nummer 60 der Welt, die schon einmal Weltranglistenfünfte war: "Die Reaktionen vor dem Spiel haben gezeigt, dass viele Leute meiner Meinung sind."

Nun muss man dazu aber wissen, dass Bouchard selbst im Kreis der Spielerinnen äußerst unbeliebt ist. Viele sagen der Blondine mit dem werbewirksamen Zahnpastalächeln Arroganz und grenzenlosen Egoismus nach. Wie Scharapowa grüßt Bouchard ihre Kolleginnen nicht, sie sei eine, die für den Erfolg notfalls über Leichen gehe, wird in der Szene gemunkelt. Dazu inszeniert sich "Genie" immer wieder gerne und leicht bekleidet in den sozialen Netzwerken.

"Natürlich wollte ich für mich selbst gewinnen, aber eben auch für all diese Leute", sagte Bouchard über die "extra Portion Motivation" im Match gegen Scharapowa. Bezeichnend, dass die Kanadierin erst vor ein paar Wochen bei einem ITF-Turnier in Indian Harbor Beach mit 0:6, 3:6 gegen die Weltranglisten-896. Victoria Duval (USA) verloren hatte.

Scharapowa kassierte ihrerseits im sechsten Match seit dem Ablauf der 15-monatigen Sperre ihre zweite Niederlage. Was zur Folge hat, dass die fünfmalige Grand-Slam-Siegerin beim anstehenden Turnier in Rom (ab 15. Mai) eine Runde überstehen muss, um sich den Start in der Wimbledon-Qualifikation zu sichern. Würde sie, die derzeit auf Platz 258 des WTA-Rankings steht, in Rom das Halbfinale erreichen, hätte sich Scharapowa sogar für das Hauptfeld der All England Championships qualifiziert.

Doch die rund 300 Millionen Dollar schwere Wahl-Amerikanerin aus Sibirien hat mittelfristig ganz andere Ziele, die auch die Niederlage gegen Bouchard nicht erschüttern konnte. "Ich bin enttäuscht, aber genau das macht mich zu einer besseren Spielerin. Und das wiederum ist die Basis, dass ich noch mehr Grand Slams gewinne", sagte "La Schara".

Und die Lästereien der Konkurrenz? "Aussagen, Artikel – darauf kommt es im Leben nicht an", meinte die coole Russin: "Was zählt, ist auf dem Platz."

(sid)
 
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