| 17.17 Uhr

Fed Cup
Kerber und Co. ignorieren Abstiegsgespenst und Dracula

Fotos: Kerber gibt in Charleston unter Tränen auf
Fotos: Kerber gibt in Charleston unter Tränen auf FOTO: ap
Zweieinhalb Monate nach dem Australian-Open-Triumph von Angelique Kerber könnte ein Abstieg des Fed-Cup-Teams aus der Weltgruppe den leichten Aufwärtsschwung empfindlich stören. Doch an das Schreckensszenario will niemand denken.

Im Herzen von Transsilvanien fühlt sich das deutsche Fed-Cup-Team pudelwohl. Für einen Ausflug ins 296 km entfernte "Schloss Dracula" in Bran reicht die Zeit zwar nicht, aber Horror-Szenarien stehen in den Tagen von Cluj sowieso nicht auf der Tagesordnung von Angelique Kerber und Co.

Das Abstiegsgespenst wird vor dem Play-off um den Klassenerhalt gegen Gastgeber Rumänien am Wochenende deshalb wohlweislich ignoriert. "Ich versuche mir positive Gedanken zu machen und mir nicht irgendwelche Schreckensszenarien auszumalen", sagte Andrea Petkovic am Mittwoch vor der ersten von zwei Trainingseinheiten auf dem mittelschnellen Sandplatz in der modernen Sala-Polivalenta-Arena.

Die deutsche Nummer zwei will den Druck vielmehr als Antrieb nutzen. "Es treibt mich eher an, noch härter zu arbeiten, damit wir am Wochenende gewinnen", meinte "Petko", die sich in Siebenbürgen auf dem "geliebten Sand" formstark präsentiert.

Fotos: Angelique Kerber – die Nummer eins im Damen-Tennis FOTO: ap, JJ PM FF

Teamchefin Barbara Rittner gab vor dem "50:50"-Spiel gegen die Rumäninnen um die Weltranglistensechste Simona Halep zu, schon mal mit "Unwohlsein" an den verfehlten Klassenerhalt gedacht zu haben. "Ich spiele das Szenario jetzt nicht durch. Ich würde aber lügen, wenn es im Hinterkopf nicht da wäre. Ich versuche es zu verdrängen, denn es ist nicht motivierend, daran zu denken", meinte Rittner und fügte an: "Wir sind uns alle der Herausforderung bewusst."

Bei einer Niederlage am Wochenende in der seit Wochen mit 7500 Zuschauern ausverkauften Halle müsste das DTB-Team erstmals seit 2012 wieder den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Dann könnte die Generation um Kerber (28), Petkovic (28), Sabine Lisicki (26) und Julia Görges (27) wohl erst wieder 2018 nach dem ersehnten Titel greifen. Eine Geduldsprobe mit ungewissem Ausgang.

Die Tennis-Weltrangliste der Damen FOTO: rtr, rd

Allerdings gäbe es bei einem Abstieg am Wochenende noch die kleine Hoffnung, dass der Weltverband ITF die von vielen Verbänden befürwortete Revolution rasch umsetzt und die Weltgruppe 1 bereits ab 2017 von acht auf 16 Teams vergrößert.

Darauf verlassen will sich der Finalist von 2014 allerdings nicht. Umso erleichterter waren Rittner und ihre Spielerinnen, dass am Mittwochmittag Nachzüglerin Kerber eintreffen sollte. Die Australian-Open-Siegerin hatte am vergangenen Samstag ihr Halbfinale beim WTA-Turnier in Charleston wegen Erschöpfung abbrechen müssen. Nach der Rückkehr aus den USA am Montag verbrachte sie den Dienstag noch zum Erholen zu Hause. "Das hat ihr gut getan. Angie hörte sich am Telefon gut an. Und sie hat in Miami und Charleston auch wirklich gut gespielt", sagte Rittner, die fest mit dem Einsatz der deutschen Nummer eins rechnet.

Einen Vorgeschmack auf den Hexenkessel am Wochenende bekommt das deutsche Team jeden Tag, wenn die Gastgeberinnen mit Halep an der Spitze von den Trainings-Kiebitzen mit tosendem Applaus und Sprechchören begrüßt werden. "Simona ist hier eine Volksheldin", berichtete die rumänische Teamchefin Alina Cercel Tecsor.

Linkshänderin Kerber (Kiel), die Nummer drei der Welt, sollte am frühen Mittwochabend ihr erstes Schlagtraining absolvieren. Um den zweiten Einzelplatz streiten Petkovic (Darmstadt/WTA-Nr. 30) und Annika Beck (Bonn/WTA-Nr. 41). Als vierte Spielerin steht Julia Görges (Bad Oldesloe/WTA-Nr. 59) im Aufgebot.

(sid)
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