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Russische Tennis-Diva
Scharapowa will für den Fed-Cup-Titel zum "Teamplayer" werden

Porträt: Maria Scharapowa – Tennis-Ikone und Doping-Sünderin
Porträt: Maria Scharapowa – Tennis-Ikone und Doping-Sünderin FOTO: dpa, bwe jhe
Maria Scharapowa soll Russland am Wochenende im Fed-Cup-Finale gegen Gastgeber Tschechien zum Titel führen. Der Superstar muss sich aber erst einmal an das Leben im Team gewöhnen.

Maria Scharapowa ragt heraus. Auf dem offiziellen Mannschaftsfoto des russischen Fed-Cup-Teams vor dem Finale am Wochenende gegen Gastgeber und Titelverteidiger Tschechien in Prag ist der 1,88 Meter große Superstar mal wieder der Hingucker.

"RUSSIA" prangt in großen Buchstaben auf den von der Farbe Rot dominierten Trainingsanzügen. Und Scharapowa (28) lächelt. Wie ein Kind, das sich am Heiligen Abend auf die Bescherung freut. "Teil des Teams zu sein, ist wirklich aufregend. Es ist immer wieder eine neue Situation für mich", sagte die Weltranglistenvierte vor ihrem ersten Endspiel im bedeutendsten Mannschafts-Wettbewerb im Damen-Tennis. Und sie fügt an: "Ich hoffe, wir werden zusammen ein schönes Wochenende haben."

Scharapowa gilt als absolute Einzelgängerin

Man muss wissen: Alle Spieler sind im Wanderzirkus Profitour in erster Linie Einzelsportler, haben ihre eigenen kleinen Teams aus Trainern und Physiotherapeuten um sich herum. Aber Scharapowa gilt in der Szene als absolute Einzelgängerin, die versucht, Job und Privates strikt zu trennen. "Der Court ist mein Büro", hat sie mal gesagt. Und: "In den Spielerbereichen halte ich mich nicht lange auf. Das ist kein Ort, um Freunde fürs Leben zu finden."

In diesen Tagen wird Scharapowa über ihren Schatten springen müssen. Es ist bekannt, dass das Verhältnis zu ihrer Teamkollegin Jekaterina Makarowa mehr als unterkühlt ist.

Doch der Anreiz am Samstag und Sonntag in der riesigen Arena im Prager Bezirk 9 ist groß: Sämtliche Grand-Slam-Turniere und die inoffiziellen WM hat die aus Sibirien stammende und in Florida lebende Maria Jujewna Scharapowa mindestens einmal gewonnen - der Fed-Cup-Titel fehlt der bestverdienenden Sportlerin der Welt (29,7 Millionen Dollar per anno) noch in ihrem Potpourri.

Zudem garantieren ihr die Einsätze fürs Vaterland das Ticket für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. "Es ist ein Traum, diese Fed-Cup-Trophäe zu gewinnen", meinte Scharapowa, die längst zu einer schillernden Marke geworden ist.

Ihre Fruchtgummi-Linie mit Namen "Sugarpova" verkauft sich weltweit glänzend. Für einen deutschen Sportwagenhersteller fungiert die immer so makellos wirkende "Mascha" als internationale Markenbotschafterin. Vertreter ihrer Sponsoren berichten, dass sie selten einen professionelleren Partner erlebt hätten.

"Maria hat nie ihre Wurzeln vergessen"

Eine wie sie überlässt nichts dem Zufall. Was auch mit ihrem Werdegang zu tun hat. "Maria hat nie ihre Wurzeln vergessen. Das hat sie geprägt und macht sie so stark", sagte US-Ikone Chris Evert.

Mit sieben Jahren war Scharapowa alleine mit ihrem Vater Jurij in die USA ausgewandert, um in der Akademie von Trainerguru Nick Bollettieri zu lernen. Der Papa hatte zwei Jobs, um seiner Tochter den Aufenthalt in Bradenton zu finanzieren. Mit 17 gewann Scharapowa Wimbledon.

Die frühere Nummer eins Evert bewundert "diesen immer noch präsenten und unfassbaren Erfolgshunger" von Scharapowa: "Und zwar bei jedem Punkt, in jedem Match." Diesen Biss hätten nur wenige in den Top Ten. "Es ist Marias größtes Qualitätsmerkmal. Sie will mit aller Macht die Dinge bestimmen, die passieren. Das ist schon phänomenal", sagte Evert über die Ausnahmeathletin. Nun will Scharapowa ihre individuellen Stärken einsetzen, um ihrem Team den insgesamt fünften Fed-Cup-Titel zu bescheren.

(sid)
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