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"Falsche Erwartungen"
Becker stellt Zusammenarbeit mit Kerber in Frage

Fotos: Kerber erklärt zerknirscht ihr Erstrunden-Aus
Fotos: Kerber erklärt zerknirscht ihr Erstrunden-Aus FOTO: ap, BC
Paris. Tennis-Ikone Boris Becker rudert in der Angelegenheit um eine Zusammenarbeit mit der formschwachen Weltranglistenersten Angelique Kerber (Kiel) zurück. Hoffnungen auf eine baldige Trainertätigkeit bei Kerber bremste er. 

Nächsten Dienstag wäre ein idealer Termin für ein ganz besonderes Rendezvous in Paris: Angelique Kerber wird beim World Champions Dinner des Tennis-Weltverbandes ITF in der französischen Metropole geehrt - und Boris Becker ist als TV-Kommentator der French Open ohnehin noch an der Seine.

Dass die Tennis-Traumehe zwischen der formschwachen Kerber und dem dreimaligen Wimbledonsieger so schnell vollzogen wird, kann sich Becker selbst aber offenbar nun doch nicht so recht vorstellen. "Falsche Erwartungen", twitterte Becker am Donnerstagnachmittag, ließ aber offen, was konkret er damit meint.

Im Gespräch mit der Bild-Zeitung hatte der 49-Jährige zuvor seine Philosophie von einer Zusammenarbeit mit einem Spieler oder eine Spielerin dargelegt: "Ich entscheide bei der Frage, wen ich trainiere, nicht nach Frau oder Mann, sondern nach Chancen, Grand Slams zu gewinnen und die Nummer eins zu werden oder zu bleiben. Das reizt mich, da kenne ich mich aus."

Die zweimalige Grand-Slam-Siegerin Kerber war am Sonntag als erste Topgesetzte in Roland Garros überhaupt bereits in der ersten Runde ausgeschieden. "Ihre letzten drei Turniere auf Sand hat Angie nicht gut gespielt, um es milde auszudrücken", sagte Becker, der sich durch die erfolgreiche Partnerschaft mit Novak Djokovic einen Namen als Trainer gemacht hat. "Angie", konstatierte Becker, "befindet sich am Scheideweg."

Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner hatte Becker bereits als Kerber-Ratgeber ins Gespräch gebracht. "Wer sicher auch helfen könnte, wäre Boris. Er weiß, wie man mit Druck umgehen kann und solche Situationen meistert", sagte Rittner dem SID: "Vielleicht sollte sich Angie einfach mal mit ihm treffen."

Auch Steffi Grafs früherer Coach Heinz Günthardt findet Gefallen an der namhaften Kombi Kerber/Becker, die Strahlkraft besitzen würde. Im Damentennis sind im Gegensatz zu den Männern ehemalige Weltklassespieler als Trainer noch nicht so verbreitet.

"Entscheidend ist, dass Angie dafür offen ist. Auf jeden Fall ist es immer ein mentales Plus, wenn so ein Champion wie Boris in deiner Box sitzt", sagte Günthardt dem SID. Das Beste Beispiel sei in diesen Tagen Andre Agassi, der als neuer Coach von Djokovic wirkt.

Nach dem Ausscheiden bei den French Open und ihrer 13. Niederlage in dieser Saison hatte die 29-jährige Kerber gesagt: "Ich stecke im Tief, und irgendetwas wird sich ändern müssen." Einiges spricht dafür, dass ihr Coach Torben Beltz (40), der die Linkshänderin seit frühester Jugend betreut und ein Vertrauter ist, bleiben darf. Becker könnte theoretisch als Einflüsterer im Hintergrund fungieren und Kerbers mentale Seite stärken.

Im feudalen Pavillon Cambon Capucines wird die Kielerin am nächsten Dienstag vor 400 geladenen Gästen für ihre großen Erfolge 2016 geehrt. Ob sie die Erinnerung an ihr Paris-Trauma dann schon überwunden hat, wird sich zeigen. In den nächsten Tagen will sich Kerber auf Mallorca auf die Rasensaison vorbereiten. In Wimbledon hatte sie 2016 im Finale gestanden - ein Ort, an dem sich Boris Becker übrigens besonders gut auskennt.

(sid)
 
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