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French Open
Kerber: "Sand ist eh nicht mein Belag"

Hosenträger-Look bringt Kerber kein Glück
Hosenträger-Look bringt Kerber kein Glück FOTO: ap, BC
Paris/Düsseldorf. Mats Wilander hat eine Menge Ahnung vom Tennis. Der Schwede, inzwischen 51 Jahre alt, war von 1981 bis 1996 als Profi unterwegs. Er gewann dreimal den Davis Cup, setzte sich in den Finals von 33 Turnieren durch, darunter waren die Grand-Slam-Veranstaltungen in Melbourne (1983, 84, 88), New York (1988) und Paris (1982, 85, 88). Von September 1988 bis Januar 1989 war er 20 Wochen lang die Nummer eins der Weltrangliste. Eine starke Bilanz. Von Eckhard Czekalla

"Angelique Kerber ist eine perfekte Allrounderin, die sich auf jedem Belag zurechtfinden kann", sagte Wilander, als TV-Experte und -Moderator auch bei den French Open am Mikrofon. "Ich sehe keinen Grund, warum ihr das nicht auch in Paris gelingen sollte", betonte der Schwede. Nun kennt nicht nur Wilander den Grund: Dieser heißt Kiki Bertens, ist 24 Jahre alt, kommt aus den Niederlanden, ist die Nummer 58 der Weltrangliste und hat am vergangenen Samstag das Turnier in Nürnberg gewonnen. Zugegeben, die Stadt in Franken ist nicht gerade eine Topadresse im Tennissport – aber immerhin.

Bertens, die mit dem Bundesligisten BW Bocholt dreimal den deutschen Mannschafts-Meistertitel gewann, schaltete die Weltranglisten-Dritte in der ersten Runde der French Open mit 6:2, 3:6, 6:3 aus. 155 Tage zuvor stand die Kielerin noch im Zentrum des Jubels. Mit einem Endspielsieg gegen die Topfavoritin Serena Williams gewann sie sensationell die Australian Open in Melbourne. Davon, dass sie in Paris die US-Amerikanerin als Branchenführerin hätte ablösen können, sprach keiner mehr.

"Es hat sich schon einiges geändert. Aber von so einer Situation und so einem Erfolg träumt man doch ein Leben lang", sagte Kerber mit Blick auf die tolle Zeit im Januar in Melbourne Plötzlich war sie gefragt, hatte sie viele Termine abseits des Lebens eines sich auf das Tennis konzentrierenden Profis.

"Würde alles so genauso machen"

Die Niederlage gegen Bertens tat weh, doch die vielen Nebentätigkeiten waren für Kerber nicht die Ursache. "Ich habe das, was ich gemacht habe, gerne gemacht. Ich habe das genossen und würde alles genauso machen", betonte die 28-Jährige. "Es wird einige Tage brauchen, bis ich das hier vergessen habe", gab sie zu, "aber ich werde meine Schlüsse ziehen und versuchen, stärker zurückzukommen."

Auf das Turnier in Nürnberg hatte sie verzichtet, weil es Probleme mit der linken Schulter gab. "Sie ist okay", sagte Kerber vor dem Turnierauftakt in Paris. Am Dienstag ließ sie sich beim Stand von 0:3 im dritten Satz in der Umkleidekabine behandeln. Als Entschuldigung wollte sie die erneut aufgetretenen Beschwerden nicht anbringen, "aber ich habe die Schulter im zweiten Satz gespürt. Dann wurde es schlimmer und schlimmer".

Ihre Chancen, im dritten Satz auf 2:3 und 4:5 zu verkürzen, nutzte die 28-Jährige nicht. "Sand ist eh nicht mein Belag", sagte sie. Und wenn der dann noch feucht ist, werden Punktgewinne noch mühsamer. "Die Bälle sind auf diesem Untergrund schwerer. Man muss den Ball zwei-, dreimal mehr übers Netz spielen als sonst", sagte Kerber. Zwar hatte sie das Sandplatzturnier in Stuttgart gewonnen, war danach aber in Madrid und Rom wie nun auch in Paris schon in der ersten Runde gescheitert. Kerber, die zwar Rechtshänderin ist, den Tennisschläger aber mit der linken Hand führt, ist nun keine "normale" Berufskollegin mehr. Sie ist eine Grand-Slam-Gewinnerin - und Erfolge gegen sie machen sich gut in der sportlichen Bilanz ihrer Gegnerinnen.

Kerbers Scheitern war die zweite große deutsche Enttäuschung nach der Niederlage von Sabine Lisicki am Tag zuvor gegen die Qualifikantin Veronica Cepede Royg aus Paraguay. Auch der derzeit beste deutsche Tennisspieler scheiterte an seiner Auftakthürde. Philipp Kohlschreiber (Augsburg) verlor gegen den Spanier Nicolas Almagro mit 7:5, 2:6, 4:6. Doch es gab auch Erfreuliches: Julia Görges schaltete die in Sydney geborene Britin Johann Konta, im Januar immerhin im Halbfinale der Australien Open, aus. Tanja Maria überraschte mit ihrem Erfolg gegen die ehemalige Weltranglisten-Erste Jelena Jankovic aus Serbien.

Quelle: RP
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