| 18.49 Uhr

French Open in Paris
"Schäm Dich, Serena": Williams in der Kritik

Fotos: Kranke Williams zieht ins Finale ein
Fotos: Kranke Williams zieht ins Finale ein FOTO: ap, PDJ
Paris. Serena Williams steht vor dem Finale der French Open in Paris in der Kritik, vor allem aus der Schweiz bekommt der Tennis-Superstar aus den USA Breitseiten.

"An Unsportlichkeit kaum zu überbieten: Schäm dich, Serena!", schrieb die Boulevardzeitung "Blick", nachdem Williams im Halbfinale gegen Eidgenossin Timea Bacsinszky eine für den Blick "maßlos übertriebene Show" abgezogen hatte.

Auch Ex-Profi und Eurosport-Experte Mats Wilander kritisierte das Verhalten der Weltranglistenersten als "unfair für die Gegnerin". Für die andere Spielerin auf dem Platz sei es schwierig, sagte der Schwede, selbst dreimal Sieger in Paris: "Man weiß plötzlich nicht mehr, was man tun soll, verliert das Konzept." Die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" titelte: "Cinema Williams".

Am Freitag äußerte sich Williams nicht zu den Vorwürfen, sie ließ mitteilen, sie sei zu schwach, um zum Training und der obligatorischen Pressekonferenz auf die Anlage zu kommen. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte sie, viel Ruhe und Flüssigkeit zu brauchen, seit der dritten oder vierten Runde habe sie eine Art Grippe, im Halbfinale sei die beinahe kollabiert.

Williams war beim 4:6, 6:3, 6:0 gegen Bacsinszky, von einer Grippe geschwächt, zwischen den Ballwechseln über den Platz geschlichen, hatte sich immer wieder auf ihren Schläger gestützt und ihren Körper während der Seitenwechsel mit Eis gekühlt.

In der Mitte des zweiten Satzes drehte die 33-Jährige plötzlich auf und gewann zehn Spiele nacheinander. Sie sagte selbst: "Ich habe mich nie so elend gefühlt." Am Samstag (15 Uhr/Eurosport) greift Williams gegen Final-Debütantin Lucie Safarova aus Tschechien nach ihrem 20. Grand-Slam-Titel.

Bacsinszky (25) nahm Williams, die am Abend nach dem Match nicht zur obligatorischen Pressekonferenz erschien, derweil in Schutz. "Ich habe nicht auf sie geschaut, sondern mich auf mich selbst konzentriert. Und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wieso Williams Theater spielen sollte, um mich zu destabilisieren", sagte Bacsinszky: "Sie verdiente den Sieg, weil sie die Lösungen gegen eine kleine Schweizerin fand, die ihr Bestes versuchte, um ihr das Leben schwer zu machen."

Williams setzte ihre merkwürdigen Auftritte in Roland Garros fort, zum vierten Mal hatte sie den ersten Satz beim Höhepunkt dieser Sandplatzsaison verloren, das war ihr zuvor seit ihrem Grand-Slam-Debüt bei den Australian Open 1998 nie passiert. Trotz aller Widrigkeiten geht Williams als Favoritin ins Finale, bislang gewann sie alle acht Aufeinandertreffen mit Fed-Cup-Siegerin Safarova (28).

(sid)
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