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Kristina Mladenovic
Die selbsternannte Pressesprecherin des Damentennis

French Open: Kristina Mladenovic ist die Pressesprecherin des Damentennis
Kristina Mladenovic ballt nach ihrem Sieg gegen Sara Errani die Faust. FOTO: ap, BC
Paris/Düsseldorf. Die Französin Kristina Mladenovic ist bei ihrem Heimturnier in Paris eine Geheimfavoritin. Doch nicht nur auf dem Platz erregt sie Aufmerksamkeit. Mladenovic ist selbstbewusst und meinungsstark. Das musste zuletzt auch Maria Scharapowa erfahren. Von Antje Rehse

Kristina Mladenovic ist 24 Jahre alt, spielt die beste Saison ihrer Karriere und hofft bei den French Open auf den ganz großen Wurf. Die Französin, die in der Weltrangliste bis auf Platz 14 geklettert ist, genießt die Rolle als Geheimfavoritin. Das Damenfeld in Roland Garros ist offen wie selten, eine glasklare Favoritin gibt es nicht. Warum also nicht Mladenovic? Die große Blonde mit der prägnanten Zahnlücke weist in diesem Jahr eine Matchbilanz von 27-10 auf, drei der ersten vier Damen in der Weltrangliste hat sie geschlagen.

Das alles ohne einen festen Coach an ihrer Seite. Den braucht sie auch nicht, findet zumindest Mladenovic. "Ich bin sehr unabhängig, ich bin kein Roboter und mit 24 werde ich meine Technik nicht mehr ändern", sagte sie im Interview mit der "New York Times". "Wenn es um Tennis geht, bin ich die Person, die meine Stärken und Schwächen am besten kennt."

Mladenovic nennt Scharapowa eine Betrügerin

Diese Worte machen deutlich, woran es Mladenovic nicht mangelt: an Selbstbewusstsein auf und neben dem Platz. Die Französin mit serbischen Wurzeln redet gerne. Sie tut das in fünf Sprachen und sie sagt, was sie denkt. So auch im Fall von Maria Scharapowa: Mladenovic hatte als erste Spielerin die Vorgabe der Spielerinnenorganisation WTA missachtet, sich zu dem Fall nicht oder nur zurückhaltend zu äußern. Scharapowa war wegen einer positiven Dopingprobe gesperrt worden. "Wir alle denken, dass sie eine Betrügerin ist. Maria war nie höflich oder nett. Mit dem, was nun passiert, werden nicht viele Leute übrig bleiben, die sie mögen", sagte Mladenovic im vergangenen Jahr. Bei Scharapowas Comeback in diesem April war es Mladenovic, die der Russin die erste Niederlage zufügte.

Doch nicht nur in Interviews sagt Mladenovic gerne ihre Meinung. Für das Portal "Sport360" aus ihrer Wahlheimat Dubai schreibt sie mittlerweile ihre eigene Kolumne "Kickin' it with Kiki". Sie sei sehr offenherzig, schrieb sie in der ersten Ausgabe. "Ich glaube, dass das sehr wichtig ist. Ich spreche nicht häufig, aber wenn ich es tue, dann ist es wirklich gut durchdacht und ich möchte wirklich etwas ausdrücken, weil ich irgendwie weiß, dass ich Recht habe und dass ich es nicht bereuen werde."

Zuletzt beschwerte sich Mladenovic nach einem Interview mit "L'Équipe Magazine" über die Schlagzeile, die die Zeitschrift gewählt hatte ("Auf der Tour kann ich meine Freundinnen mit einer Hand abzählen"). "Ich bin sehr enttäuscht über den Titel, der den Inhalt des Interviews überhaupt nicht widerspiegelt. Es gab so viele interessantere Themen, die man hätte herausstellen sollen", twitterte Mladenovic, die mit dem Hamburger Alexander Zverev und der Schweizerin Belinda Bencic gut befreundet ist. Das Trio war sogar schon zusammen im Urlaub.

"Sie hat eine große Klappe"

So mancher Kollegin geht Mladenovics Offenherzigkeit mittlerweile allerdings etwas gegen den Strich. "Kiki hat eine große Klappe. Deshalb mögen wir sie, aber manchmal geht sie etwas zu weit", sagte jüngst ihre Landsfrau Alizé Cornet. Davor hatte Mladenovic ihre frühere Doppelpartnerin Caroline Garcia gerade scharf kritisiert und behauptet, die französische Nummer zwei sei komplett abhängig von ihrem Vater. Die Paarung hatte im vergangenen Jahr die Doppelkonkurrenz in Paris gewonnen, sich dann aber Ende des Jahres alles andere als friedlich getrennt.

Langfristig wird Mladenovic sich an den sportlichen Schlagzeilen messen lassen müssen. Und dort ist sie auf einem guten Weg. Die Französin hat sich stetig verbessert, sie überzeugt durch eine starke Vorhand und ein variables Spiel. An ihrer größten Schwäche, der Beinarbeit, hat sie gearbeitet. "Mir gefällt meine Entwicklung", sagte sie jüngst. "Ich bin nicht durchgestartet, wie andere, aber meine Verbesserung ist nachhaltig." In diesem Jahr hat sie das Turnier in St. Petersburg gewonnen. Auf Sand schaffte sie es in Stuttgart und Madrid ins Finale.

Bei den French Open steht sie in der dritten Runde. Im ersten Match gegen Jennifer Brady (USA) kämpfte sie sich trotz Rückenschmerzen durch, in der zweiten Partie gegen die frühere Finalistin Sara Errani aus Italien agierte sie souverän. Doch auch hier eckte Mladenovic an. Ihre Gegnerin störte sich daran, dass Mladenovic sich selbst mit "Forza", also auf Italienisch anfeuerte. "Das mache ich schon seit meiner Kindheit so, das war überhaupt nicht gegen Sara gerichtet", sagte Mladenovic. 

In Runde drei bekommt es Mladenovic, die bei den French Open an Position 13 gesetzt ist, an diesem Freitag mit der Amerikanerin Shelby Rogers zu tun. Danach könnte die spanische Titelverteidigerin Garbine Muguruza warten. Mladenovic ist vor den nächsten Aufgaben nicht bange. "Es wird Matches geben, in denen mich die Emotionen überkommen werden und der Druck schwer auf mir lasten wird", sagte sie der "NY Times". "Aber ich verstecke mich in Roland Garros nicht davor. Ich nehme die Situation mit offenen Armen an."

 
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