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French Open
Murray und Wawrinka im Halbfinale, Gigantenduell geplatzt

Murray marschiert ins Halbfinale
Murray marschiert ins Halbfinale FOTO: rtr, sw
Paris. Der topgesetzte Brite Andy Murray steht zum fünften Mal im Halbfinale der French Open und kommt seinem ersten Paris-Titel immer näher. Für Novak Djokovic war dagegen im Viertelfinale Endstation, das mögliche Gigantenduell mit Rafael Nadal ist damit geplatzt.

Novak Djokovic lag nach einem Ausrutscher hilflos am Boden und hatte sein Racket weggeschmissen: Das Bild des gestürzten Titelverteidigers in der roten Asche von Paris hatte Symbolcharakter. Das Viertelfinal-Aus von Djokovic bei den French Open gegen Dominic Thiem (Österreich) kam über weite Strecken einer Demütigung des Serben gleich.

"Das tut mir jetzt ein bisschen weh. Das ist kein schönes Bild dieser Legende", sagte der ernüchterte Eurosport-Experte Boris Becker über die Endphase der 6:7 (5:7), 3:6, 0:6-Pleite seines ehemaligen Schützlings Djokovic, der erstmals seit sieben Jahren nicht im Halbfinale von Roland Garros steht.

Damit platzte auch das von vielen ersehnte Gigantenduell von Djokovic gegen Sandplatzkönig Rafael Nadal in der Vorschlussrunde. Der nach seinem zehnten Paris-Titel greifende Spanier spielt nach seinem 6:2, 2:0-Abbruchsieg im Viertelfinale gegen seinen verletzten Landsmann Pablo Carreno Busta (Bauchmuskelzerrung) am Freitag nun gegen den formstarken Thiem (Nr. 6). "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen", sagte der Österreicher.

Djokovic, der vor einem Jahr den vorerst letzten seiner zwölf Grand-Slam-Titel geholt hatte, saß nur 21 Minuten nach seiner schmerzhaften Niederlage im Pressesaal des Philippe-Chatrier-Stadions. "Es ist hart, diese Niederlage zu kommentieren. Es ist ein Fakt, dass ich momentan nicht annähernd an meine beste Leistung herankomme", sagte der 30-Jährige und meinte relativ gefasst: "Ich habe in den letzten sieben, acht Monaten nicht viel gewonnen. Und das ist eine neue Situation und eine große Herausforderung für mich."

Der topgesetzte Brite Andy Murray indes gab sich trotz Startproblemen keine Blöße und trifft in einer Neuauflage des letztjährigen Halbfinals erneut auf Stan Wawrinka (Schweiz/Nr. 3). "Ich erwarte einen heißen Kampf und werde wie vor einem Jahr mein bestes geben müssen, um Stan zu schlagen", sagte Murray nach dem 2:6, 6:1, 7:6 (7:0), 6:1 gegen den Japaner Kei Nishikori (Nr. 8). Wawrinka blieb auch beim 6:3, 6:3, 6:1 gegen Marin Cilic (Kroatien/Nr. 7) ohne Satzverlust.

Bei den Frauen fehlt Karolina Pliskova (Nr. 2) nach ihrem Halbfinaleinzug nur noch ein Sieg zum Sprung an die Spitze der Weltrangliste. Die Tschechin könnte den Tennis-Thron von Angelique Kerber (Kiel) übernehmen, wenn sie am Donnerstag die Rumänien Simona Halep (Nr. 3) ausschaltet.

Pliskova besiegte im Viertelfinale die Französin Caroline Garcia mit 7:6 (7:3), 6:4. Halep musste beim 3:6, 7:6 (8:6), 6:0 gegen Jelina Switolina aus der Ukraine (Nr. 5) sogar einen Matchball abwehren. Auch wenn Halep das Turnier gewinnt, wäre Kerber am kommenden Montag nicht mehr die Nummer eins.

Was für Djokovic an der Seine ein Neubeginn nach der Sinnkrise sein sollte, wurde zur Ernüchterung. Und das an einem Ort, an dem sich "Nole" vor exakt zwölf Monaten am Ziel seiner Träume sah. Durch den ersehnten ersten French-Open-Coup hatte er im Mai 2016 am Bois de Boulogne seine Major-Sammlung komplettiert.

Was folgte, waren ungewohnte Niederlagen - und Eheprobleme. Seit den berauschenden Tagen von Paris gewann Djokovic nur noch zwei Turniere. Bei den Australian Open im Januar war er sogar schon in der zweiten Runde ausgeschieden.

"Alle Topspieler sind schon durch solche Phasen gegangen. Ich muss und werde einen Weg finden, da wieder herauszukommen", sagte der Familienvater, der Anfang Mai sein gesamtes Trainerteam gefeuert hatte. Übrig blieb nur Mental-Guru Pepe Imaz, der Licht und Liebe predigt.

Neue Inspiration soll Djokovic Ikone Andre Agassi geben. Der Amerikaner trainierte bei den French Open bereits mit dem Weltranglistenzweiten, reiste aber wie geplant am vergangenen Wochenende wieder ab.

(sid)
 
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