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Tennis-Dominator
Wer soll Djokovic auf dem Weg zum Golden Slam stoppen?

Fotos: Djokovic posiert mit Pokal und Regenschirm
Fotos: Djokovic posiert mit Pokal und Regenschirm FOTO: dpa, isl hm
Paris. Der Dominator hat Geschichte geschrieben: Novak Djokovic hat zum ersten Mal die French Open und damit als erster Spieler seit Rod Laver alle vier Grand-Slam-Titel in Folge gewonnen. Nun will der Serbe mehr.  Von Antje Rehse

Für Djokovic, der die Tennis-Szene seit zwei Jahren fast nach Belieben beherrscht, geht es nun darum, alle vier Majors in einem Kalenderjahr zu gewinnen. Der sogenannte Grand Slam gelang bei den Herren lediglich dem Australier Laver 1962 und 1969. Im August hat Djokovic zudem die Chance auf Olympisches Gold. Sollte er tatsächlich die Titel in Wimbledon, bei den Spielen in Rio und bei den US Open einfahren, wäre das der sogenannte Golden Slam. Den schaffte bislang nur Steffi Graf in ihrer Märchen-Saison 1988.

Und tatsächlich stehen Djokovics Chancen gut, wie er auch selbst sagt. "Ich will nicht überheblich klingen, aber ich denke, dass alles im Leben erreichbar ist. Ob ich das schaffe oder nicht - es ist immer noch eine Möglichkeit", sagte der Weltranglisten-Erste in Paris nach seinem ersten Triumph im Stade Roland Garros. Doch wer könnte dem 29-Jährigen einen Strich durch die Rechnung machen? Wir haben uns die Kandidaten angeschaut.

Andy Murray

Das Duell zwischen Djokovic und dem Schotten Murray ist zur Dauerfehde geworden. In diesem Jahr standen sich die zwei nicht nur im Finale der Australian Open und French Open gegenüber, auch bei den Masters-Turnieren in Madrid und Rom lautete das Endspiel Djokovic vs. Murray. Murray ist nach Djokovic der konstanteste Spieler der Saison, von den vier Finals verlor er aber drei gegen den Serben. Beide haben einen ähnlichen Spielstil, bestechen vor allem durch starke Returns und eine kaum zu durchbrechende Verteidigung. Da Djokovics Auschlag aber etwas besser ist als der des Schotten, hat er meist die Nase vorn. Auf Rasen fühlt sich Murray jedoch besonders wohl, einen seiner zwei Titel bei einem Grand-Slam-Turnier holte er in Wimbledon, wo er 2012 zudem Gold bei den Olympischen Spielen in London gewann. Mit dem britischen Publikum im Rücken ist mit Murray im "All England Lawn Tennis and Croquet Club" stets zu rechnen.

Roger Federer

Hinter dem Schweizer, mit 17 Grand-Slam-Titeln immer noch Rekordsieger, stehen große Fragezeichen. Erst musste er wochenlang wegen einer Knieverletzung aussetzen, dann zwang ihn der Rücken zur Absage bei den French Open. Im vergangenen Jahr war Federer Djokovics schärfster Rivale, konnte ihn aber nur auf schnelleren Hartplätzen besiegen. In Wimbledon und bei den US Open zog er im Finale je den Kürzeren – auch weil er seine Chancen nicht konsequent nutzte. Wenn alles passt und er extrem gut aufschlägt, kann der Maestro Djokovic schlagen, vor allem auf dem schnellen Rasen von Wimbledon. Doch nach den Verletzungssorgen und mit 34 Jahren ist es fraglich, ob Federer so einen Tag nochmal erwischen kann, wenn es drauf ankommt.

Stan Wawrinka

Federers Landsmann spielte in der vergangenen Saison den Spielverderber, raubte Djokovic durch seinen Finalsieg bei den French Open schon früh die Chance auf den Grand Slam 2015. Wawrinka ist eine Wundertüte. Konstanz ist nicht seine Stärke, in Paris spielte er im Finale das Match seines Lebens. Wenn Wawrinka einen Lauf hat, sind seine unfassbar druckvollen Grundschläge für niemanden auf der Welt zu verteidigen, selbst für Djokovic nicht. Wawrinka ist ein Mann für die großen Matches, er hat seine letzten zehn Finals auf der ATP-Tour gewonnen. Doch bei dem launischen Schweizer ist auch immer wieder mal ein frühes Ausscheiden drin.

Rafael Nadal

Der Spanier ist neben Djokovic und Federer der einzige aktive Spieler, der schon bei allen vier Grand-Slam-Turnieren triumphiert hat. Allerdings ist er am Handgelenk verletzt und seine Teilnahme in Wimbledon mehr als fraglich. In der darauffolgenden Hartplatz-Saison könnte Nadal wieder angreifen, aber die vergangenen Matches gegen Djokovic, sowohl auf Hartplatz als auch auf Nadals geliebtem Sand, sprechen nicht dafür, dass er für die Nummer eins der Welt zum Stolperstein werden könnte. In den vergangenen sieben Partien war Nadal gegen Djokovic noch nicht einmal ein Satzgewinn vergönnt.

Nick Kyrgios

Der neue "Bad Boy" des Tennis hat zwar noch keine großen Erfolge vorzuweisen – ein Titel bei einem kleineren ATP-Turnier steht bislang für den Australier zu Buche – aber viele Tennis-Fans fiebern dennoch dem ersten Duell zwischen Kyrgios und Djokovic entgegen. Denn der 21-Jährige hat so wenig Respekt vor großen Namen wie wohl sonst niemand auf der Tour. Beweis gefällig? Sein erstes Duell gegen Federer gewann er. Ebenso erfolgreich war er in seinem ersten Match gegen Nadal, den der damals 19-Jährige 2013 sensationell in Wimbledon besiegte. Ein Duell auf Rasen gegen Djokovic dürfte dann auch das potenziell spannendste werden, denn Kyrgios lebt vor allem von seinem sehr starken Aufschlag, der auf Rasen kaum zu entschärfen ist. Allerdings ist Djokovic neben Murray der beste Returnspieler der Welt – und gegen den Schotten zog Kyrgios in vier Duellen stets den Kürzeren.

Alexander Zverev

Die deutsche Tennis-Hoffnung hat sich in diesem Jahr extrem verbessert. In der Weltrangliste geht es stetig bergauf, Rafael Nadal hatte er beim Masters in Indian Wells am Rand einer Niederlage. Der Hamburger kann an einem guten Tag schon mit seinen 19 Jahren beeindruckendes Tennis spielen, wie seine fünf Siege gegen Top-20-Spieler in diesem Jahr zeigen. Aber so weit, Djokovic ein Bein stellen zu können, ist Zverev noch lange nicht.

Dominic Thiem

Der Österreicher ist der Shooting-Star der Saison, nach seinem Halbfinale bei den French Open rückte er in der Weltrangliste auf Platz sieben vor und ist damit der mit Abstand jüngste Spieler in den Top Ten. Doch Thiem ist vor allem auf Sand stark. Auf Rasen tut er sich extrem schwer, auf Hartplatz kommt er besser zurecht, aber fünf seiner sechs Turniersiege holte er auf der roten Asche. Im Halbfinale von Roland Garros erteilte Djokovic dem 22-Jährigen auf dessen bestem Belag eine Lehrstunde. Kaum vorstellbar, dass ausgerechnet der Wiener, der sich gegen eine Teilnahme bei den Olympischen Spielen entschieden hat, dem Serben ein Bein stellen kann.

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