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French Open
Lisicki scheidet sang- und klanglos gegen Qualifikantin aus

Lisicki nach blamabler Leistung ausgeschieden
Lisicki nach blamabler Leistung ausgeschieden FOTO: dpa, sam
Paris. Für Sabine Lisicki sind die French Open 2016 schon wieder vorbei. Die Berlinerin verlor am Montag bei nasskalten Bedingungen ihr Erstrundenmatch gegen Veronica Cepede Royg aus Paraguay mit 2:6, 2:6. 

Sabine Lisicki kämpfte verzweifelt gegen die Blamage und klopfte sich immer wieder auf die Oberschenkel, doch die Flut an Fehlern wollte nach dem großen Regen von Paris einfach nicht enden. Durch das bittere 2:6, 2:6 in der ersten Runde der French Open gegen die Qualifikantin Veronica Cepede Royg (Paraguay) hat die Krise der einstigen Wimbledon-Finalistin Lisicki einen neuen Tiefpunkt erreicht. 

"Sabine war ein Schatten ihrer selbst. Sie wirkte sehr verunsichert, hat momentan einfach kein Selbstvertrauen. Es liegt viel Arbeit vor ihr", sagte die ernüchterte Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner dem SID. 34 sogenannte Unforced Errors leistete sich die völlig neben sich stehende Lisicki - und verließ nach der Blamage mit hängendem Kopf Court 15. Der graue Himmel am zweiten verregneten Turniertag passte zu ihrer ganz persönlichen Untergangsstimmung.

Es war bereits die zwölfte Niederlage im 19. Match der Berlinerin in dieser Saison - und die sechste Auftaktpleite im zwölften Turnier 2016. Gegen die Nummer 161 der Welt, die erst zum zweiten Mal in einem Major-Hauptfeld steht, wirkte die von privaten Sorgen gebeutelte Lisicki komplett hilflos. "Ich hoffe einfach, die Freude am Sport wiederzufinden", sagte Lisicki nach ihrer ganz schwachen Vorstellung.

Match dauert nicht mal eine Stunde

Bezeichnend: Keinen einzigen Breakpunkt konnte sie sich in der nur knapp eine Stunde dauernden Partie erarbeiten. Nur 50 Prozent ihres einst so gefürchteten ersten Aufschlags kamen im Duell mit Cepede Royg überhaupt ins Feld.

Damit hat Lisicki auch ihre letzte Chance auf einen Einzelstart bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im August verspielt. Nach ihrem Sturz aus den Top 50 ist sie derzeit nur noch die deutsche Nummer sechs. Durch den Auftakt-K.o. verliert die frühere Bollettieri-Schülerin weitere Punkte, da sie 2015 in Paris noch in der dritten Runde gestanden hatte.

Neuer Trainer für Lisicki

Doch Lisicki, die zuletzt durch die Trennung von Comedian Oliver Pocher in den Schlagzeilen stand, will weiterkämpfen. "Es ist ein langer Weg zurück, aber ich bin bereit, ihn zu gehen", hatte die einst als "Bum-Bum-Bine" gefeierte Rechtshänderin jüngst betont. In ihrer bislang größten Krise setzt Lisicki nun alle Hoffnung in ihren neuen Trainer Salvador Navarro, der Flavia Pennetta (Italien) in der vergangenen Saison zur US-Open-Siegerin machte.

Auch Rittner versucht, Lisicki in diesen schweren Zeiten besonders zu unterstützen. "Ich will ihr zeigen, dass ich da bin", meinte die 42-jährige Rittner, die aber kein Blatt vor den Mund nimmt: "Ich sage ihr auch knallhart, was ich denke. Mitleid von außen hilft ihr jetzt am wenigsten."

Beck und Brown in Runde zwei

Lisicki ist nach Benjamin Becker (Orscholz) der zweite deutsche Profi, der in der Auftaktrunde gescheitert ist. Insgesamt standen 17 DTB-Starter im Hauptfeld von Roland Garros. Australian-Open-Siegerin Angelique Kerber (Kiel) greift erst am Dienstag ins Geschehen ein. Qualifikant Dustin Brown hat derweil seine Auftakthürde gemeistert und ist als erster deutscher Profi in die zweite Runde eingezogen. Der Weltranglisten-116. gewann seine Hängepartie über zwei Tage mit 6:7 (5:7), 6:4, 7:6 (7:5), 4:6, 6:4 gegen den favorisierten Dudi Sela (Israel/ATP-Nr. 62).

Als erste von zehn gestarteten deutschen Tennis-Damen hat Annika Beck ihr Erstrundenmatch bei den French Open gewonnen. Die Weltranglisten-39. aus Bonn siegte  6:1, 6:2 gegen die Qualifikantin Marina Sanewska aus der Ukraine. "Ich bin sehr zufrieden mut meiner Leistung. Das ist mein Lieblings-Grand-Slam", sagte Beck.

Beck musste streckenweise allerdings hart für den letztlich deutlichen Erfolg arbeiten. In der nächsten Runde trifft die 22-Jährige auf Katerina Bondarenko (Ukraine), die US-Open-Finalistin Roberta Vinci (Italien/Nr. 7) mit 6:1, 6:3 ausschaltete. Im vorigen Jahr hatte Beck bei den French Open die dritte Runde erreicht. Carina Witthöft scheiterte dagegen mit 6:2, 4:6, 2:6 an Sarina Dijas aus Kasachstan.

Dach kommt erst 2020

Indes wurden die seit Jahren andauernden Diskussionen durch den Regen neu entfacht. In Roland Garros soll erst ab 2020 ein Dach über dem Court Philippe Chatrier zum Einsatz kommen. "Diese beiden verregneten Tage haben die Wichtigkeit dieser Installation gezeigt. Es ist eine Frage des Respekts gegenüber den Spielern und Zuschauern", sagte Turnierdirektor Guy Forget.

Bei den Australian Open und in Wimbledon gibt es bereits Abdeckungen über den Centre Courts - bei den US Open wird das 120 Millionen Dollar teure Dach über dem Arthur-Ashe-Stadium, der größten Tennis-Arena der Welt, im August eingeweiht. Und warum hinkt das bedeutendste Sandplatzturnier der Welt hinterher? "Das ist Frankreich", meinte Forget.

(areh/sid)
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