| 19.38 Uhr

French Open
Williams taumelt nach dramatischer Vorstellung ins Finale

Fotos: Kranke Williams zieht ins Finale ein
Fotos: Kranke Williams zieht ins Finale ein FOTO: ap, PDJ
Paris. Serena Williams taumelte, aber sie fiel nicht - und das nicht nur im übertragenen Wortsinn. Der Tennis-Superstar aus den USA gab im Halbfinale der French Open gegen die Schweizerin Timea Bacsinszky eine rätselhafte Vorstellung.

Zwischenzeitlich sah es so aus, als wäre sie im Krankenhaus besser aufgehoben als auf dem Court Philippe Chatrier. "Ich habe mich noch nie so elend gefühlt", gestand sie später bei ESPN: "Ich hätte niemals gedacht, dass ich dieses Match gewinnen kann."

Hat sie aber, allen Widrigkeiten zum Trotz: Nach 1:54 Stunden gewann Williams 4:6, 6:3, 6:0, am Samstag (15 Uhr/Eurosport) greift sie nach ihrem 20. Grand-Slam-Titel. In ihrem dritten Endspiel von Roland Garros trifft Williams auf Debütantin Lucie Safarova aus Tschechien. Die Fed-Cup-Siegerin gewann gegen Ana Ivanovic aus Serbien 7:5, 7:5.

Fotos: Safarova besiegt Ivanovic im Halbfinale FOTO: afp, lab/ql

"Ich bin krank, ich weiß nicht, woher ich die Energie für diesen Sieg genommen habe", sagte Williams noch auf dem Platz, ehe sie das Sieger-Interview mit einem Hustenanfall beendete. Sie habe sich nach ihrem Drittrundensieg gegen Wiktoria Asarenka eine Erkältung eingefangen, mit der sie sich seither herumplage, erzählte sie bei ESPN: "Ich war heute so müde, und dann war ich plötzlich im dritten Satz. Ich habe keine Ahnung, wie das passiert ist. Ich hoffe nur, dass es mir bis Samstag besser geht."

Williams' Auftritt erinnerte in manchen Momenten an die seltsame Darbietung in Wimbledon im vergangenen Jahr. Damals war sie im Doppel wie benebelt über den Platz gestolpert, vor dem Aufschlag konnte sie nicht einmal mehr den Ball auf den Boden prellen. Das passierte der 33-Jährigen auch gegen Bacsinszky, was folgte, war ein Ass mit 193 Stundenkilometern.

Wieviel Show in ihrem Drama steckte, kann nur Williams selbst beurteilen. Ihr ging es so schlecht, dass sie sich während der Seitenwechsel auf der Lehne ihrer Sitzbank aufstützen und den Kopf mit dem Eishandtuch kühlen musste. Zwischen den Ballwechseln schlich sie im Zeitlupentempo über die rote Asche - eine Behandlungspause nahm sie allerdings nicht. Schwer gezeichnet gewann sie nach dem 2:3 im zweiten Satz zehn Spiele nacheinander und damit das Match.

Fotos: Schweinsteiger sieht Halbfinal-Aus von Ivanovic FOTO: afp, lab/ql

Ex-Profi und Eurosport-Experte Mats Wilander kritisierte Williams. Ihr Verhalten, egal, ob krank oder nicht, sei "unfair für die Gegnerin". Bacsinszky meinte: "Ich gucke nicht darauf, was mein Gegenüber macht. Nur sie allein weiß, wie fit sie war."

Damit setzten sich die seltsamen Auftritte der Tennis-Diva in Paris fort. Dreimal, darunter auch in Runde zwei gegen Nobody Anna-Lena Friedsam aus Neuwied, hatte sie den ersten Satz völlig verschlafen und sich mühsam durchs Turnier gequält. Erst im Viertelfinale am Mittwoch gegen Sara Errani aus Italien überzeugte sie zum ersten Mal.

Williams ist allen Gegnerinnen auf der Welt derzeit allerdings dermaßen überlegen, dass sie selbst sichtlich angeschlagen von Erfolg zu Erfolg eilt. Nach ihrem Triumph bei den Australian Open kann sie nun bereits ihr zweites Grand-Slam-Turnier in dieser Saison gewinnen. So ist auch der Rekord von Steffi Graf, die als erfolgreichste Spielerin in der Geschichte des Profitennis 22 Majortitel gewann, nicht mehr weit entfernt.

Dass ausgerechnet Lucie Safarova in ihrem ersten Grand-Slam-Finale Williams bezwingt, ist nur schwer vorstellbar, obwohl die 28 Jahre alte Linkshänderin das Turnier ihres Lebens spielt. Safarova gab auf ihrem Weg ins Finale keinen einzigen Satz ab und schlug dabei unter anderem Sabine Lisicki (Berlin) und Titelverteidigerin Maria Scharapowa (Russland).

Für Ivanovic platzte dagegen der Traum von ihrem zweiten French-Open-Titel nach 2008. Da half diesmal auch Glücksbringer Bastian Schweinsteiger nicht. Der Fußball-Weltmeister war in den Tagen von Roland Garros stets an der Seite der Tennis-Schönheit gewesen.

(sid)
 
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