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Schweizer gewinnt French Open
Stan Wawrinka: In zwei Monaten vom Tiefpunkt zum Triumph

Fotos: Wawrinka posiert mit French-Open-Trophäe vor dem Eiffelturm
Fotos: Wawrinka posiert mit French-Open-Trophäe vor dem Eiffelturm FOTO: afp, MM/le
Paris. "Marriage works" lautete die Botschaft von Andy Murray an die Fernsehzuschauer, als er nach seiner Hochzeit mit Kim Sears am 11. April zwei Turniere in Folge gewann. Frei übersetzt: Das Eheleben ist gut für seine Tennis-Karriere. Novak Djokovic, der bis dato alles überragende Profi in dieser Saison, gab immer wieder zu Protokoll, wie sehr die Geburt seines Sohnes Stefan positiven Einfluss auf sein Spiel nehmen würde. Als Stanislas Wawrinka am Sonntag überraschend die French Open gewann, witzelten die Tennis-Fans, das offensichtlich auch eine Trennung ein Erfolgsrezept sein könne. Von Antje Rehse

Im Winter hatte sich der Schweizer von seiner Ehefrau Ilham getrennt - bereits zum zweiten Mal und diesmal wohl endgültig. Im April, nachdem er beim Masters in Monte Carlo im Achtelfinale nach einer peinlichen 1:6, 2:6-Klatsche gegen Grigor Dimitrow aus Bulgarien als Titelverteidiger die Segel streichen musste, gab er dies offiziell bekannt.

Porträt: Stan Wawrinka: Spätzünder mit Rückhand für Tennis-Liebhaber FOTO: rtr, jl

Was folgte, war einiges an schmutziger Wäsche, die erst öffentlich von seiner Noch-Ehefrau und dann sogar von der offiziellen Internetseite von Roland Garros gewaschen wurde. Dort war ein Artikel erschienen, der sich über den Zufall lustig machte, dass Wawrinka in der ersten Runde in Paris ausgerechnet gegen Marsel Ilhan (Türkei) antreten musste. "Stan the Man versus Ilhan and Ilham", lautete der Titel des Klatsch-Artikels, der später entfernt wurde.

Wawrinka ärgerte sich über die Veröfffentlichung, forderte personelle Konsequenzen und besiegte danach Ilhan glatt in drei Sätzen. Es war der Auftakt zu zwei Wochen, die für Wawrinka in einem echten Märchen enden sollten – und für Djokovic im Albtraum.

Fast unbemerkt zog Wawrinka in die zweite Woche der French Open ein, seine Matches fanden nicht auf den großen Showcourts statt. Fast schien es, als würde mehr über seine karierten Shorts, von vielen als Badehose oder Pyjama-Buxe verspottet, diskutiert, als über seine Leistungen am Bois de Boulogne. Das änderte sich erst, als er im Viertelfinale gegen seinen Landsmann Roger Federer antrat, den er ebenfalls in drei Sätzen besiegte.

Djokovic war in der Zwischenzeit ähnlich souverän durch das Feld gepflügt, hatte dabei aber deutlich mehr Aufmerksamkeit erregt. Schließlich galt er vor Turnierbeginn als großer Favorit auf den Titel. Und als der Serbe den neunmaligen Sieger Rafael Nadal im Viertelfinale vom Thron stürzte – es war erst die zweite Niederlage des Spaniers in Paris – schien er dieser Rolle endgültig gerecht zu werden.

Fotos: Wawrinka krönt sich zum König von Paris FOTO: afp, rt

Doch es sollte anders kommen. Nach umkämpften Halbfinalsiegen gegen Jo-Wilfried Tsonga und Murray trafen Wawrinka und Djokovic im Finale aufeinander. Im ersten Satz lief noch alles nach Plan für den "Djoker", anschließend wurde die Nummer eins der Welt vom Schweizer mit der beeindruckenden einhändigen Rückhand und den druckvollen Schlägen jedoch gnadenlos entzaubert. 4:6, 6:4, 6:3, 6:4 lautete das Endergebnis aus Sicht des Schweizers. Und es gab keinen Zweifel daran, dass der an diesem Tag bessere Spieler gewonnen hatte.

Für Djokovic platzte damit erneut der Traum vom "Carrer Grand Slam", denn noch immer fehlt ihm der Titel beim einzigen Major, das auf Sand ausgetragen wird. "Es ist nicht einfach für mich, jetzt etwas zu sagen. Glückwunsch an Stan, er ist ein verdienter Champion", sagte Djokovic und konnte die Tränen kaum zurückhalten. Die Siege gegen Nadal und Murray hatten ihn offensichtlich viel Kraft gekostet. "Natürlich waren diese Spiele sehr wichtig für mich und auch emotional sehr schwierig. Aber ich will auf gar keinen Fall Entschuldigungen suchen, Stan war heute einfach besser."

"Es war das Match meines Lebens", sagte Wawrinka nach seinem Erfolg.
"Das ist ein ganz besonderer Sieg für mich. Novak ist die Nummer eins der Welt. Ihn ihm Finale der French Open zu schlagen ist etwas ganz Spezielles", sagte der Eidgenosse, der 1,8 Millionen Euro Preisgeld kassierte. "Ich wünsche ihm, dass er den Titel in der Zukunft noch gewinnt. Er hat es verdient."

Bei der Pressekonferenz hatte Wawrinka die rot-weiß karierte Shorts, die im modebewussten Paris seit Turnierbeginn für viel Gesprächsstoff gesorgte hatte, mit dabei. "Ich scheine der Einzige zu sein, dem sie gefällt", sagte der Schweizer grinsend, nachdem er die Hose vor sich auf dem Podium ausgebreitet hatte. "Sie kommt ins Museum von Roland Garros. Ihr könnt sie jeden Tag sehen, wenn ihr wollt."

Die Hose trägt er übrigens seit Monte Carlo. Nach seinem sang- und klanglosen Scheitern dort hätte wohl auch Wawrinka nicht daran geglaubt, dass sie ihm zwei Monate später noch einmal so viel Glück bringen würde.

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