| 18.14 Uhr

Gefallene Tennis-Königin
Williams muss das Verlieren noch lernen

Porträt: Serena Williams: Tennis-Queen, Mode-Liebhaberin und ein Teil des Sister Acts
Porträt: Serena Williams: Tennis-Queen, Mode-Liebhaberin und ein Teil des Sister Acts FOTO: afp, CLIVE BRUNSKILL
New York. Serena Williams kann die US Open offenbar nicht mehr gewinnen. Zum zweiten Mal nacheinander scheiterte sie im Halbfinale - und hat damit nun auch die Nummer eins der Weltrangliste an Angie Kerber verloren.

Serena Williams war kurz angebunden. Sehr kurz. Die vom Thron gepurzelte Tennis-Queen wirkte nach ihrem Halbfinal-K.o. bei den US Open genervt vom Frage-und-Antwort-Spiel mit den Journalisten im Bauch des Arthur-Ashe-Stadiums. Die Dünnhäutigkeit von Williams, die ihre Haarpracht ungewohnt streng nach hinten gebunden hatte, bekam besonders ein Medienvertreter zu spüren.

Vorsichtig wollte er aus dem US-Superstar etwas über die neue Situation an der Spitze des Rankings mit Angelique Kerber als Branchenprimus herauskitzeln. Vergeblich. Williams sagte eisig und mit zusammengekniffenen Augen: "Ich spreche nicht über die Nummer eins, danke."

Der Schmerz über den Verlust der Topplatzierung am Montag nach 186 Wochen sitzt tief und ist vielleicht sogar schmerzhafter als die Knieverletzung, die Williams beim 2:6, 5:7 im Halbfinale gegen die Tschechin Karolina Pliskova angeblich ausbremste. Williams' Trainer Patrick Mouratoglou erklärte im Gespräch mit Eurosport jedenfalls: "Vielleicht wäre es besser gewesen aufzugeben, aber das kann man im Halbfinale der US Open nicht machen. Wir werden sie jetzt untersuchen lassen, um zu sehen, ob sie die Saison fortsetzen kann."

Und das Nervenkostüm von Williams tat ein übriges. Mit ihrem sechsten Doppelfehler besiegelte die sechsmalige US-Open-Siegerin ihr überraschendes Aus beim Heimspiel im Big Apple. Ihre 31 unerzwungenen Fehler (20 Winner) in der 85-minütigen Partie sprachen Bände.

Alle Weltranglisten-Ersten bei den Damen FOTO: rtr, rd gma

Viele der amerikanischen Zuschauer im größten Tennis-Stadion der Welt waren derart geschockt, dass sie nach der Pleite ihres Lieblings sofort den Heimweg antraten - ohne sich das anschließende Match zwischen Kerber und der Dänin Caroline Wozniacki (6:3, 6:4) noch anzuschauen. Die Arena mit einem Fassungsvermögen von 23.771 Zuschauern war beim zweiten Halbfinale höchstens noch zu einem Drittel gefüllt.

Auch Williams hatte es eilig. Exakt wie vor einem Jahr, als sie ebenfalls im Flushing-Meadows-Semifinale den Kürzeren gezogen hatte und so der Traum vom Grand Slam geplatzt war, saß sie schlecht gelaunt in der Pressekonferenz. Wohlwissend, dass New York für sie zum zweiten Mal in Folge der Schauplatz einer ganz bitteren Niederlage war. Mit dem Turniersieg hätte Williams ihren 23. Grand-Slam-Coup landen und sich in dieser Statistik zur alleinigen Spitzenreiterin vor Steffi Graf (ebenfalls 22 Major-Titel) aufschwingen können.

Diesen Rekord kann sie aber ohne weiteres auch im nächsten Jahr noch knacken. Eine andere Bestmarke ist indes außer Reichweite geraten. Zuletzt hatte Williams 186 Wochen in Folge an der Spitze der Weltrangliste gestanden - genau so lange wie Graf. Länger am Stück schaffte es bislang niemand. Auch danach ist Williams gefragt worden. Die Antwort: Eisiges Schweigen. Auch Verlieren will halt gelernt sein.

(sb/sid)
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