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Brite gewinnt sein erstes Grand-Slam-Turnier
Lendl – Murrays stoischer Erfolgsgarant
US Open 2012: Murray gewinnt Finale gegen Djokovic
US Open 2012: Murray gewinnt Finale gegen Djokovic FOTO: afp, STAN HONDA
New York. Und schon wieder Andy Murray: Der Brite hat mit dem Triumph bei den US Open seine derzeitige Vormachtsstellung in der Tenniselite unterstrichen. Seine Erfolge sind vor allem mit einem Namen verbunden: Ivan Lendl. Von Christoffer Kleindienst

Da sitzt er nun, der Erfolgscoach. Sein Schützling hat gerade einen an Spannung kaum zu überbietenden ersten Satz gegen den Weltranglisten-Zweiten Novak Djokovic gewonnen – und er sitzt einfach nur da und verzieht keine Miene. Lendl, der einstige Superstar des weißen Sports, scheint der Ruhepol in der Entourage des derzeit wohl besten Tennisspielers zu sein. Und noch viel wichtiger: er hilft dem Schotten, sein hart erarbeitetes Image als Schattenmann von Roger Federer, Rafael Nadal und eben Djokovic abzulegen. Sieger- statt Verlierertyp – dank Lendl.

Wobei der Begriff Verlierer in Relation zu sehen ist: Murray spielt schon seit Jahren auf allerhöchsten Niveau, für die großen Titel reichte es aber schlichtweg nicht. Bereits vier Mal stand er im Finale eines der Grand-Slams, der Sieg blieb ihm bis zu dem Endspiel der US Open immer verwehrt.

Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Der Grund: So talentiert der Schotte auch war, Murray war auch gleichermaßen unkonstant in seinen Leistungen. Immer wieder patzte er in Runden, in denen die größten Sorgen von Federer und Co. waren, wie sie möglichst kräfteschonend die nächste Runde erreichen würden. Die Tenniswelt hatte sich zu einer Klassengesellschaft geformt: Nadal, Federer und Djokovic an der Spitze, dann erst Murray und hinter ihm folgte der Rest der Welt.

Mit der Verpflichtung von Lendl als Trainer Ende 2011 wollte er dem ein Ende setzen. Eine sofortige Verbesserung stellte sich aber nicht ein – ganz im Gegenteil: Während er bei den Australien Open Anfang des Jahres – fast wie gewohnt – im Halbfinale verlor, könnte man den Auftritt des 25-Jährigen bei den diesjährigen French Open geradezu als Tiefpunkt bezeichnen.

Im Spiel gegen den Finnen Jarkko Nieminen in Runde zwei ließ er sich früh am Rücken behandeln, schlug nur noch mit halber Kraft auf, bis er schließlich – profitierend von einigen leichten Fehler des Gegners – den zweiten Satz gewann, um dann auf einmal wieder exzellentes Tennis zeigte.

"Lendl hat ihm Gelassenheit, Glauben und Ruhe gebracht"

Im Viertelfinale war dann aber trotzdem Schluss, die ersten Kritiker zweifelten schon an dem Gespann Murray/Lendl. Dass der Coach aber außerhalb des Platzes den richtigen Ton anschlägt, zeigt Murray seit dem Wimbledon-Turnier im August. Der Gewinn der Goldmedaille vor den eigenen Fans und der erste Grand-Slam-Erfolg zeigen, dass der Schotte seinem Coach vertraut, dessen Vorgaben auch in wichtigen Situation umsetzt und endlich wirklich an sich glaubt. "Er ist jetzt mental aggressiver auf dem Court. Das ist vielleicht das Einzige, was ihm gefehlt hat", sagt Djokovic über ihn.

Auch Trainerlegende Nick Bollettieri sieht bei ihm eine deutliche Steigerung im mentalen Bereich: "Murray glaubt nun, dass er ein Sieger ist, das hat er vorher nicht getan. Lendl hat ihm Gelassenheit, Glauben und Ruhe gebracht."

Trotzdem steht für Murray diesbezüglich noch viel Arbeit an. Im Finale der US Open kam es immer wieder über ihn – er schimpfte, lamentierte, echauffierte sich über Zuschauereinrufe. Und Lendl? Der saß vollkommen ruhig in der Loge. Er weiß, dass er mit seinem Schützling eine rosige Zukunft vor sich haben kann.

Quelle: seeg/csi/seeg
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