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"Rusty" geht in Rente
Wehmut bei Lleyton Hewitt: Letztes Match gegen "Schüler" Duckworth?

Fotos: Hewitt nach letztem Match mit Standing Ovations verabschiedet
Fotos: Hewitt nach letztem Match mit Standing Ovations verabschiedet FOTO: ap, TH BJ AMB
Lokalmatador Lleyton Hewitt nimmt bei den am Montag beginnenden Australian Open nach knapp 19 Jahren auf der Tour Abschied vom Profitennis. Die frühere Nummer eins der Welt wird als der Mann mit dem großen Kämpferherz in Erinnerung bleiben.

Der Bundeskanzler hieß Helmut Kohl. Und der Untergang der Titanic mit Leonardo Di Caprio in der Hauptrolle elektrisierte die Menschen in den Kinosälen. Doch ein anderer Blondschopf schrieb weit weg in Down Under Tennis-Geschichte. 1997 hatte sich der damals 15-jährige Lleyton Hewitt als jüngster Spieler überhaupt für das Hauptfeld der Australian Open qualifiziert.

Der schmächtige Haudrauf aus Adelaide verlor klar gegen den Spanier Sergi Bruguera - doch es war der Anfang einer großen Karriere, die nun passenderweise beim "Happy Slam" (ab Montag) zu Ende geht. "Als ich zum ersten Mal hier war, hätte ich nie gedacht, dass ich mit über 30 noch spielen würde", sagte der Weltranglisten-306. Hewitt (34) vor seiner Abschiedsvorstellung im Melbourne Park.

Auch diesmal wird "Rusty" im Erstrundenduell mit seinem Landsmann James Duckworth (23) wieder das falschherum aufgesetzte Basecap tragen, das in den knapp zwei Jahrzehnten auf den Courts dieser Welt zum Markenzeichen des Dreifach-Vaters Hewitt geworden ist.

Die besten Tennisspieler aller Zeiten FOTO: AP

Und er wird kämpfen wie immer: Aufopferungsvoll und gleichzeitig kompromisslos wie ein Löwe. "Hewitt-like" eben. Seine Frau, die australische Schauspielerin Bec Cartwright, sowie die drei Kinder Mia Rebecca (10), Cruz (7) und Ava Sydney (5) werden gebannt in der Familien-Box in der Rod-Laver-Arena sitzen und Daddy die Daumen drücken.

Hewitt weiß um die Bedeutung des besonderen Augenblicks. "Ich muss einfach ausblenden, dass dies das letzte Match meiner Karriere sein könnte", meinte die bislang jüngste Nummer eins der Weltrangliste. Kürzlich noch gab Hewitt seinem kommenden Gegner Duckworth Aufschlag-Tipps: "Jetzt wird man sehen, ob er ein guter Schüler ist", witzelte Hewitt.

Bec Cartwright - die Spielerfrau von Lleyton Hewitt FOTO: AFP

Am 19. November 2001 hatte er für insgesamt 80 Wochen den Tennis-Thron bestiegen - mit damals 20 Jahren. Gut zwei Monate zuvor hatte Hewitt die US Open gewonnen, im Jahr darauf holte er sich den Titel in Wimbledon.

Seinem Sport bleibt Hewitt erhalten. Er wird Davis-Cup-Teamchef der "Aussies" und steht angesichts der Erstrundenpartie gegen die USA Anfang März im Melbourner Stadtteil Kooyong vor einem reizvollen Debüt.

Ein bisschen Wehmut verspürte der erst spät zum Publikumsliebling gereifte Hewitt bereits vor Beginn seines Abschiedsturniers. "Ich werde es vor allem vermissen, mich nicht mehr täglich pushen zu müssen", berichtete Hewitt, dem es nie an Motivation fehlte: "Ich hatte keine Probleme damit, früh aufzustehen und die Arbeit zu erledigen, die niemand sieht. Ohne Zuschauer, ohne Kameras - es gibt nur dich im Fitnessraum oder auf dem Platz."

Bei den Trainingseinheiten mit Roger Federer (Schweiz) und Andy Murray (Großbritannien) in diesen Tagen konnte Hewitt das Rad der Zeit noch einmal zurückdrehen. "Durch ihn bin ich ein besserer Spieler geworden. Wir werden Lleyton auf der Tour vermissen", sagte Grand-Slam-Rekordchampion Federer. Die australische Nummer eins Bernard Tomic schwärmte derweil: "Lleyton ist eine Legende. Wir schauen zu ihm auf."

Irgendwie passend, dass 1997 ein Song an die Spitze der Charts stürmte, der für Hewitt nun besondere Bedeutung hat: "Time to say Goodbye."

(sid)
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