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Kolumne Gegenpressing
Machos an die Tennisschläger!

Fotos: Novak Djokovic – Spaßvogel, Becker-Schützling, Australian-Open-Experte
Fotos: Novak Djokovic – Spaßvogel, Becker-Schützling, Australian-Open-Experte FOTO: afp, rlb
Novak Djokovic findet, Männer sollten im Tennis besser bezahlt werden als Frauen. Die Debatte ist in der Sportart nicht neu und führt immer wieder zu Aussetzern. Von Gianni Costa

Intelligenz wird nicht in Weltranglistenpunkten gemessen. Und so kommt es immer mal wieder vor, dass sich ach so hochbegabte Spitzensportler ziemlich dümmlich benehmen. Der Niederländer Richard Krajicek ist auf diese Weise sogar zur Galionsfigur der Machos aufgestiegen. Der Tennisspieler ist weniger wegen seines Wimbledonsieges 1996 gegen MaliVai Washington, sondern wegen seiner Aussagen über die bedenkliche körperliche Verfassung der Kolleginnen in der Branche in Erinnerung geblieben: "80 Prozent der Top 100 sind fette Schweine." Später entschuldigte er sich: "Okay, ich nehme das zurück! Nur 75 Prozent sind fette Schweine."

Novak Djokovic hat sich nun auch zu Wort gemeldet und verlautet, er finde es total richtig, wenn Männer mehr verdienen würden als Frauen - zumindest im Tennis. Schließlich, so seine Erkenntnisse, würden die Männer ja auch viel mehr Zuschauer anziehen. Die ATP solle für höhere Preisgelder kämpfen. Gleichberechtigung ja, aber natürlich nicht, wenn es ans eigene Bankkonto geht. Bei den Grand-Slam-Turnieren und dem Großteil der weiteren "Combined Events", bei denen sowohl die Männer als auch die Frauen spielen, werden für beide Geschlechter mittlerweile dieselben Preisgelder ausgeschüttet. Die serbische Nummer eins der Weltrangliste hatte indes noch ein paar Argumente parat und brillierte mit seinem Wissen über den weiblichen Körper. Frauen müssten eine Menge durchmachen, "was uns erspart bleibt. Hormone und so".

Nach einem Tag Bedenkzeit und allerlei kritischen Kommentaren meldete sich Djokovic erneut zu Wort und wollte das alles gar nicht so gemeint haben. Wenn man seine Testosteron geschwängerten Gedanken noch einmal mit dem Medienberater des Vertrauens bespricht, hört sich das in einer Stellungnahme hinterher so an: "Wir alle sollten für das kämpfen, was wir verdienen. Mir ging es nicht um einen Geschlechterkampf."

Raymond Moore, inzwischen zurückgetretener Turnierdirektor in Indian Wells, hatte die Debatte ins Rollen gebracht. "Wenn ich eine Spielerin wäre, würde ich jeden Abend auf die Knie gehen und Gott dafür danken, dass Roger Federer und Rafael Nadal geboren wurden. Denn die haben diesen Sport getragen", hatte der Südafrikaner gesagt - und es einen Tag später ebenfalls zutiefst bedauert. Seine späte Reue kaufte man ihm allerdings nicht ab. Die ATP, Spielerorganisation der Herren, fürchtete, durch solche Äußerungen Sponsoren zu vergraulen. Offenbar ist das Damentennis doch nicht ganz so unbedeutend.

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Quelle: RP
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