| 16.24 Uhr

Tennis-Star gesteht Doping
An Scharapowas Beichte werden Zweifel laut

Sharapova nach Doping-Beichte: Millionen weg
Düsseldorf. Die Sportwelt reagierte geschockt, Topsponsoren zogen sich zurück und der gefallene Tennis-Superstar Maria Scharapowa tauchte erstmal ab: Am Tag nach ihrer Doping-Beichte stand die Russin vor dem Scherbenhaufen ihrer großen Karriere und hinterließ viele Fragen. Spekuliert wird über ein mögliches Karriereende der bestverdienenden Sportlerin der Welt, die Länge ihrer Sperre und den Wahrheitsgehalt ihrer Aussage in einem Hotel in Los Angeles. Hochdotierte Verträge (Nike, Porsche) von Scharapowa sind bereits auf Eis gelegt.

Für den Dopingexperten Fritz Sörgel ist eine Sperre Scharapowas wegen Meldonium-Missbrauchs von "mindestens zwei Jahren" unumgänglich. Der Anwalt der fünfmaligen Major-Siegerin, John Haggerty, rechnet im schlimmsten Fall sogar mit einer "Sperre von vier Jahren", wie er der "USA Today" sagte. Allerdings sei auch eine Straffreiheit "wegen mildernder Umstände" möglich. Auf die Öffnung der B-Probe verzichtete die bei den Australian Open im Januar überführte Scharapowa, die ab 12. März erst einmal gesperrt sein wird.

Auch die Aussage der 28-Jährigen, dass sie die erst seit dem 1. Januar 2016 auf der Doping-Liste stehende Substanz bereits seit zehn Jahren aus gesundheitlichen Gründen konsumiere, sei nach Meinung von Sörgel keine Entschuldigung. "Ich könnte mir keine Konstellation vorstellen, dass sie nicht mindestens zwei Jahre gesperrt wird. Das würde auch international überhaupt nicht akzeptiert werden", sagte der Mediziner und Pharmakologe Sörgel bei Sky Sports News HD und fällte ein vernichtendes Urteil: "Es ist ein weißer Sport, aber noch nie übertrieben anständig, was den Bereich Doping anbetrifft."

Das Präparat Mildronat mit dem Wirkstoff Meldonium werde laut Dopingforscher Mario Thevis von der Deutschen Sporthochschule Köln "bei Herzerkrankungen, Infarkten und Diabetes" eingenommen. "Die positiven Effekte des Wirkstoffs sind eine höhere physische und mentale Belastbarkeit sowie eine schnellere Regeneration", sagte Thevis.

Viele Medien ließen kein gutes Haar an der Blondine. "Shazzas Dopingschande. Scharapowas Tennis-Karriere liegt in Trümmern", titelte "The Sun", "Daily Mail" schrieb: "Sharap-over für Mary." Die Metro wandelte den Nachnamen um in "Sharadopa".

Ihre Dauerrivalin Serena Williams hob derweil Scharapowas "Mut" im Umgang mit der positiven Probe hervor. "Den hat sie schon immer gezeigt, und in diesem Fall ist es nicht anders", sagte die Weltranglistenerste am Dienstag in New York: "Die meisten Leute waren aufgrund der Nachricht sicherlich geschockt." Scharapowas "Aufrichtigkeit" sei aber lobenswert, "sie steht zu dem, was sie getan hat, und zu ihrer Nachlässigkeit".

Scharapowa ist bereits der siebte Profi in diesem Jahr, der positiv auf die in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassene Substanz getestet wurde. Vor ihr waren unter anderem ihre Landsleute Eduard Worganow (Radsport) und Jekaterina Bobrowa (Eiskunstlauf) erwischt worden.

Beichte in schwarzer Bluse

Die Tennis-Diva hatte berichtet, dass es in ihrer Familie Diabetes-Fälle gebe und sie wegen ihrer Grippe-Anfälligkeit seit 2006 auf das Medikament zurückgegriffen habe. "Ich habe auch ein Defizit an Magnesium, und hatte irreguläre EKG-Ergebnisse", erzählte Scharapowa, die Chefin der Süßwarenlinie "Sugarpova" ist und zu ihrer "Beichte" in einer schwarzen Bluse erschien.

Der Chef-Kardiologe der Cleveland Clinic, Steven Nissen, sagte der "New York Times" allerdings: "Bei keinem Krankheitsbild wird Meldonium jungen Athleten als Medikament verordnet." Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hatte die Verbände und nationalen Anti-Doping-Agenturen bereits Mitte September 2015 über die Änderungen der Dopingliste informiert, der Tennis-Weltverband ITF schickte seinen Profis Ende Dezember 2015 eine Mail. "Ich habe nicht draufgeschaut. Es war ein großer Fehler", meinte Scharapowa.

Unterstützung erhielt sie aus der Heimat. "Athleten nehmen, was die Ärzte ihnen verschreiben. Ich glaube, dass Scharapowa eine Chance hat, bei den Olympischen Spielen anzutreten", sagte Russlands Tennis-Präsident Schamil Tarpischtschew. Auch Martina Navratilova wollte nicht so recht an einen bewussten Verstoß glauben: "Ich hoffe, es klärt sich alles auf, denn für mich sieht es aus wie ein Versehen", twitterte die frühere Nummer eins.

Der aus Sibirien stammenden Scharapowa, die allein im Jahr 2015 laut Forbes-Liste 29 Millionen Dollar (davon 22 durch Werbung) einstrich, geht es nun auch ans Geld. Der US-Sportartikelriese Nike und der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche setzen ihre millionenschweren Verträge mit Scharapowa aus. Ein Schweizer Uhrenhersteller (TAG Heuer) erklärte, dass der auslaufende Kontrakt mit dem Superstar nicht verlängert werde.

(sid)
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