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Russland verliert Fed-Cup-Finale
Diva Scharapowa geht in ihrer Rolle als Teamplayerin auf

Maria Scharapowa geht in ihrer Rolle als Teamplayerin auf
FOTO: dpa, fs sam
Prag. Maria Scharapowa kam, sah und siegte. Am Ende aber verlor der Superstar mit der russischen Mannschaft das Fed-Cup-Finale gegen Tschechien mit 2:3 - und gab sich trotzdem ganz handzahm.

Maria Scharapowa hatte am Ende eines bitteren Tages ihr Lächeln wiedergefunden. Der Traum vom ersten Fed-Cup-Sieg war für den russischen Superstar im Tollhaus von Prag zwar geplatzt. Doch beim gepflegten Abendessen mit dem Team in einer Schänke blickte die 28-Jährige schon wieder versöhnlich, fast schon beseelt drein. Die Diva als glückliche Teamplayerin sozusagen.

Brav berichtete die Final-Debütantin nach dem 2:3 in einem hochdramatischen Endspiel gegen Gastgeber Tschechien, dass der kleine Pokal für den zweiten Sieger einen Ehrenplatz in ihrem Strandhaus nahe Los Angeles bekommen werde.

Und irgendwie hatte man das Gefühl, als ob Einzelgängerin Scharapowa in Sachen Teamgeist auf den Geschmack gekommen ist. Trotz der Niederlage, die auch sie mit zwei Siegen im Einzel nicht verhindern konnte. "Es gibt kein besseres Gefühl, als auf dem Court zu stehen und von den russischen Fans und Mannschafts-Mitgliedern da draußen derart unterstützt zu werden", schwärmte die bestverdienende Sportlerin der Welt. Und man nahm es ihr auch irgendwie ab, als sie anfügte: "Diese Matches sind ein großer Bonus für mich. Sie bleiben unvergessen."

Tschechien verteidigt Fed-Cup-Titel FOTO: afp, MC ej

Am Ende umarmte Scharapowa sogar ganz innig ihre Mannschafts-Kollegin Jekaterina Makarowa, die der prätentiösen Numer vier der Welt vor den Tagen von Prag stets in offen ausgelebter Abneigung verbunden war. Sogar die nicht nominierte Swetlana Kusnezowa war angereist und sorgte in der "Russia"-Box für reichlich Stimmung.

Scharapowa bekam in der an beiden Tagen mit jeweils 10.000 Zuschauern ausverkauften Arena aber auch vor Augen geführt, dass ein Superstar alleine nicht für den großen Coup reicht. Bezeichnend, dass für Tschechien nicht etwa die zweimalige Wimbledonsiegerin Petra Kvitova (ein Sieg/eine Niederlage) zur Heldin avancierte, sondern die unerfahrene Karolina Pliskova. Die Weltranglistenelfte besiegte bei einem 1:2-Rückstand die Russin Anastasia Pawljutschenkowa nervenstark in zwei Sätzen.

Danach holte Pliskova an der Seite von Doppelspezialistin Barbora Strycova durch ein 4:6, 6:3, 6:2 gegen Pawljutschenkowa/Jelena Wesnina den entscheidenden Punkt. "Wie Karolina mit diesem Druck umgegangen ist, das war phänomenal", sagte Tschechiens Kapitän Petr Pala und betonte: "Ich bin stolz auf die Mädels, sie sind ein wirkliches Team." Pala hatte es sich auf dem Weg zum vierten Titel in den vergangenen fünf Jahren sogar erlauben können, auf die leicht angeschlagene French-Open-Finalistin Lucie Safarova (Handgelenkblessur) zu verzichten.

Scharapowa besiegt Kvitova und bringt Russland in Führung FOTO: afp, MC/agz

Genau zwölf Monate zuvor hatte die deutsche Mannschaft die unglaubliche Leistungsdichte der Tschechinnen beim 1:3 im Finale in Prag zu spüren bekommen. DTB-Teamchefin Barbara Rittner gratulierte Pala und Co. am Sonntagabend via Twitter: "Große Gratulation! Feiert wie im letzten Jahr."

Wie wichtig ein gut funktionierendes Doppel ist, hatte die DTB-Auswahl im April in Sotschi schmerzlich erfahren. Damals hatten Andrea Petkovic und Sabine Lisicki das entscheidende Match gegen Pawljutschenkowa/Wesnina klar verloren. Und auch der nächste deutsche Gegner Schweiz (6./7. Februar 2016) hat in Altmeisterin Martina Hingis eine Weltklasse-Doppelspielerin im Team.

Seit 2004 haben Tschechien, Russland und Italien den Fed Cup unter sich ausgemacht. Die russische Teamchefin Anastasia Myskina kündigte in Prag schon mal Revanche an und konnte sich dabei einen Seitenhieb nicht verkneifen. "Die Unterstützung der Fans für die tschechische Mannschaft war groß - und die der Linienrichter auch. Mal sehen, wie das in einem Finale bei uns aussieht", sagte die French-Open-Siegerin von 2004. Und Scharapowa lächelte dazu.

(sid)
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