| 23.01 Uhr
French-Open-Gewinnerin
Maria Scharapowa – härteste Arbeiterin
French Open 2012: Scharapowa trimphiert in Roland Garros
French Open 2012: Scharapowa trimphiert in Roland Garros FOTO: afp, PATRICK KOVARIK
Paris . Hinter der Diva, hinter dem Glamour und hinter dem Make-up steckt eine der härtesten Arbeiterinnen der WTA-Tour. Maria Scharapowa hat sich nie auf ihr Talent verlassen und wurde mit dem Sieg bei den French Open belohnt.

Ihre Jahreseinnahmen belaufen sich auf geschätzte 20 Millionen Euro. Sie hat mehr als sieben Millionen Fans - alleine bei Facebook. Und nun besitzt Maria Scharapowa auch die vier wichtigsten Trophäen im Tennis. Mit ihrem Sieg bei den French Open in Paris hat die Russin mit gerade einmal 25 Jahren alle ihre Träume erfüllt und alle sportlichen Ziele erreicht. Dennoch sagt sie: "Ich bin noch lange nicht fertig. Ich bin weit davon entfernt."

Ein wenig übertrieben ist das Pathos, mit dem Scharapowa nach ihrem 6:3, 6:2-Sieg über Sara Errani die Motivation beschreibt, die sie auch in Zukunft antreiben wird, ihre Gegnerinnen dermaßen zu demütigen: "Ich habe Geld. Ich bin berühmt. Ich habe Siege, und ich habe Grand-Slam-Titel", sagt sie mit fester Stimme: "Aber mein Herz schlägt für etwas, das ist größer als all das. Deshalb stehe ich morgens auf, selbst wenn es friert, selbst wenn ich weiß, dass es der schwierigste Tag überhaupt werden kann."

Scharapowa weiß um ihren Wert, sie weiß sich in Szene zu setzen, und sie weiß, wie sie auf die Menschen wirkt. Sie kann in Paris behaupten, "das ist der einzigartigste Moment, den ich je in meiner Karriere erlebt habe", obwohl es keine Steigerung von einzigartig gibt. Sie kann sagen: "Ich liebe Tennis." Und die Leute glauben es ihr.

In diesen Momenten ist Maria Scharapowa nicht mehr die "göttliche Diva", zu der sie die französische Sportzeitung "LEquipe" ausgerufen hatte. Sie ist dann völlig ungeschminkt, wie auf dem Tennisplatz. Eine junge Frau, die ihren Sport besser beherrscht als jede andere auf dieser Welt, weil sie dafür lebt und weil sie mehr und härter trainiert als die anderen.

Es gibt Menschen, die wollen das nicht glauben, und Scharapowa kann sie verstehen: "Die Welt sieht dich spielen und sieht dich bei Pressekonferenzen. Sie sieht dich auf dem Roten Teppich, wo alles glitzernd und schön ist", sagt sie. Am Ende des Tages sei aber alles nur eine Illusion, und die Realität setze ein. Dann beginnt für Scharapowa die Arbeit, wenn andere längst geschafft ins Bett fallen.

Ihre ersten drei Grand-Slam-Titel in Wimbledon (2004), bei den US Open (2006) und bei den Australian Open (2008) hat sie gewonnen, weil sie sich nie auf ihr Talent verlassen hat. Vater Juri hat sie immer wieder angetrieben. "Die wunderbare Unterstützung meiner Familie. Sie ist wie Rückenwind für mich", sagt Scharapowa verkniffen und klingt doch irgendwie dankbar.

Der Sieg in Roland Garros, der erste Major-Titel nach der Schulteroperation 2008, ist allerdings Produkt ihres eigenen Willens. "Viele Leute hätten Schluss gemacht", sagt Tennis-Ikone Martina Navratilova und zollt Scharapowa größten Respekt für ihr Comeback: "Vor zwei, drei Jahren hätte ich nicht gedacht, dass sie es schafft."

Die neue Nummer eins der Weltrangliste hat diese Stimmen selbst oft genug gehört. "Es war mir aber egal, wie viele Leute nicht an mich geglaubt haben. Ich habe ihnen einfach nicht zugehört", sagt Scharapowa. Nun krönte sie ihre Rückkehr sogar auf dem einst so ungeliebten Sand. Bei den beiden Höhepunkten dieses Sommers auf englischem Rasen in Wimbledon ist sie die haushohe Favoritin - sowohl bei den All England Championships als auch beim olympischen Turnier.

Nicht, weil sie 1,88 Meter groß ist. Nicht, weil sie den besten Return im Damentennis hat. Sondern weil sie sich von Trainer Thomas Hogstedt überreden lässt, statt vier nur drei Tage lang ihren Titel zu genießen, "um dann das Gras zu betreten, das ich wirklich liebe". Scharapowa sagt: "Ich kann es kaum erwarten, mich auf Wimbledon vorzubereiten und mit der Arbeit zu beginnen." Man glaubt es ihr.

Quelle: sid
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