| 11.42 Uhr

Doping-Sünderin
Scharapowa lenkt sich mit Beach-Tennis ab – Kollegen zeigen keine Gnade

Die Dopingfälle im Profi-Tennis
Die Dopingfälle im Profi-Tennis FOTO: ap
Los Angeles. Maria Scharapowa lächelte die Sorgen für einen Moment einfach weg. Beim Beach-Tennis am Santa Monica Beach im Westen von Los Angeles hatte die Dopingsünderin unter strahlend blauem Himmel sichtlich Spaß. In schwarzen Leggings und blau-grünem Bustier wirkte "La Schara" anmutig und unnahbar wie eh und je.

Nur 220 Kilometer weiter südlich in Indian Wells war der Superstar trotz seiner Abwesenheit beim dortigen Turnier doch irgendwie omnipräsent. Kollegen und Kolleginnen konnten sich den Fauxpas von "Vollblutprofi" Scharapowa (28), die der Einnahme der seit 1. Januar verbotenen Substanz Meldonium überführt worden war, noch immer nicht erklären.

Nach French-Open-Rekordsieger Rafael Nadal sprach sich auch der Weltranglistenzweite Andy Murray für eine Sperre der Russin aus. "Wenn du eine verbotene Substanz genommen hast, musst du bestraft werden", sagte der 28-jährige Schotte.

Olympiasieger Murray deutete an, dass er bei den in den vergangenen Wochen erwischten Sportlern an einen bewussten Missbrauch des erst seit Jahresbeginn verbotenen Mittels Meldonium glaubt. "Ich habe gelesen, dass seit 1. Januar 55 Akteure überführt wurden. Man erwartet eigentlich nicht, dass Top-Athleten aus so vielen Sportarten herzkrank sind", meinte Murray.

Tomas Berdych, die Nummer sieben im ATP-Ranking, zeigte sich ebenso überrascht von der Scharapowa-Nachricht, sieht aber keinen Grund zur Gnade: "Wenn du nichts nimmst, dann brauchst du auf keine Listen zu achten." Der Tscheche fügte aber an: "Wir sind alle Menschen, und Menschen machen Fehler."

Meldonium ist in Deutschland verboten

Meldonium wird bei Herz- und Kreislauf-Krankheiten eingesetzt, ist aber in Deutschland nicht zugelassen. Scharapowa hatte am Montag in Los Angeles einen positiven Dopingtest auf Meldonium bei den Australian Open im Januar öffentlich gemacht. Die fünfmalige Grand-Slam-Siegerin wurde von der ITF mit Wirkung vom 12. März vorläufig suspendiert.

Von "harten Momenten für unseren Sport" sprach in der Wüste von Indian Wells die Rumänin Simona Halep. Für die Weltranglisten-Fünfte ist klar: "Wenn ich gegen irgendeine Krankheit etwas nehmen will oder muss, dann kläre ich das vorher mit Leuten, die sich auskennen, ab." Zwei Tage zuvor hatte bereits Angelique Kerber "sehr überrascht" auf die Nachricht reagiert. "Das habe ich nicht erwartet", erklärte die Australian-Open-Siegerin aus Kiel.

Für Scharapowas Handeln zeigte Murray kein Verständnis. "Wenn du ein verschreibungspflichtiges Medikament nimmst, das du eigentlich gar nicht brauchst, weil du nicht krank bist, dann ist das falsch", sagte der zweimalige Major-Sieger: "Da spielt es auch keine Rolle, dass die Einnahme der Substanz bis Ende des vergangenen Jahres erlaubt war."

Die maximale Strafe für Scharapowa wäre eine vierjährige Sperre, falls der Internationale Tennisverband ITF bei dem Superstar von einem "wissentlichen Betrug" ausgeht. Für "fahrlässiges Handeln" ist ein Strafmaß von zwei Jahren vorgesehen, das bei "mildernden Umständen" noch erheblich verkürzt werden könnte. Darauf will Scharapowa-Anwalt John Haggerty plädieren.

Die Russin soll Gerüchten zufolge Ende des Monats vor einer ITF-Kommission aussagen. Wann das Urteil von dem Gremium gefällt wird, steht noch nicht fest.

(sid)
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