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Nach dem Karriereende
Martina Hingis lässt sich ein Hintertürchen offen

Das ist Martina Hingis
Das ist Martina Hingis FOTO: AP
Singapur/Frankfurt. Auch Roger Federer hat den überraschenden Rücktritt von Martina Hingis bedauert. Die 37-Jährige ließ sich aber noch ein Hintertürchen für ein Comeback offen.

Roger Federer war keineswegs so überrascht wie viele andere. Doch das bewahrte den vielleicht größten Tennisspieler aller Zeiten nicht vor einem wehmütigen Blick in die Zukunft. Eine Zukunft auf der Tour, in der Martina Hingis, die Frau mit dem faszinierend genialen Spielverständnis, fehlen wird. 23 Jahre nach ihrem Debüt im WTA-Circuit macht die "Swiss Miss" am Jahresende Schluss.

"Wir werden sie nicht mehr sehen. Es wird ganz klar anders ohne sie!", sagte Federer am Rande seines Heimturniers in Basel und rollte noch einmal den Roten Teppich für seine Landsfrau aus: "Martina ist eine von denen, die mir gezeigt haben, wie es geht." Es sei ein immenses Glück gewesen, schwärmte der 19-malige Grand-Slam-Champion, "in der Schweiz ein so großes Kaliber wie sie zu haben".

Nur wenige Stunden zuvor hatte sich Hingis, die bislang jüngste Nummer eins der Welt, rund 14.143 Kilometer entfernt in Singapur selbst überrascht gezeigt. "Ich hätte nicht erwartet, dass meine Entscheidung so lange geheim bleibt. Aber jetzt ist die Katze aus dem Sack", sagte die 37-Jährige beim WTA-Finale der besten acht Doppel-Teams - und zeigte dabei ihr unverkennbares Grinsen: "Es ist besser, auf dem Höhepunkt aufzuhören, es ist deshalb der beste Zeitpunkt für mich."

Am Donnerstag hatte kurioserweise zuerst eine spanische Zeitung über Hingis' bevorstehenden Rücktritt zum Jahresende berichtet. Eine Kollegin von ihr hatte sich schlichtweg verquatscht.

Bereits zu Beginn der Saison hatte Hingis ihren insgesamt dritten Rücktritt im stillen Kämmerlein beschlossen. Nur ihr engstes Umfeld weihte die gebürtige Tschechoslowakin mit den 25 Major-Titeln (5 im Einzel, 13 im Doppel, 7 im Mixed) ein. Ihre Doppelpartnerin Chan Yung-Jan aus Taiwan, mit der sie am Samstag in Singapur das Halbfinale gegen Timea Babos/Andrea Hlavackova (Ungarn/Tschechien) bestreitet, kannte die Entscheidung bereits, bevor sie in die Zusammenarbeit einwilligte.

Einstige Rivalin von Steffi Graf

Hingis gilt als Pionierin. Und sie wird als "ultimatives Wunderkind" (Times) in Erinnerung bleiben. 1997 bestieg die in Kosice geborene Rechtshänderin den Tennis-Thron im Alter von 16 Jahren erstmals. "Das fühlt sich an, als wäre es in einem anderen Leben gewesen", sagte die einstige Rivalin der deutschen Tennis-Ikone Steffi Graf jüngst.

Hingis war der erste globale Weltstar des Schweizer Sports. Die Herzen flogen ihr trotzdem niemals in Massen zu. Erfolg auf dem Platz und Millionen auf dem Konto können einsam machen.

2007 beendete Hingis nach einer einer positiven Kokainprobe ihre Karriere zum zweiten Mal. Und kehrte nicht mehr als Einzelspielerin zurück - nur noch als Doppel- und Mixedprofi (2013).

Kein Rückzug vom Tennis

Ein kleines Hintertürchen für ihr Comeback Nummer drei ließ sich die mit einem Arzt liierte Hingis trotzdem noch offen. "Wie die Geschichte zeigt, war ich in der Vergangenheit selten in der Lage, lange dem Tennis fernzubleiben ...", schrieb sie bei Facebook.

Federer jedenfalls würde sich über eine erneute Rückkehr sicher freuen. Hingis hat im Zusammenhang mit ihrem Landsmann einmal einen ebenso erstaunlichen wie treffenden Satz formuliert, als es darum ging, ob sie es störe, dass Federer die Bewunderung bekomme, die ihr nie zuteil wurde.

"Diejenigen, die vorausgehen, ebnen den Weg. Die Ehre erhalten dann die, die nachkommen", hat Hingis gesagt. Über ihre Rolle hat sie sich nie beklagt. Das weiß auch Federer. "Martina scheint total im Reinen mit sich und ihrer Rücktritts-Entscheidung zu sein", meinte der Maestro.

(sid)
 
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