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Spanier schreibt Sandplatzgeschichte
Nadal, Onkel Toni und die magische Sieben
Tennis 2012: Nadal holt siebten Sieg in Paris
Tennis 2012: Nadal holt siebten Sieg in Paris FOTO: afp, FRANCOIS GUILLOT
Paris. Mit sieben Jahren glaubte Rafael Nadal, Onkel Toni habe magische Kräfte. Immer wenn er in Schwierigkeiten war, könne es sein Trainer regnen lassen. Im Finale der French Open in Paris gegen Novak Djokovic war Nadal in Schwierigkeiten geraten. Es regnete.

Die Fortsetzung am Montag gewann der spanische Sandplatzkönig 6:4, 6:3, 2:6, 7:5 und krönte sich mit seinem siebten Titel zum alleinigen Rekordhalter im Stade Roland Garros. Mit Tränen der Freude stürmte er über den Platz und dann hinauf auf die Tribüne zu seinem "Retter".

Magische Kräfte hatte zuvor aber vor allem Nadal bewiesen. Der 26-Jährige entzauberte den Weltranglistenersten wie schon in den ersten beiden Durchgängen und verhinderte so den historischen Sieg des Serben. Mit einem Erfolg beim wichtigsten Sandplatzturnier der Welt hätte Djokovic als dritter Spieler nach Don Budge (1938) und Rod Laver (1962/1969) alle vier Grand-Slam-Titel nacheinander gewinnen können.

Beule am linken Jochbein

"Das ist einer der speziellsten Momente in meinem Leben", sagte Nadal und versicherte: "Natürlich ist zu Hause noch Platz für den Coupe des Mousquetaires. Für eine weitere Roland-Garros-Trophäe ist immer Platz." Seine siebte hat auf jeden Fall schon Spuren hinterlassen. Nadal trug eine Beule am linken Jochbein davon, als er sich den 14 Kilogramm schweren Pokal bei der Übergabe von Ex-Champion Mats Wilander selbst ins Gesicht schlug. Sichtlich mitgenommen war auch Djokovic - allerdings von seiner Niederlage. Er gab sich aber als fairer Verlierer: "Rafa war der bessere Spieler. Ich habe das Finale aber genossen."

Für den Rekordsieg, mit dem Nadal den Schweden Björn Borg auf der Anlage am Bois de Boulogne überflügelte, musste der Linkshänder aber mehr kämpfen, als es die Experten zuvor vermutet hatten. Im Nieselregen von Paris hatte Djokovic mit dem Mute der Verzweiflung eine Aufholjagd gestartet, dem Weltranglistenzweiten den ersten Satz im Turnier abgenommen und ihn mit acht gewonnenen Spielen in Serie aus der Fassung gebracht. Die "magische 7" verblasste zunehmend.

Nadal meckerte über den Platz, über die Bälle und über die Entscheidung des Oberschiedsrichters Stefan Fransson, der die Begegnung zuerst weiterlaufen und dann mitten in der zweiten Regenpause um 20.04 Uhr auf den nächsten Tag verschieben ließ.

Onkel Toni und der Regen

Vergessen war plötzlich Djokovic Verzweiflung. Aus Frust über Nadals Defensivkünste, der kaum einen Gewinnschlag des 25-Jährigen zugelassen hatte, zertrümmerte er mit dem Schläger seine Holzbank und kassierte dafür eine Verwarnung. Doch ähnlich wie bei den Endspielen in Wimbledon, bei den US Open und beim 5:53-Stunden-Klassiker in Australien, die allesamt Djokovic gegen Nadal gewonnen hatte, schien der Serbe mehr Kraft zu besitzen - bis Onkel Toni den Regen stärker werden ließ.

Nach einer Nacht Erholung kam Nadal wie verwandelt auf den Court Philippe Chatrier. Das Break Rückstand, mit dem er schlafen gegangen war, glich er mit brachialer Gewalt sofort wieder aus. Da war er wieder, der Kannibale, der bis zum Finale seinen Gegnern keinen Satz gegönnt hatte. Nach 3:49 Stunden, nur 49 Minuten davon am Montag, schenkte Djokovic Nadal den Sieg mit einem Doppelfehler. Legende John McEnroe hatte Nadal zuvor mit den Worten geadelt: "Er ist der König von Paris."

Roland Garros bleibt sein Reich. Trotz des Ärgers am Vorabend. Für die späte Ansatzung am Sonntag waren die Organisatoren der French Open in die Kritik geraten. Turnierdirektor Gilbert Ysern wehrte sich jedoch: "Sie müssen sich vorstellen, dass es Verträge gibt, auch wenn das Fernsehen uns nichts vorschreiben kann", sagte er: "Man kann nicht über Nacht alles umwerfen und den Sendern auf der ganzen Welt sagen: Sorry, ihr müsst jetzt euer Programm ändern. So funktioniert das nicht."

Zuletzt war das Grand-Slam-Turnier im Stade Roland Garros 1973 nicht pünktlich zu Ende gegangen. Ilie Nastase und Niki Pilic konnten ihr Finale sogar erst am Dienstag austragen. Bis 2016 soll der Court Philippe Chatrier, derzeit mit 15.000 Plätzen der größte Platz der Anlage am Bois de Boulogne, ein Dach erhalten. 273 Millionen Euro soll der Ausbau der Anlage insgesamt kosten. "Bis dahin heißt es Daumen drücken und hoffen, dass uns der Regen an den Finaltagen verschont", sagte Ysern.

Quelle: sid
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