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ATP-Finale in London
Nadal kann märchenhafte Saison nicht krönen

Rafael Nadal: Sandplatzkönig und Zehnfach-Sieger
Rafael Nadal: Sandplatzkönig und Zehnfach-Sieger FOTO: ap, MDB KAJ
Der Auftaktniederlage folgte der Rückzug: Für Rafael Nadal bleibt das ATP-Finale ein Buch mit sieben Siegeln. Dem Spanier machte einmal mehr sein Körper einen Strich durch die Rechnung.

Nach dem unwürdigen Ende einer märchenhaften Saison blieb Rafael Nadal nur Galgenhumor. "Frohe Weihnachten - an alle", sagte der Branchenführer und lächelte gequält. Dann zog er sich das weiße Basecap noch ein wenig tiefer ins traurige Gesicht und verließ zum letzten Mal in diesem Jahr die Pressekonferenz-Bühne eines großen Turniers. Mit unrundem Gang. Adios, Rafa!

Nadal selbst hatte in den Tagen von London schon geahnt, dass auch der 13. Angriff auf seinen ersten Titel beim ATP-Finale unter keinem guten Stern stehen würde. Was weniger am Aberglaube des Spaniers lag als vielmehr an seinem wieder einmal schmerzenden Knie.

Nach dem 6:7 (5:7), 7:6 (7:4), 4:6 in seinem ersten Gruppenmatch gegen den Belgier David Goffin zog Nadal deshalb die Notbremse. "Das Tennisjahr ist für mich zu Ende. Es ist keine Entscheidung im eigentlichen Sinne. Die Schmerzen lassen mir keine andere Wahl", meinte der French-Open-Rekordchampion und schob sichtlich gefrustet hinterher: "Ich glaube wirklich nicht, dass ich es nach dieser großartigen Saison verdient habe, noch zwei weitere Matches mit diesen schrecklichen Gefühlen zu spielen."

Der Branchenprimus gestand später, dass er sogar im Fall eines Auftaktsieges zurückgezogen hätte. Sein erster Auftritt in der riesigen Arena unweit der Themse wurde deshalb gleich zur Abschiedsvorstellung. Und bei dieser bewies der Stier aus Manacor, welch ein großer Kämpfer und untadeliger Sportsmann er ist.

Immer wieder stemmte sich Nadal gegen die drohende Niederlage, wehrte im zweiten Satz sogar vier Matchbälle ab - und brachte die Halle mit ihren 17.400 Zuschauern zum Brodeln. Die schmerzverzerrte Miene des Mallorquiners sagte aber mehr als Tausend Worte.

Immer wieder die Knie. Aber auch manchmal das Handgelenk wie 2014 und 2016 - oder der Bauchmuskel. Die Liste der Leiden des Rafael N. ist lang. "Es ist wahr, dass ich wahrscheinlich der Topspieler bin, der mehr Verletzungen und schwierige Phasen in seiner Karriere hatte als die anderen", sagte Nadal.

Weinerlich klang es nicht, es war eher eine realistische Einschätzung nach einer Saison, in der ihm zusammen mit Roger Federer (36) eine Tennis-Renaissance geglückt war. Erstmals seit sieben Jahren teilen sich Nadal und sein Schweizer Dauerrivale wieder sämtliche vier Grand-Slam-Titel untereinander auf.

"Es war schwierig, sich genau diese Situation vor acht, neun Monaten vorzustellen. Aber: Hier sind wir - Roger und ich!", hatte Nadal nach seinem US-Open-Triumph im September gesagt. 2016 hatten sowohl er als auch Federer ihre Spielzeit verletzungsbedingt vorzeitig beendet.

Tränen flossen am Montagabend nicht bei Nadal, der sicher als Nummer eins ins neue Jahr gehen wird. "Ich habe mich an diese Situationen ja fast schon gewöhnt. Das Gute daran ist: Ich weiß, was zu tun ist, wie lange ich pausieren muss - und wie behandelt wird", sagte er.

In den kommenden Wochen will Nadal in der Heimat abschalten und mit seiner Yacht "Beethoven" in See stechen. "Und dann werde ich versuchen, am Anfang der nächsten Saison wieder bereit zu sein", kündigte Nadal an. Dann verabschiedete er sich in die Londoner Nacht: "Merry Christmas - everyone!".

(sid)
 
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