| 17.30 Uhr
Wimbledon-Star zurück in Berlin
Sabine Lisicki blickt stolz nach vorne
Wimbledon 2013: Pressestimmen zu Lisickis Final-Niederlage
Wimbledon 2013: Pressestimmen zu Lisickis Final-Niederlage FOTO: RPO
London/Berlin. Das Wimbledonfinale war eine einseitige Angelegenheit. Marion Bartoli blieb kühl bis ans Herz, Sabine Lisicki bekam ihre Nerven nicht in den Griff. Ihr Lebenstraum blieb unerfüllt – vorerst.

Sabine Lisicki saß auf ihrem Stuhl am Rande des Centre Courts, Tränen quollen ihr aus den Augen. Auf der anderen Seite des Platzes kletterte die triumphale Siegerin des Wimbledonfinals waghalsig in ihre Box, doch Lisicki blickte nicht zu Marion Bartoli hinüber. Sie starrte ins Leere, dann auf den Heiligen Rasen, auf dem sie die aufregendsten zwei Wochen ihrer jungen Tennis-Karriere erlebt hatte. Für einen Moment war ihre Welt aus den Fugen geraten, ihr Lebenstraum geplatzt.

Die eigenen Nerven hatten ihr einen bösen Streich gespielt, in der Stunde, in der sie sich zur neuen deutschen Tennis-Queen krönen wollte. 17 Jahre nach dem letzten Titel von Steffi Graf verlor Lisicki in der Kathedrale des Tennis nach nur 81 Minuten 1:6, 4:6. Wie ein Häufchen Elend saß sie nun da, erdrückt von der Last der Geschichte, der eigenen Erwartungshaltung und der Aggressivität ihrer Gegnerin, während Marion Bartoli selig die Venus-Rosewater-Schale anhimmelte.

Immer wieder Tränen

Der tosende Applaus der Zuschauer riss Lisicki aus ihrer Trauer. "Ich war einfach überwältigt von der Situation. Ich bin mir aber sicher, dass ich noch einmal die Chance bekommen werde, diesen Titel zu holen", sagte Lisicki, und erneut kamen die Tränen: "Ich möchte meinem ganzen Team danken. Ihr wart immer für mich da." Dann erstickte ihre Stimme.

So enttäuschend das einseitige Finale für die Zuschauer gewesen sein muss, so ergriffen waren sie von der "Wimbledonsiegerin der Herzen". Selbst Bartoli, die sich sechs Jahre nach ihrem ersten Endspiel im All England Club einen Kindheitstraum erfüllt hat, fühlte mit. "Ich bin sicher, du wirst irgendwann wieder hier stehen", sagte die Französin und blickte der tieftraurigen Lisicki in die Augen: "Glaube mir!"

Bereits während der Begegnung auf dem sonnendurchfluteten Centre Court hatte Lisicki mit ihren aufgewühlten Gefühlen zu kämpfen gehabt. 1:6, 1:3 lag sie zurück, hatte kaum einmal zwei ihrer gefürchteten Aufschläge in Folge ins Feld gespielt und war nicht mehr als ein Schatten ihrer selbst. Nur noch die blonden Haare und das weiße Tenniskleid erinnerten an die große Kämpferin, die in Serena Williams und Agniezska Radwanska beide Vorjahresfinalistinnen aus dem Turnier geworfen hatte. Das Lachen war verschwunden, Tränen der Enttäuschung liefen über ihre Wangen.

"Trotzdem krass stolz"

"Ich war einfach traurig, dass ich nicht so gespielt habe, wie ich es kann, sagte Lisicki später. Sie brauche jetzt eine Menge Trost, erzählte ihr Trainer Wim Fissette, auch Bundestrainerin Barbara Rittner und die Eltern Richard und Elisabeth waren sofort da, um die 23-Jährige aufzubauen. Unterstützung, Aufmunterung und Lob gab es von allen Seiten, Fed-Cup-Kollegin Andrea Petkovic brachte es in einem Tweet zum Ausdruck: "Schade, Sabine, aber du hast so Großes geleistet. Wir sind trotzdem immer noch krass stolz!"

Dirk Nowitzki, Lukas Podolski und Tausende "Bine"-Fans in der Heimat, hatten mitgefiebert, der Hype um die Berlinerin schwappte von der Insel nach Deutschland und fand auch einen Tag nach der Pleite kein Ende. Am Sonntagnachmittag wurde Lisicki von etwa 100 Fans mit Applaus am Flughafen Berlin-Tegel empfangen, von ihrem Heimatverein LTTC Rot-Weiß Berlin gab es Blumen. "Es ist unglaublich schön, wieder in Deutschland zu sein. Ich hatte zwei tolle Wochen, darauf kann ich auch ein bisschen stolz sein", sagte Lisicki.

Erfahrungen helfen weiter

Spätestens da waren die letzten Tränen getrocknet, das Lachen zurückgekehrt. Noch an ihrem letzten Abend an der Londoner Church Road hatte Lisicki wieder die Kraft gefunden, nach vorne zu blicken. "Ich werde mit jedem Jahr auf der Tour besser, weil ich aus Erfahrungen lerne. Das habe ich gemacht, als ich hier im Viertelfinale stand, das habe ich gemacht, als ich hier im Halbfinale stand", sagte sie: "So hart diese Erfahrung heute ist, sie wird mir in der Zukunft helfen. Das Turnier hat mich zu einer besseren Spielerin gemacht."

Und nicht nur das. Lisicki ist gereift in diesen zwei Wochen, zu einer Botschafterin des deutschen Tennis. Selbst Steffi Graf ließ sich im fernen Las Vegas von der Begeisterung anstecken. "Einen großen Glückwunsch an Sabine zu einer überragenden Leistung in den vergangenen zwei Wochen, es hat Riesenspaß gemacht zuzuschauen und mitzufiebern", schrieb sie. Trotz des tränenreichen Endes weckte Lisicki Hoffnung, dass Graf nicht mehr lange die letzte deutsche Wimbledonsiegerin bleiben wird. Im Berliner Klub Rot Weiß Grunewald überlegen sie jedenfalls bereits, den zweiten Centre Court neben dem Steffi-Graf-Stadion nach Sabine Lisicki zu benennen.

Quelle: sid
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