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Trotz Final-Niederlage in Wimbledon
Sabine Lisicki hat Großes erreicht
Wimbledon 2013: Pressestimmen zu Lisickis Final-Niederlage
Wimbledon 2013: Pressestimmen zu Lisickis Final-Niederlage FOTO: RPO
London. Sabine Lisicki hat ein Spiel verloren. Sie hat dafür allerdings etwas viel Wichtigeres gewonnen. Sie hat es geschafft, dass eine etwas verstaubte Tennisnation ihr Herz für den Sport wiederentdeckt hat. In zu erwartender Weise hatte der Hype um Lisicki vor dem Finale ein bedrohliches Ausmaß angenommen. Von Gianni Costa

Der Troisdorferin wurde auferlegt, Sporthistorisches zu schaffen. Der Druck war dann augenscheinlich etwas zu viel für die 23-Jährige in ihrem ersten Grand-Slam-Finale. Marion Bartoli war gewiss keine übermächtige Gegnerin, die Erwartungen an Lisicki schon.

War es nun kein Sommermärchen, was in den vergangenen zwei Wochen in London geschrieben wurde? Ganz bestimmt doch. Tennis in Deutschland lebt. Das beweisen die Mitgliederzahlen in den Vereinen. Das sieht man an den Spitzenergebnissen auf der Profi-Tour der WTA.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis endlich auch eine der ambitionierten Kräfte einen großen Titel gewinnt. Angelique Kerber war schon nah dran, nun Lisicki. Das Erfreuliche: Gleiche eine Reihe weiterer Spielerinnen "Made in Germany" gehören zur erweiterten Weltspitze.

Rittner betreut die Generation seit Jahren

Das ist das Resultat intensiver Nachwuchsarbeit. Bundestrainerin Barbara Rittner betreut fast alle Vertreterinnen der aktuellen Generation schon seit Jahren. Die kontinuierliche Zusammenarbeit macht sich bezahlt. Das ist vor allem dem Einsatz Rittners zu verdanken, die viel auch in Eigeninitiative vorangetrieben hat. Sie war es, die für den Deutschen Tennis Bund (DTB) den Kontakt zum größten Förderer Porsche hergestellt hat. Die Luxusmarke unterstützt die Fed-Cup-Auswahl sowie die Jugendarbeit. Es gehört zu den peinlichen Sonderheiten des Verbandes, dass hernach viele für sich beanspruchten, den Werbepartner angeworben zu haben. Nur Rittner sollte plötzlich nicht mehr die treibende Kraft gewesen sein.

Barbara Rittner zählt nicht zu den Lautsprechern der Branche. Doch ihr Verdienst für den Tennissport in Deutschland gerade in diesen Tagen ist enorm. Alleine die Leistung zu vollbringen, alle Top-Spielerinnen mit großer Verlässlichkeit zu den Partien der nationalen Auswahl zu versammeln, ist Ausdruck des großen Zusammenhalts. Bei den Herren gibt es dagegen verlässlich Zwist und eigentlich nur Tommy Haas, der überdurchschnittlich positiv auffällt. Vielleicht sollte man sich an der Arbeit von Rittner ein Beispiel nehmen.

Die Gunst der Stunde nutzen

Es gilt nun die Gunst der Stunde zu nutzen und Tennis in Deutschland wieder angemessen zu positionieren. Niemand kann ernsthaft erwarten, dass plötzlich alles anders wird. Wenn aber Lisicki mit ihrem Auftreten dafür gesorgt hat, dass Tennis überhaupt wieder eine Option für die großen Sender ist, dann ist schon vieles nach Jahren des Darbens auf einem guten Weg.

Der DTB selbst hat sich dafür gefeiert, immerhin einen strategischen Partner gefunden zu haben (Prosieben/Sat.1), der bereit ist, Tennis auf seiner Internetplattform zu übertragen. Vielleicht ist das Selbstbewusstsein ja nun soweit angewachsen, dass man sich auch vorstellen kann, Tennis wieder im frei empfangbaren Fernsehen zu platzieren. Dem Vernehmen nach will auch die ARD wieder ins Wettbieten einsteigen, wenn die TV-Rechte für Wimbledon in den kommenden Monaten neu ausgeschrieben werden.

Die Frage ist nur, wie viel von diesem Sommermärchen bleibt. Die Antwort darauf können nur die Aktiven geben – mit konstant guten Resultaten auf der Tour. Lisicki, aber auch Kerber, Andrea Petkovic, Julia Görges und anderen haben das Zeug dazu.

Quelle: spol
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