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Tennis-Profi positiv getestet
Sara Errani und das Tortellini-Doping

Sara Errani und das Tortellini-Doping
Sara Errani wischt sich in einem Match Schweiß von der Stirn. FOTO: dpa, fs sam hak
Düsseldorf. Die italienische Tennisspielerin Sara Errani ist durch einen Dopingtest gefallen. Die frühere Weltranglisten-Fünfte machte Tortellini für die positive Urinprobe verantwortlich – und kam glimpflich davon. Von Antje Rehse

Der Tennis-Weltverband ITF belegte Errani mit einer zweimonatigen Sperre. Bei einer Anhörung konnte die 30-Jährige offenbar glaubhaft darlegen, dass die Spuren der Substanz Letrozol – einem hormonellen und metabolischen Stimulans-Mittel – per Zufall in ihren Körper geraten waren. Erranis kuriose Begründung: Sie habe das Mittel versehentlich durch Tortellini oder Fleischbrühe eingenommen, die ihre Mutter bei einem Heimatbesuch für die Tochter gekocht hatte.

Die positive Urinprobe stammt vom 16. Februar 2017. Die Sperre gilt rückwirkend ab dem 3. August bis zum 2. Oktober. Zudem werden Erranis Ergebnisse auf der WTA-Tour annulliert, die sie seit der Probenentnahme und bis zum folgenden negativen Test (7. Juni) eingespielt hat. Ans Licht kam der Fall erst durch einen Bericht der italienischen Zeitung "Corriere della Sera". 

Errani hatte bereits am 18. April vom Befund erfahren und um eine Anhörung gebeten, die am 19. Juli stattfand. In der legte sich auch Erranis Mutter ins Zeug, um die Unschuld ihrer Tochter zu beweisen. Mamma Errani erklärte, dass sie die Medikamente, die sie nach einer Brustkrebs-Erkrankung regelmäßig einnehmen muss, in der Küche in ihrem Blickfeld aufbewahrt. Das Mittel Letrozol, das zur unterstützenden Behandlung von Brustkrebs bei Frauen nach den Wechseljahren verwendet wird, wird in Deutschland unter dem kommerziellen Namen Arimidex vertrieben.

Erranis Mutter kochte verseuchtes Essen nochmal nach

In der Vergangenheit sei es schon vorgekommen, dass ihr eine statt zwei Tabletten aus der Packung auf die Arbeitsplatte in der Küche gefallen waren, erklärte Fulvia Errani. Erranis Eltern kochten für die Beweisführung sogar das Essen noch einmal nach, um zu testen, ob sich eine Pille des Krebsmittels in der Brühe oder der Fleischfüllung der Tortellini auflösen würde und damit beim weiteren Verarbeiten und Verspeisen unbemerkt bleiben könnte. Das Ergebnis: Die Tabletten lösten sich sogar bei Raumtemperatur in der Fleischfüllung auf. Das sei natürlich kein chemischer Test unter Laborbedingungen, weshalb dem Experiment keine hohe Bedeutung zukommen dürfe, schrieb die ITF in ihrer Urteilsbegründung. Komplett außer Acht lassen dürfe man es aber auch nicht.

Gesammelt: Die skurrilsten Ausreden der Doping-Sünder FOTO: AFP

Letztendlich hielt die ITF Erranis Argumentationskette auch deshalb für glaubwürdig, weil eine Haarprobe der Tennisspielerin, die 2012 im Finale der French Open stand, keine Spuren von Letrozol enthielt. Bei ihrer Mutter, die das Mittel regelmäßig einnehmen muss, war das anders. Ein Hinweis darauf, dass Erranis Einnahme tatsächlich ein Einzelfall gewesen sein könnte.

Der Tortellini-Unfall ist indes nicht die erste kuriose Begründung für einen positiven Dopingtest. Der französische Tennis-Profi Richard Gasquet gab 2009, nachdem er positiv auf Kokain getestet wurde, einer Disco-Knutscherei die Schuld. Eine gewisse Pamela habe ihn in Miami beim Austausch von Körperflüssigkeiten auf der Tanzfläche mit dem Koks kontaminiert. Auch ihm glaubten die Dopingermittler und belegten ihn nur mit einer kurzen Sperre.

Weniger Glück hatte der deutsche Olympiasieger Dieter Baumann. Der Deutsche Leichtathletik-Verband sprach ihn nach einem positiven Dopingtest auf Nandrolon nach langem Hin und Her wegen einer angeblich verseuchten Zahnpasta zwar frei. Der Weltverband IAAF erkannte den Freispruch aber nicht an und sperrte Baumann rückwirkend für zwei Jahre. Bis heute bestreitet Baumann, dass er das Mittel wissentlich eingenommen hat. 

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