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Besser als je zuvor
Tatjana Maria, die Tennis-Mama

Fotos: Qualifikantin Maria bezwingt Bouchard
Fotos: Qualifikantin Maria bezwingt Bouchard FOTO: afp, ab
Miami/Düsseldorf. Gemeinsam mit ihrem Mann und der anderthalbjährigen Tochter reist die 27 Jahre alte Tatjana Maria als Tennis-Profi um die Welt. Nach ihrer Babybause ist sie so gut wie nie zuvor. Von Gianni Costa

Das Leben schreibt manchmal seltsame Geschichten. Voll Leid und dann wieder von unendlichem Glück. Die deutsche Tennisspielerin Tatjana Maria kann von beidem viel erzählen. 2008 erleidet sie während eines Turniers in Indian Wells eine Lungenembolie als Folge einer Thrombose. Tagelang kämpft sie um ihr Leben, die Ärzte rechnen ihr keine guten Chancen aus. "An der Hektik, die bei den Ärzten plötzlich ausbrach, habe ich den Ernst der Lage erst erkannt. Das war furchtbar", sagt Maria.

Ein paar Monate später stirbt ihr Vater und Trainer Heinrich, ein früherer polnischer Handball-Nationalspieler, der sie auf der Tour begleitet, an Krebs. "Das schrecklichste Jahr in meinem Leben", erinnert sich Maria, die damals noch Malek hieß, in einem Gespräch mit dem "Südkurier". Es sind danach viele schöne Zeiten gekommen. Sie verliebt sich in Charles Edouard Maria, ihren Trainer und Manager, im April 2013 heiraten die beiden. Kurz danach tritt sie in Wimbledon an. Maria verliert in der ersten Runde. Sie ist da im vierten Monat schwanger und hat bereits einen kleinen Babybauch. Im Dezember 2013 kommt Tochter Charlotte auf die Welt.

Sie macht eine sechswöchige Babypause, steigt für Monate aus dem Tennis-Zirkus aus. Nach ihrer Rückkehr ist die 27-Jährige so gut wie nie zuvor. Auf der zweitklassigen Challenger-Serie kann sie seither vier Titel gewinnen. Eine Klasse höher akklimatisiert sie sich auch so langsam wieder. In der zweiten Runde des WTA-Turniers in Miami hat sie, die Nummer 113 der Rangliste, die Kanadierin Eugenie Bouchard 6:0, 7:6 bezwungen. "Ich kann mein Glück nicht in Worte fassen", sagt Maria nach dem Erfolg gegen die Siebte der Rangliste. Eine Runde weiter ist dann Endstation. Sie unterliegt der Schweizerin Belinda Bencic 4:6, 5:7. Für Maria ist das alles nur Nebensache. Sie sieht das Geschäft längst mit anderen Augen. Auch Verlierer können Gewinner sein. In der neuen Weltrangliste wird sie auf jeden Fall wieder in die Top-100 rutschen. Das ist wichtig, um sich mühsame Qualifikationsrunden für die großen Turniere zu ersparen. Vieles spricht dafür, dass sie ihre beste Platzierung spielend überbieten wird - im September 2009 war sie die Nummer 64.

Maria, geboren im baden-württembergischen Bad Saulgau, hat nie den ganz großen Durchbruch geschafft. Sie ist eine ambitionierte Spielerin. Hochtalentiert. 2007 mit 19 Jahren wurde sie von Barbara Rittner für das deutsche Fed-Cup-Team in der Partie gegen Japan nominiert - beim 3:2-Sieg war sie an allen drei Punktgewinnen beteiligt - im Doppel an der Seite von Anna-Lena Grönefeld. Aktuell ist sie nur die neuntbeste deutsche Spielerin im Klassement. Viele sind an ihr in den vergangenen Jahren vorbeigezogen. Sabine Lisicki, Andrea Petkovic, Angelique Kerber - alle aus dieser beeindruckenden Generation von Talenten hierzulande. "Ihre Entwicklung ist wirklich großartig", sagt Rittner über Maria. "Ich habe großen Respekt davor, wie sie sich wieder nach oben gekämpft hat."

Tatjana Maria lebt seit 2012 in Palm Beach, in den USA. Zu ihren Nachbarinnen im Süden Floridas zählen die Williams-Schwestern Serena und Venus. "Die beiden haben sich jeden Tag erkundigt, wie es mir geht. Sie haben sich genauso auf die Geburt von Charlotte gefreut wie wir. Sie waren während der Schwangerschaft immer für uns da", erzählt Maria, die in der Bundesliga für Grün-Weiß Ratingen spielt. Familie Williams hat so etwas wie die Patenschaft übernommen. Man trainiert gelegentlich zusammen, trifft sich in der Freizeit zum Grillen, hilft sich, wo man kann.

Viel Freiraum gibt es nicht. Das liegt auch an den Ambitionen von Maria. Sie hat sich gequält für ihre Rückkehr. Sie hat Veränderungen vorgenommen. Die Rückhand schlägt jetzt nur noch einhändig, ihr Spiel soll insgesamt variabler werden.

Auf den Reisen wird sie von ihrem Mann und der Tochter begleitet, um das Kind kümmert sich ihre Mutter während der Turniere. Das alles ist kein einfacher Spagat und in der Branche eine absolute Besonderheit. Maria nimmt das nicht als Belastung wahr. "Ich habe einfach verdammt viel Spaß an diesem Spiel", sagt sie. "Und meine Familie gibt mir den nötigen Rückenwind."

Quelle: RP
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