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Tennis
Der Niederrhein schlägt auf

Tennis: Am Niederrhein beginnen die Medenspiele
Diese Grafik zeigt die Zahl der Vereinsmitglieder in den verschiedenen Sportarten. FOTO: Ferl
Düsseldorf. Am Wochenende startet die Freiluftsaison der Tennisspieler. Für zwei Monate diktiert der Filzball das Familienleben. Von Sebastian Bergmann

Ob Mannschafts-, Verbands-, Meisterschafts-, oder in der Tennissprache auch Medenspiele genannt – die Freiluftsaison im Tennis hat viele Namen. "Das ist der Höhepunkt für jeden Tennisspieler, der nicht gerade zur Weltspitze gehört", sagt der Vorsitzende des Tennis-Verbands Niederrhein (TVN), Dietloff von Arnim. Die Begeisterung für den Wettbewerb, der nach dem ersten Präsidenten des Deutschen Tennis-Bunds (DTB), Carl August von der Meden benannt wurde und seit 1948 bundesweit ausgetragen wird, sei das "Herzstück des Sports". "Alle wollen endlich wieder rote Asche unter ihren Füßen spüren", sagt von Arnim.

Allerdings wird die Zahl derjenigen, die dieses Gefühl spüren wollen, von Jahr zu Jahr kleiner. Seit über 20 Jahren sind die Mitgliedszahlen auf Verbandsebene rückläufig. Waren es 1993 noch 169.597 Menschen, die einem Tennisverein am Niederrhein angehörten, sind es heute noch 94.245. Vor zwei Jahren sank die Zahl der Mitglieder im TVN erstmals seit 1977 unter die 100.000er-Marke. Von Arnim sieht in dem Fakt, dass zunehmend weniger Menschen Tennis spielen, kein großes Problem. Er sagt: "Die Beliebtheit des Tennissports ist ungebrochen, das zeigen Umfragen immer wieder. In Düsseldorf sind wir nach wie vor die zweitgrößte Sportart. Dass die Mitgliederzahlen insgesamt zurückgehen - mit diesem Problem haben andere Sportarten auch zu kämpfen."

Der TVN bestätigt durch den Mitgliederrückgang den Trend des DTB. Beflügelt durch die Erfolge von Boris Becker und Steffi Graf in den 1980er und 1990er Jahren stieg die Zahl der Tennisspieler in Deutschland 1994 auf ein Rekord-Hoch von etwa 2,3 Millionen. Doch der Tennisboom fand ein jähes Ende. Heute sind es noch 1,4 Millionen Menschen, die bundesweit dem gelben Filzball hinterherjagen. Nichtsdestotrotz ist der DTB weiterhin der mitgliedstärkste Tennisverband der Welt und hinter Fußball und Turnen drittgrößter Sportverband in Deutschland.

Nach Bayern, Niedersachsen, Württemberg, Westfalen, Hessen, Baden und Rheinland-Pfalz ist der TV Niederrhein - an der Zahl der Vereine (442) gemessen - der achtgrößte der 18 Verbände im DTB. 2943 von den deutschlandweit 46.959 Tennisplätzen liegen am Niederrhein. Im Verbreitungsgebiet des TVN gibt es 2621 Außen-, 288 Hallen- und 34 Plätze für die Trendsportart Beach-Tennis. "Die Zahlen beziehen sich nur auf die Plätze, die die Vereine betreiben. Hallen, die kommerziell genutzt werden, sind nicht darin enthalten", betont von Arnim.

Der 56-Jährige ist neben seiner Funktion als Verbandschef auch noch Vorsitzender des Bezirks 3 im TVN, zu dem die Städte Düsseldorf, Ratingen, Meerbusch, Erkrath und Mettmann und deren 61 Vereine gehören. Er sagt: "Die Mitgliederzahlen für den Bezirk sind erfreulicher als für den Verband. In meinem Bezirk ist im vergangenen Jahr sogar ein Klub dazugekommen. Aus Sicht des Düsseldorfers geht's dem Tennissport gut." Auch beim Nachwuchs sei Tennis nach wie vor sehr beliebt. "Im Bezirk Düsseldorf haben wir 20.101 Mitglieder, davon 5.880 Jugendliche."

Die rückläufigen Mitgliedszahlen auf Verbandsebene wertet von Arnim als Herausforderung für alle Vereinssportarten. "Wegen der Ganztagsschule haben die Kinder immer weniger Freizeit und deswegen auch zwangsläufig weniger Zeit für Mannschaftssport. Zudem gehen immer mehr Menschen in Fitnessstudios", sagt er. Dass die Zahl der gemeldeten Teams trotz weniger Mitglieder nicht zwingend weniger wird - 2015 waren es 5189 Mannschaften, die bei den Medenspielen am Niederrhein mitmachten - erklärt von Arnim wie folgt: "Früher war es so, dass einige Leute allein wegen des Prestiges gerne im Tennisklub waren. Heute ist fast jeder, der dort ist, auch selbst aktiv", sagt der frühere Turnierdirektor im Düsseldorfer Rochusclub.

Ein Vergleich mit anderen Sportarten am Niederrhein wie Fußball, Handball und Turnen zeigt, dass nur der Rheinische Turnerbund (RTB) einen ähnlichen Mitgliederrückgang wie der TVN in den vergangenen 20 Jahren zu beklagen hat - selbst, wenn das Gebiet nicht hundertprozentig deckungsgleich mit dem des TVN ist. 2005 waren beim RTB 385.541 Sportler organisiert, heute sind es noch 288.427.

Ein Blick auf die Statistik des Handballverbands Niederrhein zeigt, dass die Zahl der Mitglieder zwar seit einigen Jahren zurückgeht, sie sich insgesamt jedoch bei etwas unter 50.000 einpendelt. Lediglich der Fußballverband Niederrhein hat im Vergleich der vergangenen 20 Jahre ein deutliches Plus an Mitgliedern generieren können. 367.233 sind es heute - fast 100.000 Menschen mehr als 1997.

Quelle: RP
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