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Erfolg im Energiesparmodus
Petkovic meldet sich mit sicherem Aufschlag zurück

Porträt: Andrea Petkovic: Ulknudel und Kämpferin
Porträt: Andrea Petkovic: Ulknudel und Kämpferin FOTO: afp, dan
Doha. Mit ihrer ersten Halbfinal-Teilnahme seit elf Monaten hat sich Andrea Petkovic in Doha endgültig zurückgemeldet. Am Ende der vergangenen Saison dachte sie noch an ein Karriereende.

Diese kleinen Schusseligkeiten sind geblieben bei Andrea Petkovic. In Doha donnerte sich die Darmstädterin beim Aufschlagtraining das Racket gegen ihr Knie. Mal wieder. Wochen zuvor hatte ihr Laptop den Geist aufgegeben. Im Hotelzimmer musste sich Petkovic übergeben - vor dem Computer sitzend. "Das Teil dann unter der Dusche reinigen zu wollen, war vielleicht nicht die beste Idee", erzählte die 28-Jährige dem SID schmunzelnd beim WTA-Turnier in Katar. Dort traf sie in ihrem ersten Einzel-Halbfinale seit elf Monaten am Freitag auf Jelena Ostapenko (Lettland).

Petkovic kann inzwischen wieder über sich selbst lachen. Auf dem Court strahlt sie viel Ruhe aus - scheint im Reinen mit sich und der Welt: "Ich spüre einfach, dass ich auf dem richtigen Weg bin." Das war Ende 2015 noch ganz anders, da hatte sie mit depressiven Verstimmungen zu kämpfen und stellte sogar die Fortsetzung ihrer Karriere in Frage.

Doch was unterscheidet die aktuelle Petko von der im November 2015? "Ich bin emotional wieder in einer guten Verfassung", erklärte die Nummer 27 des WTA-Rankings, die den Spaß am Tennis wiedergefunden hat: "Außerdem gibt mir meine Fitness Selbstvertrauen."

So wie beim 6:1, 5:7, 6:2 im Viertelfinale gegen die an Nummer vier gesetzte Wimbledon-Finalistin Garbine Muguruza (Spanien). Beim ersten Sieg im Duell mit einer Top-5-Spielerin seit September 2013 ließ sich Petkovic auch vom Verlust des zweiten Satzes nicht beirren: "Ich wusste, dass ich noch Stunden weiterspielen kann, wenn es sein muss."

Der Wechsel zu Trainer Jan de Witt und dessen Crew scheint sich auszuzahlen. "Sie geben mir einen guten Matchplan an die Hand, dem ich absolut vertraue. So kann ich auf und neben dem Court wichtige Energie sparen", berichtete Petkovic über die Strategie. Ihre dreiwöchige Vorbereitung im Dezember hatte die Fed-Cup-Spielerin bei de Witt in der Breakpoint-Base in Halle/Westfalen absolviert. Vor allen Dingen der Aufschlag ist sicherer und druckvoller geworden.

Die Zusammenarbeit mit dem Trainer des Weltranglisten-19. Gilles Simon eröffnet ihr ganz neue Perspektiven - vor allem in punkto geschlechtsspezifischer Selbsteinschätzung. "Wir Mädels hadern auch nach Siegen oft mit unserer Leistung. Die Jungs dagegen sehen bei sich viel mehr das Positive", berichtete Petkovic, die sich im ostwestfälischen Trainingslager auch mit dem introvertierten Simon austauschte. Und der Franzose scheint sich auch von der extrovertierten Hessin einiges abgeschaut zu haben: "Seitdem gibt er sich öfter mal die Faust auf dem Platz."

Selbst die Tatsache, dass de Witt wegen seines Jobs bei Simon nicht immer mit Petkovic auf Tour gehen kann, wirkt sich nicht negativ aus. In Doha ist Coach Simon Goffin aus dem de-Witt-Team dabei. Der Belgier ist der Bruder des Weltranglisten-16. David Goffin. In Katar absolviert Petkovic auch immer wieder Fitness-Einheiten mit Physiotherapeut Dennis Beckermann, der sich mit Petra Winzenhöller abwechselt.

Petkovic, einst die Nummer neun der Welt, steht in ständigem Kontakt mit de Witt. "Jan ist ein unglaublich guter E-Mail-Schreiber." Schade nur, dass sie die schriftlichen Botschaften seit ein paar Wochen nicht mehr auf ihrem Lieblings-Laptop lesen kann. Einmal Schussel - immer Schussel.

(ems/sid)
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