| 18.12 Uhr

Größter Sieg im zweiten Tennis-Frühling
Qualifikantin Siegemund besteht Psycho-Test

Bilder: Siegemund sorgt in Stuttgart weiter für Furore
Bilder: Siegemund sorgt in Stuttgart weiter für Furore FOTO: dpa, dm hak
Qualifikantin Laura Siegemund ist überraschend ins Viertelfinale von Stuttgart eingezogen. Die Psychologin erlebt gerade ihren zweiten Tennis-Frühling.

Nach dem bestandenen Psycho-Test warf Laura Siegemund eine Kusshand ins Publikum und konnte ihr Glück kaum fassen. Ausgerechnet in ihrer schwäbischen Heimat hat die Weltranglisten-71. ihren bislang größten Erfolg gefeiert und steht als Qualifikantin überraschend im Viertelfinale des WTA-Turniers von Stuttgart.

Die 28-jährige Siegemund entzauberte die an Position vier gesetzte Simona Halep (Rumänien) mit 6:1, 6:2. "Klar, das war der bislang größte Sieg meiner Karriere", sagte Siegemund: "Ich muss mir das Spiel nochmal auf Video anschauen. Ich war so im Tunnel und habe wenig mitbekommen."

Im Viertelfinale des mit 759.000 Dollar dotierten Hallenturniers trifft Siegemund am Freitag auf die an Position sechs gesetzte Italienerin Roberta Vinci, die sich 6:3, 6:4 gegen Fed-Cup-Spielerin Julia Görges (Bad Oldesloe) durchsetzte. Noch nie zuvor hatte Siegemund eine im Ranking derart hoch platzierte Kontrahentin wie die ehemalige Paris-Finalistin Halep bezwungen.

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Die Favoritin war zwar wegen einer Knöchelblessur leicht gehandicapt, aber Siegemund meisterte die mental schwierige Aufgabe vorbildlich, ihren Matchplan auch gegen eine angeschlagene Gegnerin durchzuziehen. Kein Wunder, der Titel ihrer mit 1,3 benoteten Bachelor-Arbeit in Psychologie lautete: "Versagen unter Druck".

Zwar gab die Lokalmatadorin unmittelbar nach einer medizinischen Auszeit von Halep im zweiten Satz zwei Spiele ab, doch ab dem 2:2 zeigte Siegemund keine Nerven mehr. "Natürlich kommt man ins Grübeln, wenn die Gegnerin Beschwerden hat. Aber ich habe einfach versucht, im Tritt zu bleiben", sagte die Powerspielerin mit den geflochtenen Zöpfen, die auf dem Court eigentlich immer in Bewegung ist.

Die Zuschauer honorieren die offensive Spielweise von Siegemund, ihren Drang, ans Netz zu stürmen. Und die extrovertierte Schwäbin genießt ihren zweiten Frühling spürbar.

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Dabei hatte sie ihre einst verheißungsvolle Karriere 2012 aus Frust eigentlich schon beendet. Siegemund war nach dem Gewinn der prestigeträchtigen Orange Bowl in Florida im Alter von zwölf Jahren als neue Steffi Graf gefeiert worden - die überzogenen Erwartungen konnte sie nicht erfüllen. "Vielleicht habe ich mir einfach selbst zu viel Druck gemacht", sagte Siegemund im Rückblick. Und es klang alles andere als verbittert. Mittlerweile, so glaubt sie, "habe ich eine gute Weise, mit dem Druck klarzukommen".

Während ihrer Auszeit machte sie den A-Trainerschein und begann zu studieren. "Dadurch habe ich einen anderen Blick auf das Profitennis bekommen", erzählte Siegemund: "Ich bin auch so ein forscher Typ, das ist mein Ding."

Wildcard-Inhaberin Anna-Lena Friedsam (Neuwied) musste sich dagegen am Donnerstag der an Position sieben gesetzten Carla Suarez Navarro mit 2:6, 2:6 beugen. Die Spanierin fordert nun am Freitag Titelverteidigerin und Australian-Open-Siegerin Angelique Kerber im Viertelfinale.

(sid)
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