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Tennis-Oldie wirft Federer raus
Abschiedstournee von Haas beginnt mit Überraschungserfolg

Tommy Haas wirft Roger Federer raus
Tommy Haas wirft Roger Federer raus FOTO: afp, tk/
Stuttgart. Tommy Haas hat auf seiner Abschiedstournee in Stuttgart zum ersten Mal seit drei Jahren ein Viertelfinale erreicht - der im Achtelfinale unterlegene Superstar Roger Federer muss auf dem Weg zum achten Wimbledon-Titel derweil neuen Anlauf nehmen.

Tommy Haas sparte sich die Siegerpose. Den Überraschungserfolg gegen seinen Kumpel Roger Federer bejubelte der 39 Jahre alte Teilzeit-Profi im Stillen. Dass er in Stuttgart auf seiner Abschiedstour zum ersten Mal seit über drei Jahren in einem ATP-Viertelfinale steht: zweitrangig. Seine Freude nach schier endloser Verletzungsodyssee galt dem Moment.

"Ich weiß nicht, ob es ein weiterer Frühling ist, aber für mich war es ein ganz anderes Gefühl", sagte die Nummer 302 der Welt nach dem 2:6, 7:6 (10:8), 6:4 im Achtelfinale gegen den topgesetzten Federer. Dem Schweizer Rasenkönig hatte Haas ganz nebenbei das Comeback verdorben.

"Er ist wahrscheinlich der größte Spieler aller Zeiten, aber hat seit zehn Wochen nicht gespielt, weswegen ihm vielleicht die Matchpraxis gefehlt hat", sagte Haas. Der Deutsche weiß, wo er steht - am Ende einer bewegten Karriere. Nach vier Schulteroperationen und einem vergangenen Jahr ohne Turnierauftritt ist für den gebürtigen Hamburger zum Saisonende Schluss.

Umso mehr bedeutete ihm der Erfolg gegen den Grand-Slam-Rekordsieger. "Das war eines meiner Karrierehighlights. Für mich war es nicht der große feierliche Erfolg, der es noch vor vier, fünf oder sechs Jahren gewesen wäre. Es sind jetzt andere Emotionen in meiner letzten Saison", sagte Haas. Am Freitag geht es für ihn in der Runde der letzten Acht gegen Mischa Zverev (Hamburg/Nr. 6), so weit war er zuletzt im Mai 2014 in Rom gekommen.

Federer dagegen setzte sich noch am Mittwoch nach der Niederlage ins Auto Richtung Heimat. "Das ist vielleicht ein kleiner Rückschlag für ihn. Jetzt wo er verloren hat, ist er möglicherweise glücklich, dass es gegen mich war. Ich bin ja schon mit einem Bein draußen", sagte Haas. Tatsächlich hatte sich der Grand-Slam-Rekordsieger seine Rückkehr nach zweimonatiger Ruhepause anders vorgestellt.

"Es ist ziemlich frustrierend, aber so ist es manchmal", sagte der 35-Jährige. Nach einem herausragenden Start ins Jahr mit Siegen bei den Australian Open und den Masters in Indian Wells und Miami hatte Federer die komplette Sandplatzsaison ausgelassen, um sich auf die Jagd nach seinem achten Wimbledon-Titel vorzubereiten. Die nötige Spielpraxis für Wimbledon (ab 3. Juli) muss sich Federer nach dem unerwartet frühen Aus in Stuttgart nun in der kommenden Woche im ostwestfälischen Halle holen.

"Man ist sich nie sicher, dass es so gut weitergehen kann. Von daher ist so ein Reset manchmal ziemlich gut", sagte Federer: "Es ist nicht so, dass ich gedacht habe, ich gewinne schnell Stuttgart, danach noch Halle und dann gehe ich mit super viel Selbstvertrauen nach Wimbledon." Doch immerhin der in der Vergangenheit öfter in Mitleidenschaft gezogene Körper, besonders der anfällige Rücken und das Knie, bestand den Belastungstest. "Ich fühle, dass sich der Körper im Vergleich zum Training anders anfühlt. Ich bin ganz schön müde", sagte Federer.

(sid)
 
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