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Abschiedstournee des 39-Jährigen
Tommy Haas spielt zum letzten Mal beim Heimturnier in München

Tommy Haas zum letzten Mal beim Heimturnier in München
FOTO: dpa, her sam jhe
München. In München beginnt Tommy Haas am Montagnachmittag mit seiner Abschiedstour in Deutschland. An das Turnier hat er besondere Erinnerungen.

Tommy Haas wird sich womöglich nicht mehr an das genaue Datum erinnern, aber dieser eine, ganz besondere Tag wird ihm in Erinnerung bleiben, so viel ist sicher. "Es war einer der schönsten Momente meiner Karriere, gerade, weil er sehr spät kam. Das vergesse ich nie", sagt er. An diesem 5. Mai 2013 gelang Haas endlich der Turniersieg in München, er gewann 6:3, 7:6 gegen Philipp Kohlschreiber, das Wichtigste aber: Töchterchen Valentina, damals zwei Jahre alt, war bei der Siegerehrung mit auf dem Platz, und "das sind Erinnerungen, die wird man nicht vergessen".

Am Montagnachmittag, so das Wetter mitspielt, wird Haas zum letzten Mal sein erstes Match bei den BMW Open bestreiten. Es ist, weil die Familie und Freunde hier wohnen, sein Heimturnier, auch wenn er in Hamburg geboren wurde, wo er seine Abschiedstournee nach den weiteren Stationen Stuttgart und Halle Ende Juli beenden wird. Er sei dankbar, sagt der 39 Jahre alte Haas, dass er sich "am Ende meiner Karriere" nochmal seinen Fans zeigen könne, gerade auch in Deutschland. Er selbst wohnt mit seiner Frau und mittlerweile zwei Töchtern längst drüben in Los Angeles, Kalifornien.

Als Abschiedstour möchte Haas die Reise durch sein Geburtsland allerdings nicht verstanden wissen. Nein, er wolle jetzt nicht einfach nur mitspielen und bei jedem Turnier "tschüss sagen", beteuert er. Auch Wehmut verspüre er nicht. Vielmehr ist der ehemalige Weltranglistenzweite auch ein bisschen stolz, dass er noch mal ein paar Turniere spielen kann, es ist ja nicht selbstverständlich angesichts seiner dicken, sehr dicken Krankenakte. Die letzte, seine vierte Schulteroperation, hat ihn ein Jahr gekostet, "ich habe überlegt, ob es vorbei sein könnte", gesteht er, aber: "Ich bin zu stur, ich möchte, dass ich entscheide, wann es vorbei ist."

Aber, wie gesagt, Haas will nicht nur einfach noch mal vorbeischauen und seinen Diener machen. Bevor es vorbei ist, betont er, will er "jeden Tag" versuchen, das "Bestmögliche herauszuholen". Ein paar Mal ist es ihm gelungen in diesem Jahr, das blöderweise mit einer Lungenentzündung begonnen hatte. Anfang April in Houston gewann er gegen Reilly Opelka (USA), vor ein paar Tagen beim Masters in Monte Carlo gegen Benoit Paire (Frankreich). Das sei gut fürs Selbstvertrauen, merkt Haas an, und vielleicht, ergänzt er, "vielleicht kommt ja noch der ein oder andere große Sieg".

Wenn er nicht kommt, ist es vielleicht auch nicht so schlimm. "Jeder Moment, den ich noch bei den Turnieren erlebe, ist ein großer Moment", behauptet Haas - und deshalb ist es dann auch gut. Sein Körper hat eben zu viel hinter sich, zu oft hat er sich zurückkämpfen müssen, auch wollen, aber es fehlen ihm im Spiel mittlerweile die kleinen Details, etwa diese "kleinen kurzen Schritte, die man braucht, um gut zum Ball zu stehen". Knochen, Muskeln und Sehnen signalisieren: Nun lass mal gut sein. "Ich muss aufpassen", sagt Haas, "dass ich nicht zu lange spiele und dann hier mit dem Rollstuhl vorbeischaue."

(sid)
 
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