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"Das bedeutet mir alles"
Pennetta erlebt Sternstunde: US-Open-Finale mit 33 Jahren

Fotos: Pennetta steht erstmals im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers
Fotos: Pennetta steht erstmals im Endspiel eines Grand-Slam-Turniers FOTO: afp, jh
Die krasse Außenseiterin Flavia Pennetta schlug nach ihrer Sternstunde die Arme über dem Kopf zusammen und konnte ihr Glück auf der größten aller Tennis-Bühnen kaum fassen. In nur 59 Minuten hatte die Weltranglisten-26. zuvor die Favoritin Simona Halep (Rumänien/Nr. 2) im Halbfinale der US Open in New York mit 6:1, 6:3 entzaubert.

Die Belohnung: Im reifen Profialter von 33 Jahren erreichte Pennetta erstmals ein Grand-Slam-Endspiel. "Das bedeutet mir alles. Ich weiß gar nicht, wie ich heute mit all dem Druck umgehen konnte", sagte die mit ihrem Profikollegen Fabio Fognini (ATP-Nr. 32) verlobte Pennetta, die vor dem Turnier gar kein gutes Gefühl hatte: "Aber ich habe mir dann vorgenommen, jedes Spiel zu gewinnen. Tja, und hier bin ich."

Im Endspiel am Samstag (15.00 Uhr OZ/21.00 MESZ) trifft Pennetta entweder auf Titelverteidigerin Serena Williams (USA/Nr. 1) oder ihre ungesetzte Landsfrau Roberta Vinci.

Nach nur 59 Minuten verwandelte Pennetta im Arthur-Ashe-Stadium ihren zweiten Matchball. Im zweiten Satz ließ sie sich auch von einem 1:3-Rückstand nicht beirren und drängte Favoritin Halep, der im ersten Durchgang 14 unerzwungene Fehler unterliefen, immer wieder mit ihren druckvollen Grundlinienschlägen in die Defensive.

Ihr zuvor einziges Major-Semifinale hatte die aus Brindisi stammende Pennetta vor zwei Jahren in Flushing Meadows verloren. Dabei liegt ihr das pulsierende New York gar nicht so sehr: "Eigentlich ist es mir zu hektisch, ich fühle mich an ruhigeren Orten wohler", meinte die Indian-Wells-Siegerin, die in ihrer Karriere bislang zehn WTA-Titel gewonnen hat. Die Fed-Cup-Spielerin hatte 2009 als erste Italienerin die Top Ten geknackt.

Die 23-jährige Halep indes verpasste ihren zweiten Finaleinzug bei einem Grand-Slam-Turnier seit den French Open 2014. Im Achtelfinale hatte sie sich trotz einer Oberschenkelverletzung gegen Sabine Lisicki (Berlin/Nr. 24) durchgesetzt.

In den Männer-Halbfinals am Freitagabend Ortszeit standen sich in einem Schweizer Duell Roger Federer (Nr. 2) und Stan Wawrinka (Nr. 5) gegenüber. Davor spielte der topgesetzte Novak Djokovic (Serbien) gegen Titelverteidiger Marin Cilic (Kroatien/Nr. 9).

Im Big Apple setzte sich durch den Finaleinzug von Pennetta das fort, was Serena Williams bereits vor einiger Zeit mit folgenden Worten beschrieben hatte: "30 ist das neue 20". Will heißen: Die Oldies sind "en vogue", wenn es um die Titel geht.

Drei der vier Halbfinalistinnen von Flushing Meadows waren 32 Jahre oder älter. Es war überhaupt erst das dritte Mal in der Open Era, dass ein Trio von Semifinalistinnen älter als 30 Jahre war.

Den US-Open-Veranstaltern indes bleiben künftig etliche Schweißperlen erspart, wenn 2016 in Flushing Meadows eine neue Zeitrechnung beginnt. Wie wichtig das dann einsatzbereite und mobile Dach über dem Arthur-Ashe-Stadium ist, bewies der verregnete Donnerstag. Die beiden Frauen-Halbfinals mussten auf Freitag verlegt werden.

Die Profis jedenfalls fiebern der Einweihung des rund 120 Millionen Dollar teuren Daches über dem größten Tennis-Stadion der Welt bereits entgegen. "Das wird cool. Und es wird Zeit, dass wir hier dann endlich auch einen Schutz gegen schlechtes Wetter haben", sagte Superstar Serena Williams.

Mehr als 6000 Tonnen Stahl, 115.000 Schrauben und 1700 Eisenbalken werden verbaut sein, wenn das Dach im kommenden August nutzbar ist. Große Teile der Konstruktion, die das Herzstück des 500-Millionen-Dollar-Umbaus der Anlage bildet, thronen bereits über dem kesselartigen Bau im Stadtteil Queens. "Man hat jetzt schon das Gefühl, man spielt in einer dieser Football-Arenen", berichtete Williams.

(sid)
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