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US Open
Stan Wawrinka – der Finalspezialist

Porträt: Stan Wawrinka: Spätzünder mit Rückhand für Tennis-Liebhaber
Porträt: Stan Wawrinka: Spätzünder mit Rückhand für Tennis-Liebhaber FOTO: rtr, jl
New York/Düsseldorf. Stan Wawrinka gewinnt elf Endspiele in Folge. Vorläufiger Schlusspunkt ist der Sieg gegen Novak Djokovic in New York. Von Eckhard Czekalla

Samuel Beckett begleitet Stan Wawrinka auf Schritt und Tritt. "Immer versucht. Immer gescheitert. Egal. Versuch es wieder. Scheitere wieder. Scheitere besser" - die Worte des irischen Schriftstellers hat sich der Schweizer auf den linken Unterarm tätowieren lassen. Seit 2002 ist der inzwischen 31-Jährige als Tennisprofi unterwegs. Der Sieg im Finale der US Open in New York gegen den Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic ist ein weiteres Indiz dafür, dass diese Entscheidung richtig war und er zudem das Siegen gelernt hat.

Doch es war ein weiter Weg. Ende Juli 2006 feierte er den ersten seiner 15 Turniersiege auf der Profitour. Im kroatischen Umag gab sein Finalgegner wegen Atembeschwerden auf. Sein Name: Novak Djokovic. Fast vier Jahre später verließ Wawrinka Casablanca mit dem Siegerscheck. Richtig los ging Wawrinkas Karriere aber im April 2013. Der Schwede Magnus Norman (40), einst die Nummer zwei der Welt, wurde sein Coach. Seit 2014 erreichte der Sohn eines Deutschen (Wolfram) und einer Schweizerin (Isabelle) elfmal ein Finale - und verließ stets als Sieger den Platz.

Dazwischen gab es aber immer wieder unerwartete Niederlagen. Deshalb wehrt sich der US-Open-Sieger gegen Vergleiche mit den großen Vier der jüngeren Tennisgeschichte: Djokovic, Roger Federer, Andy Murray, Rafael Nadal. "Ich werde in den ersten Runden nie mein bestes Tennis spielen, aber ich versuche stets, einen Weg zu finden, mich zu verbessern", sagte er in New York. Dort hat er seinem Spitznamen "Marathon-Stan" alle Ehre gemacht. Knapp 22 Stunden stand er in seinen sieben Spielen auf dem Platz (Djokovic 13) und bestritt dabei 27 Sätze, zehn mehr als der Serbe. In der dritten Runde stand er vor dem Aus, wehrte aber einen Matchball des Briten Daniel Evans ab.

Nach dem Finale zog Wawrinka Bilanz. "Ich glaube, dieses Turnier war das schmerzhafteste, das ich je gespielt habe. Physisch und mental." Unmittelbar vor der Partie war er so nervös, dass er kurz geweint habe, erzählt er. Wawrinka brauchte einige Zeit, sich ins Spiel zu "beißen". Dann aber war Djokovic beim 6:7, 6:4, 7:5, 6:3 ohne Chance und kassierte im 24. Duell die fünfte Niederlage. "Stan ist ein Spieler für die großen Matches", lobte Djokovic. Das hatte er bereits im Mai 2015 in Paris bei seiner Final-Niederlage gegen den Schweizer erfahren müssen. Danach hatte Wawrinka für Aufsehen gesorgt, als er sich für ein Magazin nackt bei einem Rückhandschlag fotografieren ließ.

Als Wendepunkt seiner Karriere bezeichnete Wawrinka das Achtelfinale der Australian Open Ende Januar 2013. Fünf Stunden kämpfte er gegen Djokovic und verlor im fünften Satz mit 10:12. "Da begann ich, an mich zu glauben, und realisierte, dass ich Topspieler bei einem Grand Slam besiegen kann", erzählte der 31-Jährige.

Nach dem Finale von New York gab er einen unerwarteten und seltenen Einblick in sein Privatleben. Er ging auf die Tribüne und küsste Donna Vekic. Die 20-jährige Kroatin, selbst eine eher bescheidene Tennisspielerin auf der Profitour, ist seit Juni 2015 die Frau an seiner Seite. Zwei Monate zuvor hatte er die Trennung von der früheren TV-Moderatorin Ilham Vuilloud, Mutter der gemeinsamen Tochter Alexia (6), bekanntgegeben.

Quelle: RP
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