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US Open
Mischa Zverev folgt seinem Bruder, Kohlschreiber gibt auf

Mischa Zverev zieht in Stuttgart ins Viertelfinale ein
Mischa Zverev zieht in Stuttgart ins Viertelfinale ein FOTO: afp, tk/bb
New York. Alexander Zverev ist seinem Bruder Mischa nach einem hart erkämpften Viersatzsieg in die zweite Runde der US Open gefolgt. Der hochbegabte Tennis-Teenager aus Hamburg setzte sich im deutschen Duell mit Daniel Brands nach 2:36 Stunden in New York 3:6, 6:1, 6:4, 7:6 (7:4) durch.

Die deutsche Nummer eins Philipp Kohlschreiber gab dagegen angeschlagen auf. Gegen den Franzosen Nicolas Mahut lag der 32 Jahre alte Augsburger zu diesem Zeitpunkt 3:6, 5:7, 0:1 zurück, Kohlschreiber war noch immer durch die Stressfraktur im rechten Fuß gehandicapt, die ihn bei den Olympischen Spielen in Rio zur Aufgabe gezwungen hatte. Für ihn war es das vierte Erstrunden-Aus beim vierten Grand-Slam-Turnier in dieser Saison, auch sein Einsatz im Davis Cup Mitte September in Berlin gegen Polen ist fraglich.

"Es wird eng, aber es ist auch noch etwas Zeit. Ich muss auf meinen Körper und die Ärzte hören", sagte Kohlschreiber. Zverev ließ ebenfalls offen, ob er zur Verfügung steht, nach SID-Informationen ist eine Entscheidung gegen den Davis Cup allerdings bereits gefallen. "Mit mir hat noch keiner geredet", sagte Zverev, "es ist zu früh, um darüber zu sprechen". Er freue sich nun über seinen Sieg und "beinahe noch mehr" über den Erfolg seines Bruders: "Das ist sehr speziell, einfach der Wahnsinn."

Am Montag hatte Qualifikant Mischa (29) in Flushing Meadows sein erstes Grand-Slam-Match seit sieben Jahren gewonnen. Ausgeschieden ist derweil nach Dustin Brown (Winsen/Aller) auch Routinier Benjamin Becker (Orscholz), als vierte Deutsche schaffte dagegen Annika Beck (Bonn) den Einzug in Runde zwei.

Ein Erfolg des Zweitgeborenen, der von aller Welt Sascha gerufen wird, war in der Zverev-Familie fest eingeplant gewesen, doch Lucky Loser Brands machte dem Jungstar das Leben schwer. Die ersten beiden Aufeinandertreffen hatte Brands gegen Zverev gewonnen, Bundestrainer Michael Kohlmann war sich sicher: "Das steckt in Saschas Hinterkopf."

Tatsächlich war Zverev zunächst sichtlich unzufrieden mit seinem Auftritt, er lamentierte und diskutierte mit dem Schiedsrichter. Der Gefühlsausbruch nach dem Break zum 3:2 im dritten Satz deutete an, wie sehr sich der 19-Jährige selbst unter Druck gesetzt hatte.

Seine Vorbereitung auf das letzte Grand-Slam-Turnier der Saison lief nicht wie geplant. Nach Wimbledon kassierte Zverev drei Erstrundenpleiten bei vier Turnieren, der lustlose Auftritt in seiner Heimatstadt brachte ihm Kritik von seinem Förderer Michael Stich ein, die kurzfristige Absage für die Olympischen Spiele in Rio zumindest indirekt einen Rüffel vom Deutschen Tennis-Bund (DTB).

Bruder Mischa beruhigte die Gemüter. "Ich kenne keinen Profi, der in seiner Karriere ohne Kritik ausgekommen ist", sagte der 29-Jährige gelassen: "Ich weiß genau, dass er nicht völlig durchgeknallt oder ein schlechter Mensch ist. Ich mache mir keine Sorgen um ihn." Auch nicht in Runde zwei der US Open, wenn Alexander als Favorit auf den Briten Daniel Evans trifft. Mischa bekommt es bereits am Mittwoch mit dem US-Amerikaner Jack Sock zu tun.

Das Ziel, gemeinsam im Hauptfeld eines Majors zu stehen, haben die Brüder bereits erreicht. Für alles weitere ist in der Familie der junge Zverev zuständig. "Den Traum von Grand-Slam-Triumphen und der Nummer eins der Welt überlasse ich Sascha. Meine Zeit ist ja ein bisschen vorbei", sagte Mischa, der jahrelang von Verletzungen geplagt wurde. Vielleicht schon im Davis Cup, Teamchef Kohlmann meinte in New York vielsagend: "Alles ist möglich."

(sid)
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