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US Open in New York
Anderson kämpft mit den Waffen eines Rockstars

Anderson macht erstes Grand-Slam-Finale klar
Anderson macht erstes Grand-Slam-Finale klar FOTO: dpa, JJ sab
New York. Der Südafrikaner Kevin Anderson geht am Sonntag als klarer Außenseiter in das US-Open-Finale gegen Rafael Nadal. Ausgerechnet der Spanier hat Anderson inspiriert.

Kevin Anderson fällt es mittlerweile immer leichter, den Rock'n'Roller raushängen zu lassen. Kein Wunder, denn der Erfolg des 31-jährigen Südafrikaners spricht nach dem Rollenwechsel der besonderen Art für sich.

Aus dem introvertierten Mitläufer ist ein durchaus stimmgewaltiger Überraschungs-Finalist der US Open geworden, der am Sonntag (22.00 Uhr MESZ/Eurospoprt) im bislang bedeutendsten Match seiner Karriere den großen Spanier Rafael Nadal schlagen möchte. Und zwar mit dessen Waffen.

"Rafa ist eine Inspiration für mich. Gerade auch in Sachen Emotionen", meinte der Weltranglisten-32. Beim 4:6, 7:5, 6:3, 6:4 im Halbfinale gegen Pablo Carrano Busta (Spanien/Nr. 12) bestätigte der Rechtshänder aus Johannesburg seine Form.

Anderson hat in diesem Jahr eine Wandlung vollzogen. Die hochgerissene Faust und das "Come on" nach gewonnenen Punkten charakterisiert den "neuen Kevin", wie sein Coach Neville Godwin erklärte.

"Kevin ist von Natur aus eher ruhig und reserviert. Aber auf den großen Sportplätzen dieser Welt sind das nicht unbedingt die besten Eigenschaften", meinte der Ex-Profi. Und weil Anderson Hobby-Musiker ist, lockte ihn Godwin mit folgender Forderung: "Sei wie ein Rockstar da draußen. Zeige deine Leidenschaft, dann berührst du auch die Zuschauer."

Anderson zeigt seine andere Seite

Und der Plan ging auf. "Diese neue Einstellung erlaubt es mir, mein bestes Tennis zu spielen", schwärmte Anderson. Godwin gefallen nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Reaktion der Leute. "Kevin hat jetzt eine andere Mentalität auf dem Court, er zeigte eine andere Seite von sich", sagt der Coach über seinen Landsmann, dessen bestes Major-Ergebnis vor den Tagen von New York das Erreichen eines Viertelfinals war.

Doch im 34. Anlauf gelang dem Spätzünder der Durchbruch. Passenderweise auf der größten aller Tennis-Bühnen - im 23.711 Zuschauer fassenden Arthur-Ashe-Stadium. "Das alles bedeutet die Welt für mich, ich schwebe gerade auf Wolke sieben. Es war eine lange Reise für mich, bis ich hier angekommen bin", meinte Anderson mit Blick auf die vielen Verletzungen, die ihn immer wieder ausbremsten.

Eine Hüft-Operation zum Beispiel hatte zur Folge, dass er in dieser Saison die Australian Open verpasste und bis Ende April nur zwei Matches gewinnen konnte.

Entsprechend euphorisch fiel seine Reaktion nach dem Semifinale aus. Der 2,03-m-Hüne kletterte auf halsbrecherische Weise in seine Box und umarmte Frau Kelsey, eine amerikanische Golferin.

Anderson ist der am schlechtesten platzierteste Endspielteilnehmer im Big Apple seit Einführung der Computer-Rangliste 1973. Und der erste Südafrikaner seit 52 Jahren, der wieder ein US-Open-Finale erreichte.

Nadal mit viel Respekt

Nadal jedenfalls hat einen Heidenrespekt vor dem gleichaltrigen Gegner. "Kevin hat einen unglaublichen Aufschlag. Es wird am Sonntag ein schwieriges Match für mich", sagte der French-Open-Rekordchampion nach dem überzeugenden 4:6, 6:0, 6:3, 6:2 in der Vorschlussrunde gegen Federer-Bezwinger Juan Martin del Potro (Argentinien/Nr. 24).

Nadal will sich aber keinen Druck machen. "Mir ist es wichtiger, glücklich und gesund zu sein, als Grand Slams zu gewinnen. Meine Saison war sehr gut, egal wie da Finale ausgeht", erklärte die Nummer eins der Welt vor seinem dritten Major-Endspiel 2017.

Andersons Freude trübte indes Hurrikan Irma, der am Wochenende über Florida ziehen soll. "Zum Glück ist meine Frau hier mit dabei. Wir haben Zuhause alles zugesperrt, jetzt können wir nicht mehr viel machen - nur hoffen", sagte der im Sunshine State wohnende Anderson.

(sid)
 
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