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Niederlage im Finale gegen Williams
Kerber: "Bin natürlich enttäuscht, aber auch stolz"

Kerber gratuliert Williams zum Titel
Kerber gratuliert Williams zum Titel FOTO: dpa, ed
London. Als Angelique Kerber sich unter dem ohrenbetäubenden Jubel der Fans für "die tollsten zwei Wochen" bedankte, brach dem neuen Publikumsliebling von Wimbledon kurzzeitig die Stimme.

"Ich habe so gut gespielt, wie ich konnte. Ich kann mir nicht viel vorwerfen. Ich habe dieses Finale nicht verloren, Serena hat es gewonnen. Das macht es angenehmer. Ich bin natürlich enttäuscht, aber auch stolz", sagte Kerber nach dem 5:7, 3:6 in einem der hochklassigsten Endspiele der letzten Jahre gegen Branchenführerin Serena Williams (USA).

161 Tage nach ihrem Triumph bei den Australian Open kündigte Kerber zudem selbstbewusst an: "Ich will noch mehr Grand-Slam-Turniere gewinnen. Und ich denke, ich bin auf einem guten Weg."

Bilder: Williams präsentiert stolz ihre Trophäe FOTO: afp

Bundestrainerin Barbara Rittner und Coach Torben Beltz attestierten ihrem Schützling trotz der Niederlage eine herausragende Leistung attestiert. "Das Endspiel war absolut hochklassig. Angie hat sich nichts vorzuwerfen, sie hat nichts falsch gemacht", sagte Rittner: "Sie hat heute gegen eine bessere Aufschlägerin verloren. Serena hat zu Recht 22 Grand-Slam-Titel gewonnen."

Auch Beltz hatte "super Damentennis" gesehen, die Enttäuschung nach der Niederlage schüttelte er jedoch erst allmählich ab. "Es war ein gutes Match, das wir aber leider verloren haben. Deswegen sind wir nicht ganz so froh wie in Australien", sagte Beltz. Bei den Australian Open im Januar hatte Kerber die Amerikanerin Williams im Finale geschlagen und ihren ersten Grand-Slam-Titel gewonnen.

Hoch oben in der Box hielt Mutter Beata Kerber während der Siegerehrung die bewegenden Szenen auf dem heiligen Rasen mit dem Smartphone fest. Die eigens aus Polen angereiste Oma Maria klatschte begeistert in die Hände.

Serena Williams feiert den 22. Grand-Slam-Titel FOTO: afp

Das schönste Kompliment kam nach dem fesselnden Schlagabtausch über 81 Minuten aber von der frischgebackenen siebenmaligen Wimbledonsiegerin Williams, die mit ihrem 22. Grand-Slam-Coup die Bestmarke von Steffi Graf egalisierte. "Ich liebe es, gegen Angie zu spielen. Sie holt immer das Beste aus mir heraus und ist auch abseits des Courts eine wundervolle Person", sagte Williams und blickte erleichtert auf die Venus-Rosewater-Trophäe, die ihr der Duke of Kent zuvor überreicht hatte.

Graf gratuliert Williams zu Titel Nummer 22

Am Abend reagierte auch Graf und lobte Williams via Facebook über den Klee: "Was für eine unglaubliche Leistung durch Serena in Wimbledon. Welch ein Geschenk für alle Sportfans, die gesehen haben, wie sie die erstaunliche Nummer 22 geholt hat." Aber auch für Kerber war Graf voll des Lobes: "Toll gemacht, Angelique, die Deutschland mit ihrem Talent und ihrem Kampfgeist stolz gemacht hat!"

Kerber hatte schnell den erbarmungslosen Hammer-Aufschlag von Williams als Schlüssel des Finals ausgemacht. "Ohne ihn wäre das Spiel wahrscheinlich anders ausgegangen", sagte die Linkshänderin. Wenn das erste Service ihrer 34 Jahre alten Kontrahentin kam, machte Williams in 88 Prozent der Fälle den Punkt. Bezeichnend, dass sie auch Kerbers einzigen Breakball beim Stand von 3:3 im zweiten Satz mit einem Ass (rund 190 km/h) abwehrte. 

Trotz einer starken Leistung konnte Kerber im Rasenmekka damit (noch) nicht in Grafs Fußstapfen treten. Die Ikone hatte 1996 als letzter deutscher Profi im All England Tennis Club triumphiert.

Williams verwandelte auf dem geschichtsträchtigen Centre Court ihren ersten Matchball und ließ sich rücklings auf den Rasen fallen. Damit nahm die Nummer eins erfolgreich Revanche für das verlorene Melbourne-Endspiel Ende Januar.

1,15 Millionen Euro als Trostpreis

Für ihren Erfolg kassierte Williams ein Preisgeld in Höhe von umgerechnet 2,3 Millionen Euro. Kerber (28), die in der Weltrangliste vom vierten wieder auf den zweiten Platz vorrückt, kann sich mit etwa 1,15 Millionen Euro trösten.

Vor 14.979 Zuschauern musste sie gleich in ihrem ersten Aufschlagspiel drei Breakchancen von Williams abwehren. Doch in einer Partie auf höchstem Niveau tat Kerber dies im Stile eines Champions.

Überhaupt agierte sie mutig und ließ sich immer wieder auf intensive Grundlinienduelle mit der Titelverteidigerin ein. Nicht selten mit dem besseren Ende für die Kielerin, die auf ihr Winkelspiel setzte, während Williams immer wieder den Weg ans Netz suchte.

Doppeltitel für die Williams-Schwestern

Die Weltranglistenerste war bei ihrem eigenen Service stabil. Bei einer 6:5-Führung nutzte Williams, die sich wenige Stunden danach auch noch ihren sechsten Wimbledon-Doppeltitel mit Schwester Venus holte, ihren zweiten Satzball. Ihr gelangen im ersten Durchgang 24 direkte Gewinnschläge (Kerber: 6), allerdings hatte die Deutsche in der Statistik der unerzwungenen Fehlern klare Vorteile.

Doch auch danach blieb die von den Zuschauern angefeuerte Kerber dran und verlangte Williams alles ab. Bester Beweis: Die Amerikanerin begleitete fast jeden ihrer Hammerschläge mit einem Urschrei.

Das entscheidende Break gelang der Tennis-Diva aus Florida zum 5:3. "Ich habe bis zum Schluss auf meine Chance gewartet, aber sie ist nicht gekommen", meinte Kerber, die vom "ganz besonderen Gefühl" in Wimbledon schwärmte: "Ich hoffe, ich werde hier noch öfter im Finale stehen." Der Anfang ist gemacht.

(sid)
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