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Wimbledon
Dustin Brown: Held für einen Tag

Fotos: Dustin Brown – Rasta-Mann, Tattoo-Fan und Nadal-Schreck
Fotos: Dustin Brown – Rasta-Mann, Tattoo-Fan und Nadal-Schreck FOTO: afp, dan
London/Düsseldorf. Das sei kein Tennis, sagte Rafael Nadal, nachdem ihn die unorthodoxe Spielweise von Dustin Brown entnervt hatte. Von Eckhard Czekalla

Zweieinhalb Stunden haben das Leben von Dustin Brown bereichert. Schon während der Tennispartie gegen Rafael Nadal schlossen ihn die Zuschauer auf dem Center Court von Wimbledon in ihr Herz. Den Erfolg gegen den Spanier, der 14 Grand-Slam-Turniere gewann, derzeit aber weit von alter Klasse entfernt ist, wollte der 30-Jährige in London noch etwas feiern. Die Gäste eines Pubs empfingen ihn mit "Dreddy, Dreddy"-Rufen. Es ist der Spitzname des Mannes, der seine Dreadlocks seit 19 Jahren nicht mehr schneiden ließ. Als er zurück war, waren über 500 SMS auf seinem Handy.

Die zweienhalb Stunden werden aber nicht der Auftakt eines rasanten Aufstiegs sein. Viele hat der Sieg überrascht. Aber nicht alle. "Wir hatten die Chancen schon auf 50:50 geschätzt", sagt Malte Stropp. Der 24-jährige Düsseldorfer hat drei Jahre mit Brown, der nun als Spitzenspieler zum Bundesliga-Aufsteiger RW Köln wechselte, beim Gladbacher HTC gespielt. Vor einem Jahr beim Rasenturnier in Halle/Westfalen hatte Brown schon einmal Nadal geschlagen. Stropp, Linkshänder wie der Spanier, war von Brown kurz zuvor gebeten worden, sein Trainingspartner zu werden. Seitdem unterstützt er seinen Freund auf und neben dem Platz - wenn es zeitlich passt. "Es ist aber generell nicht einfach, ihn zu coachen", gibt Stropp zu. Nadal zermürbte die unorthodoxe Spielweise des Gegners, der kein Geld hat, um sich einen festen Trainer leisten zu können. Das sei kein Tennis, sagte er frustriert.

Sensation! Brown schaltet Nadal aus FOTO: afp, dan

Brown, in Celle geboren, zog es mit elf Jahren nach Montego Bay (Jamaika) in die Heimat seines Vaters. Nach kurzer Zeit kehrte er wieder zurück. Seit 13 Jahren ist er Profi. Lange reiste er im Campingbus, den ihm seine Eltern schenkten, zu den Turnieren. Die finden aber in der Regel an Orten wie Heilbronn, Vercelli oder Irving statt. Die dritte Liga ist eigentlich Browns Spielwiese, Rang 78 im Juni 2014 seine beste Platzierung in der Weltrangliste. Pleiten, Zweifel und finanzielle Sorgen waren Wegbegleiter des Mannes, der ein Zungenpiercing hat und der unterhalb der Rippen ein Tattoo trägt, das seinen Vater Leroy zeigt. "Dustin ist für jeden Spaß zu haben", sagt Stropp.

Nadal fand kein Mittel gegen die Netzattacken, die Lobs und Stopps. "Wenn er damit punktet, ist das kein Glück. Es ist sein Spiel", betont Stropp. Brown ist auf dem Tennisplatz unberechenbar. Wenn alles passt, begeistert der 30-Jährige. "Aber ich kann auch ganz schön schockierend spielen", gibt er zu.

Heute spielt die Nummer 102 der Weltrangliste gegen den Serben Viktor Troicki (Nr. 24) um den Einzug ins Achtelfinale. Am Donnerstag konnte er unbeschwert aufspielen. Heute ist er der Mann, der Nadal in Wimbledon vorführte. Das kann selbstbewusst und locker machen, kann aber auch eine Last sein.

Quelle: RP
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