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Frust bei Wimbledon-Fans
"Manic Monday" vertreibt Damentennis von der großen Bühne

Kerber kämpft sich ins Achtelfinale
Kerber kämpft sich ins Achtelfinale FOTO: dpa, TH nic
Düsseldorf. Am "Manic Monday" finden in Wimbledon alle Achtelfinal-Matches an einem Tag statt. Bei vielen Fans, vor allem denen des Damentennis, löst das aber Frust aus. Von Antje Rehse

Denn weil am Sonntag, dem "Middle Sunday" gar keine Matches stattfinden, muss der Spielplan am Montag durchgeprügelt werden. Matches, die eigentlich das Potenzial für den Centre Court haben, finden auf einem der Außenplätze statt. Bei den Damen werden zudem vier von acht Matches parallel "angepfiffen". Da weiß man gar nicht, wo man zuerst hinschauen soll.

Der "Manic Monday", der "verrückte Montag", geht vor allem zu Lasten des Frauentennis, bemängeln die Fans. Auf den zwei größten Plätzen, dem Centre Court und Court 1, finden jeweils zwei Herren- und nur ein Damenmatch statt. Der siebenmalige Champion Roger Federer aus der Schweiz? Muss auf den Centre Court, natürlich. Andy Murray, die Nummer eins der Welt, Titelverteidiger und außerdem Brite? Ihn kann man auch nicht von der großen Bühne werfen. Für die zwei anderen großen Stars Novak Djokovic (Serbien) und Rafael Nadal (Spanien) bleibt der Einser. Und für die Frauen nicht mehr viel Platz.

So kommt es, dass die aktuelle Nummer eins der WTA-Weltrangliste Angelique Kerber ihr Match gegen Angstgegnerin Garbine Muguruza auf Court 2 austragen muss, dem drittgrößten Platz auf der Anlage im "All England Lawn Tennis and Croquet Club". Es ist immerhin das Duell der Vorjahresfinalistin gegen die Finalistin von 2015. Zusammen kommen Kerber und die Spaniern auf drei Grand-Slam-Titel. Ihr sei es egal, auf welchem Platz sie spiele, sagte Kerber nach ihrem Drittrunden-Match gegen Shelby Rogers (USA), das ebenfalls auf Platz 2 stattfand. Doch manche halten die Ansetzung für einen Affront gegen die Weltranglisten-Erste.

Spielfreier Sonntag bei Spielern umstritten

Noch härter hat es Jelena Ostapenko erwischt. Die 20-jährige Lettin, die vor einem Monat völlig überraschend die French Open gewonnen hat, ist in Wimbledon fast unbemerkt ins Achtelfinale eingezogen. Auf einem der zwei großen Plätze hat sie – anders als Kerber – noch überhaupt nicht gespielt. "Ich hoffe, dass mein nächstes Spiel auf einem größeren Platz stattfindet", hatte sie nach ihrem Sieg gegen Camila Giorgi (Italien) auf Court 2 gesagt. Die Hoffnung erfüllte sich nicht, stattdessen wurde es wieder eine Nummer kleiner. Ihr Match gegen die Ukrainerin Jelina Switolina, immerhin die Nummer vier der Welt, bestreitet sie auf Platz 12. 

Viele Fans fordern deshalb, den spielfreien Sonntag abzuschaffen, um eine ausgewogenere Verteilung der Matches zu ermöglichen. Zumal die meisten sonntags viel mehr Zeit haben, um Tennis im Fernsehen zu gucken oder gar live vor Ort dabei zu sein. Doch die Veranstalter beharren auf Einhaltung der Tradition. Erst viermal in der Geschichte des Turniers wurde zum Abschluss der ersten Woche am Sonntag gespielt, weil Dauerregen den Spielplan durcheinander gewürfelt hatte. Eingeführt wurde der freie Tag, um den Einwohnern von Wimbledon, einem Stadtteil von London, eine Ruhepause vom regen Turniertreiben zu gönnen. Auch den Rasenplätzen schadet ein Tag Pause nicht, im Gegenteil.

Die Spieler sind sich in der Bewertung des "Middle Sunday" uneins. "Ein Tag Pause hat etwas Positives, jeder kann mal abschalten", sagt Federer. Djokovic ist dagegen ein Kritiker des spielfreien Middle Sunday. "Wir akzeptieren die Tradition, aber manche Regeln sollten zu Gunsten des Spielplans und der Spieler geändert werden", meint der dreimalige Champion. Es ist unwahrscheinlich, dass seine Bitte in naher Zukunft erhört wird. Denn in Wimbledon ist nicht nur der Rasen, sondern auch die Tradition heilig.

 
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