| 12.55 Uhr

Gegen Venus Williams in Wimbledon
Serena Williams stolpert zum "Serena Slam"

Fotos: Serena Williams ringt Heather Watson nieder
Fotos: Serena Williams ringt Heather Watson nieder FOTO: afp, rb
Düsseldorf. Nach dem traditionellen Ruhetag in Wimbledon geht es am Montag mit prominent besetzten Achtelfinals weiter. Eines der größten Highlights ist das Duell von Venus und Serena Williams. Letztere könnte in London das vierte Grand-Slam-Turnier in Folge gewinnen. In den vergangenen Wochen überraschte sie immer wieder mit extremen Formschwankungen. Von Christoffer Kleindienst

Bereits nach zwei Aufschlagspielen musste eigentlich jedem Zuschauer klar gewesen sein, dass Serena Williams das Match gegen Heather Watson nicht verlieren konnte. Am Freitag trafen die beiden Spielerinnen aufeinander, die Engländerin wurde in der dritten Runde vom Publikum frenetisch angefeuert. Das Problem dabei: Eigentlich besitzt die 23-Jährige keinen echten Schlag, um die Weltranglistenerste in Bedrängnis zu bringen. Und trotzdem passierte es – irgendwie.

Was war bloß passiert? 6:2, 4:6 und 0:3 lag die US-Amerikanerin auf einmal hinten, das besonnene Publikum an der Churchfield Road wirkte für seine Verhältnis geradezu hysterisch. Watson spulte hingegen ruhig ihr Programm ab: Durchschnittlicher Aufschlag primär in den Körper (oder auch Schläger) hinein, eine durchschnittliche Rückhand, die ein wenig besser ist als die durchschnittliche Vorhand, und vor allen Dingen ein großes Laufpensum.

Der einzige Unterschied zum ersten Satz, der von Williams problemlos dominiert wurde, war das immense Fehleraufkommen bei der US-Amerikanerin. 33 ungezwungene Fehler hatte Williams letztlich auf dem Konto. Zum Vergleich: Auf solch einen Wert kommen viele Kollegen aus der Herrenkonkurrenz nicht einmal in fünf Sätzen, Watson produzierte lediglich elf "unforced errors". Das alles war aber letztlich uninteressant für Williams. Gegen Watson spielte sie in den entscheidenden Situationen besser und zog somit verdient ins Achtelfinale ein. 

Plan B ist nicht vorhanden

"Ich hatte echt nicht mehr daran geglaubt, noch zu gewinnen. Sie spielte einfach unglaublich", schilderte Williams ihre Sicht auf die Dinge nach der Partie. Es war allerdings nicht das erste Mal, dass die derzeit beste Tennisspielerin der Welt überraschend vor Probleme gestellt wurde. Besonders häufig war dies auch bei den French Open vor wenigen Wochen zu begutachten. Von sieben Spielen gewann Williams dort fünf Matches in drei Sätzen. Bei den Australian Open dieses Jahres und den US Open 2014 musste sie nur zwei Mal über die volle Distanz gehen.

Nun wirkte Williams allzu häufig nicht vollends konzentriert. Außerdem schien es sich zu rächen, dass Williams, so wie zahlreiche Profis auf der WTA-Tour, keinen Plan B hat. Sie hat zwar die druckvollsten Grundschläge in der Damenkonkurrenz, allerdings ist ihre Vorwärtsbewegung – schmeichelhaft ausgedrückt – holprig, das Spiel am Netz entsprechend schwach. Auch der 33-Jährigen mangelt es an Flexibilität in ihren Schlägen. Extreme Winkel, Stopps oder ein gut gesetzter Slice sind nur ganz selten zu beobachten. 

"Sie ist derzeit in einer besseren Verfassung als ich"

Daran wird Williams nicht mehr groß arbeiten – warum auch? Sie befindet sich nun langsam auf dem Schlussspurt ihrer Karriere und dennoch ist sie erfolgreich. Mit einem möglichen Sieg in Wimbledon würde sie das vierte Grand-Slam-Turnier in Folge gewinnen. Das ist zwar kein lupenreiner "Grand Slam", dafür müsste sie die vier großen Turniere in einem Kalenderjahr gewinnen, aber immerhin wird von einem "Serena Slam" gesprochen. 

Einen Strich durch die Rechnung könnte ihr ausgerechnet die geliebte Schwester machen. Im Achtelfinale wartet Venus auf sie (14 Uhr/Live-Ticker). Seitdem bei ihr eine Auto-Immun-Erkrankung diagnostiziert wurde kommt die ältere Schwester nicht mehr an die Weltspitze heran. Auf Rasen kann sie allerdings all ihre Stärken ausspielen. "Sie ist derzeit in einer besseren Verfassung als ich", sagte Serena sogar. 

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