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"Wer antritt, kann auch verlieren": Thomas Bach greift nach der IOC-Krone

zuletzt aktualisiert: 11.09.2000 - 12:38

Sydney (sid). Den sportpolitischen Ring hat Thomas Bach bisher immer als Sieger verlassen, und am Mittwoch greift er nach der nächsten Krone: Der Olympiasieger von 1976 im Mannschaftsflorett will Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) werden. Von Vorschusslorbeeren will der 46-Jährige allerdings nichts wissen. "Wer in eine Wahl geht, muss auch mit einer Niederlage rechnen", sagt der Tauberbischofsheimer: "Daran bin ich auch gewohnt. Als Fechter habe ich an jedem Wochenende welche einstecken müssen, und beim Tennis verliere ich noch heute regelmäßig."

Sein Gegenkandidat ist der Japaner Chiharu Igaya, der 1956 in Cortina Slalom-Silber hinter Toni Sailer gewann. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass dem 69-Jährigen auch diesmal nur der zweite Platz winkt. Bach gilt als klarer Favorit, auch wenn es es selbst vehement bestreitet: "Wer Stimmungen im IOC einschätzen will, hat schon oft falsch gelegen." Sein persönliches Verhältnis zu Igaya ist weiter ungetrübt: "Wir sind in letzter Zeit mehrmals zusammen essen gegangen."

Wenn er verliert, muss der Jurist und Leiter einer erfolgreichen Anwaltskanzlei für vier Jahre den Führungszirkel verlassen. Das möchte er vermeiden: "Wer in der Exekutive sitzt, kann mitgestalten, und das ist doch der entscheidende Antrieb dafür, dass man sich ehrenamtlich engagiert. Ich habe die Reformen im IOC mit auf den Weg gebracht und würde sie gern weiter mit realisieren." Unterstützung durch die beiden anderen deutschen IOC-Mitglieder kann er nicht erwarten. NOK-Präsident Walther Tröger und Ex-Ruderer Roland Baar dürfen nicht mitwählen, weil sie nach den neuen Statuten als "befangen" gelten.

Einer anderen Statutenänderung vom Dezember, der neuen "Auszeit", fiel bereits ein anderer Reformator zum Opfer, der Kanadier Dick Pound. Bach: "Diesen Teil der Reform sollte man überdenken. Die Exekutive kann nur schwer so lange auf gute Leute verzichten." Vielleicht trifft dieser Satz ab Mittwoch auch auf ihn zu. "Wer antritt, kann auch verlieren", betont er nochmals.

Doch bis jetzt verlief sein Aufstieg auf der olympischen Bühne ohne jeden Knick. 1991 kam er ins IOC, von Deutschlands großem Olympier Willi Daume gefördert. Schon 1996, mit gerade 42 Jahren, rückte er mit überlegener Mehrheit in die Exekutive auf, für viele eine echte Überraschung. Bach beendete die schwarze deutsche Serie, nachdem Tröger zwei Jahre zuvor gescheitert war und Berlins Olympia-Bewerbung 1993 mit einem Debakel geendet hatte.

Der Tauberbischofsheimer hatte in Juan Antonio Samaranch seinen nächsten väterlichen Freund gefunden, obwohl der IOC-Chef und Daume sich nie besonders herzlich zugetan waren. Doch Bach hatte sich schnell breite Anerkennung erworben, vielleicht gerade, weil er sich von keinem Lager vereinnahmen ließ.

Er zog in die juristische Kommission ein, die vielleicht wichtigste, und rückte als erster Deutscher seit Jahrzehnten in den innersten Zirkel auf. Selbst Berthold Beitz (Vize 1984-88) gehörte ihm nicht an, bei Willi Daume (Vize 1972-76) herrschten noch ganz andere Verhältnisse.

Als Aktiver gehörte Bach zu jenen Musketieren von Emil Beck, die frischen Wind in den Fechtsport brachten und den kleinen Ort im Taubertal rund um die Welt bekannt machten. Nach Olympiagold 1976 und WM-Titel 1977 sollte der Höhenflug bei den Sommerspielen 1980 in Moskau fortgesetzt werden. Bach war einer der härtesten Kritiker des Boykotts. Er beendete seine Laufbahn und startete eine neue Karriere als Mitglied der IOC-Athletenkommission: "Die Politik darf nicht den Sport regieren."

Quelle: RPO Archiv

 
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